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 Betreff des Beitrags: Heimkinder massiv ausgebeutet und um Milliarden betrogen
BeitragVerfasst: 2014-06-07, 07:36 
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Beiträge: 988
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Hier zitiert und jetzt noch einmal hochgeholt wird von mir ein meinerseitiger Beitrag aus dem Jahre 2011: Beitrag 39 vom Donnerstag, 10. März 2011, um 04:32 Uhr im Thread »GERMANY. - Wer soll für den Schaden der Heimopfer und Missbrauchsopfer haften?« im HEIMKINDER-FORUM.DE @ http://heimkinder-forum.de/v3/board3-he ... wer-soll-für-den-schaden-der-heimopfer-und-missbrauchsopfer-haften/index2.html#post237517

Zitat:
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Eingeständnis. - Die Beweise der nachkriegsdeutschen Zwangsarbeit befinden sich in den Kirchen-Archiven !

Concession / confession: Evidence of post-war forced labour within Germany can be found in the church archives !

In der Bundesrepublik Deutschland weigern sich alle Medien diese Fakten zu veröffentlichen --- sie sagen es zwar nicht eindeutig, dass sie sich weigern, aber sie veröffentlichen es einfach nicht ( Selbstzensur pur !!! ).

The media ( all relevant Media ! ) in the Federal Republic of Germany refuse to publish these facts. It is not that they say that they refuse to publish these facts, but they simply don’t publish it ( uncompromising self-censorship !!! ).

In GERMANY war Zwangsarbeit sofort nach dem Zweiten Weltkrieg wieder akzeptabel und wurde weitgehend angewendet ( um die Betriebe aufrechtzuerhalten und die Wirtschaft anzukurbeln und in Schwung zu halten – denn es herrschte besonders in West-Deutschland über lange Jahre hinweg Arbeitermangel [ besonders auch Mangel an Arbeitern und Arbeiterinnen, die bereit gewesen wären für einen Hungerlohn oder sogar völlig umsonst zu arbeiten ! ] ) !!!

Nutznießer von nachkriegsdeutscher Zwangsarbeit scheffelten dabei über Jahrzehnte hinweg Milliarden-Gewinne in ihre Geldbeutel, vielfach auch noch ohne jegliche Steuern dafür zu bezahlen.

Germany arrogantly continues to deny and ignore its breach of international law pertaining to the continued use of "forced labour" in its child welfare institutions immediately after cessation of hostilities in 1945 --- and continuing in West-Germany for many decades after the war – with the churches in the forefront of this ongoing despicable practice raking in billions in profits therefrom ( between ca 1945-1985 ) !!! – and not willing even today, in 2011 [ or even in 2014 ], to make amends for these atrocious transgressions and human rights violations back then.

Führende evangelische Kirchenmitarbeiterin / „Erzieherin“, Dr. Rosemarie Kamp, unbeabsichtigt gesteht nachkriegsdeutsche „Heimkinder-Zwangsarbeit“ ein und sieht nichts verwerfliches darin.

Ich erwähne dies immer mal wieder schon über die letzten acht Jahre hinweg.
Ich weiß nicht wie oft ich noch darauf hinweisen muß bevor jemand DAVON Kenntnis nimmt – oder auch nur die deutschen Medien DAVON Kenntnis nehmen:

Schon in 1947/1948/1949 protestierte ein führender britischer Offizier offiziell gegen die Fortführung in West-Deutschland von „Heimkinder-Zwangsarbeit“ ( besonders in seinem Areal im nordöstlichen Niedersachsen ! ) in einem evangelisch-lutherischen „Mädchenerziehungsheim“ in Braunschweig [ Marienstift genannt – steht nur als ein Beispiel von vielen in West-Deutschland ! ] --- und die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland und die gesamte Innere Mission / Diakonie lehnte sich gegen seinen offiziellen Protest auf, und hielt ihren Aufstand gegen den Protest dieses führenden Offiziers der britischen Besaztungsmacht schriftlich fest ( weil diese „Heimkinder-Zwangsarbeitin Deutschland einfach so „Gang und Gäbe“ sei und das „immer schon so gewesen“ sei ! – d.h. „Heimkinder in Deutschland waren schon immer gezwangsarbeitet worden“ und das würde auch „weiterhin so fortgeführt“ werden“ ! ).

Woher weiß ich, der Australier Martin Mitchell, das ? – Weil ich selbst solch ein Zwangsarbeiter in einer anderen evangelisch-lutherischenEinrichtung in West-Deutschland, in einem Moor in Niedersachen in den frühen 1960er Jahren war.

und

Weil im Jahre 2000, anhand von umfangreichem kirchlichen Archivmaterial, öffentlich und ganz freiwillig und lobpraisend eingehend von diesem reputablen führenden Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland – sowohl wie ein führendes Mitglied dieserArbeitsausbeutungseinrichtungen“ – Dr. Rosemarie Kamp, persönlich, in dem Kirchen-Magazin Doppelpunkt DARÜBER berichtet wurde:


http://www.heimkinder-ueberlebende.org/70_Jahre_evangelische_und_katholische_Maedchenerziehungsheime_in_Deutschland_No01.html ( Das Original dieses umfangreichen und detailierten Artikels von Dr. Rosemarie Kamp, in dem Kirchen-Magazin Doppelpunkt aus dem Jahre 2000, war zuvor hier aufrufbar @ http://www.marienstift-braunschweig.de/fileadmin/downloads/doppelpunkte/archiv/2003/2003_2.pdf, ist aber jetzt, stattdessen, hier aufrufbar @ http://www.marienstift-braunschweig.de/fileadmin/daten/doppelpunkte/archiv/2003/2003_2.pdf ( 955.56 KB ) ) [ aber im Jahre 2014 auch dort jetzt nicht mehr auffindbar ! Die Evangelische Kirche in Deutschland hat diesen diesbezüglichen Text jetzt völlig aus dem Internet verschwinden lassen ! ]

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Ich selbst aber habe, als Einziger, diesen Text gut aufbewahrt und er ist wie zuvor auch weiterhin hier aufrufbar @ http://www.heimkinder-ueberlebende.org/70_Jahre_evangelische_und_katholische_Maedchenerziehungsheime_in_Deutschland_No01.html
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_________________
Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.


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 Betreff des Beitrags: Vortrag vom 27.05.2014 Esslingen: Prof.Dr. Manfred Kappeler
BeitragVerfasst: 2014-06-09, 03:03 
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Zitat:
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[ Seite 1 ]

Prof. Dr. Manfred Kappeler


Vortrag im Rahmen der Ethik-Vorlesung an der Hochschule Esslingen (Fakultät Soziale Arbeit) am 27.5.2014

Anvertraut und ausgeliefert

Statt Hilfe und Unterstützung erfuhren sie Unrecht und Leid – Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung der Vierziger-Siebzigerjahre.

Zunächst eine Vorbemerkung zu den Grundlagen meines Vortrags:
■ Berufserfahrung als junger Sozialpädagoge in der Heimerziehung in den Jahren 1960 – 1968
■ Supervisor von pädagogischen Fachkräften in Heimen und sozialpädagogischen Wohngemeinschaften
■ Lehrtätigkeit in Ausbildungs- und Studiengängen (Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten)
■ Beteiligung an der Kritik der Heimerziehung Ende der Sechzigerjahre (Heimkampagne) und an der Entwicklung von Alternativen
■ Wissenschaftliche und publizistische Arbeiten zur Heimerziehung (1. Veröffentlichung 1964 in der Fachzeitschrift „Unsere Jugend“ – jüngste Veröffentlichung in der Zeitschrift „Widersprüche“ im März 2014 und in der TAZ vom 3.3.2014)
■ Sachverständiger im Petitionsausschuss und im Familienausschuss des Bundestages
■ Mitglied im Fachbeirat des AFET (Bundesarbeitsgemeinschaft für erzieherische Hilfen) 2004 – 2012
■ Mitglied im Fachbeirat der Berliner Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder (West und Ost)
■ Moderation der Berliner Gruppe ehemaliger Heimkinder bis Juli 2012

■ Unterstützung der Initiative ehemaliger Heimkinder für ihre Rehabilitation und Entschädigung seit 2005.

Mit der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 wurde auch die Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe und Jugendpflege (AGJJ – heute AGJ) als Dachverband der Jugendhilfe gegründet. Gründungsmitglieder waren alle großen öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe. In der von Franz Josef Strauß, dem damaligen Leiter des Referats Jugendhilfe im Bayrischen Innenministerium, unterschriebenen Gründungsurkunde heißt es: „Durch die Arbeitsgemeinschaft soll die Tätigkeit der Behörden, der Verbände und Vereinigungen zusammengefasst und für die Jugendwohlfahrt fruchtbar gemacht werden. Es sollen damit alle Kräfte, die in echter Verantwortung dem Wohl und der Förderung unserer Jugend dienen, nach den Grundrechten, die im Grundgesetz der Bundesrepublik verankert sind, sich in wirksamer Weise für dieses Ziel frei entfalten können“. Aber trotz der Bindung an das GG und obwohl der Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte durch die Grundrechte in der Verfassung seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ohne Einschränkungen auch für die Säuglinge, Kleinkinder, Schulkinder und Jugendlichen galt die in Heimen leben mussten. Für den Schutz diese Kinder und Jugendlichen, die die Fürsorge und Geborgenheit einer Familie entbehren mussten, hatte der Staat eine besondere Verpflichtung:: das staatliche Wächteramt nach Art. 6 GG, dessen Ausübung die wichtigste Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe hätte sein müssen. Dennoch wurden sie in den Heimen der Jugendhilfe (damals Jugendfürsorge) wie bis 1945 weiterhin zu Ausgelieferten, die keine Chance hatten, sich gegen die ihnen zugefügte Erniedrigung, Unterdrückung und Ausbeutung zu wehren. Es gab keine Instanz, keine Person die ihnen zugehört oder gar geglaubt hätte.

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Nicht erst aus dem historischen Abstand von heute aus gesehen ist klar, dass die Jugendhilfe ihre Verpflichtung und Selbstverpflichtung auf die Grundrechte der Verfassung, auf Menschenwürde und Menschenrechte, wie sie in dem Gründungsdokument der AGJJ aus dem Jahr 1949 formuliert wurde, in der Alltagspraxis der Heimerziehung während der ersten drei Jahrzehnte der Bundesrepublik nicht eingelöst hat.

Die mit den zentralen Grundlagen eines demokratischen und sozialen Rechtsstaates in krassem Widerspruch stehenden Zustände in der Heimerziehung waren der Fachöffentlichkeit und der Kinder- und Jugendpolitik zu jedem Zeitpunkt der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte bekannt. Es gab auch zu jedem Zeitpunkt einzelne Einrichtungen und Modellprojekte, die zeigen konnten, dass eine die Würde und die Rechte von Kindern/Jugendlichen achtende, ihre individuelle Entwicklung fördernde Erziehungspraxis in Heimen möglich war. Aber die unselige „Tradition“ der Fürsorgeerziehung als Zwangserziehung, die durch die NS-Jugendfürsorge noch eine Zuspitzung erfahren hatte, weltanschaulich-ideologische Barrieren und fehlender politischer Wille verhinderten über dreißig Jahre die flächendeckende Umsetzung von Alternativen und führten dazu, dass ca. 800 000 Mädchen und Jungen, ein erheblicher Teil von ihnen auch in Baden-Württemberg, in Heimen leben mussten, die zum Typus der Totalen Institutionen (Goffman 1967) gehörten.

Erziehungsheime für Jugendliche

Lange bevor diese soziologische Kategorie für auf Zwang beruhende und ihre „Regeln“ mit Gewalt gegen die in ihr „untergebrachten“ Menschen durchsetzende Systeme entwickelt wurde und zu einem festen Begriff in den Gesellschaftswissenschaften werden konnte, hatten Kritiker der Heimerziehung im Nachkriegsdeutschland genau beschrieben, was eine Totale Institution ist und was sie den ihr Ausgelieferten antut.

Elisabeth Bamberger, die in den ersten Jahren nach Krieg und Faschismus das Jugendamt in München leitete, forderte schon 1948 die Abschaffung der Fürsorgeerziehung und die Streichung des unbestimmten Rechtsbegriffs Verwahrlosung aus dem Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG). Die Praxis der Fürsorgeerziehung hielt sie für pädagogisch kontraproduktiv und politisch mit einer demokratischen Gesellschaftsordnung nicht vereinbar. Sie kritisierte auch die bürokratische „seelenlose Aktenführung“ und Berichterstattung über Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Jugendämtern und Heimen.. In dem Standardwerk „Handbuch der Heimerziehung“ wurde 1955 der „Zwangscharakter“ der Fürsorgeerziehung scharf kritisiert: „Sie erfordert eine rationale Durchgestaltung der Erziehung. Die Methode herrscht. Die Ordnung des Zusammenlebens erstrebt die erhöhte Brauchbarkeit des Zöglings. Das Erzieher-Zöglings-Verhältnis ist autoritär. Lehrer, Meister und Erzieher fordern als Vertreter objektiver Ansprüche Gehorsam. Deshalb gilt die gehorsame Unterordnung unter den Anspruch der Ordnung als Erziehungserfolg. Die menschliche Zuordnung dient den Ordnungs-, Lehr- und Arbeitsansprüchen. Unerbittlich hart werden Ordnungs- und Arbeitsgewöhnung organisiert. Die Dressur überwiegt das Bedürfnis, Einsicht zu wecken. Die Entschlossenheit der Macht, die das Ordnungssystem schützt, lässt überall den Strafcharakter noch durchschimmern. Die eindeutige Ausrichtung auf ein arbeitshartes Leben macht die Anstalt klar, einfach und durchsichtig. Der Apparat garantiert die Ordnung, die Leitung ordnet die Arbeit an, überwacht sie und bricht den Widerstand mit Gewalt. Drill, blinder Gehorsam und die Entpersönlichung des Verkehrs werden auf die Spitze getrieben. Der Anstaltsapparat mit seinem pädagogisch unvorgebildeten Aufseherstab bildet den äußeren Rahmen des versachlichten Lebens. Es wird unentwegt gearbeitet, um die Kraft der anderen Triebe zu schwächen. Die Arbeit richtet sich gegen körperliche Verweichlichung. Schwere körperliche Arbeit wird bevorzugt. Die Ausbildung in spezialisierter Arbeit von Lehr- und Anlernberufen wird als seltene Vergünstigung und als Arbeitsantrieb benutzt.“

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Entgegen der Forderung der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch Heimerziehung (RTH) wurde diese „Arbeit“ von der Mehrheit der Institutionenvertreter am RTH nicht als nach dem Grundgesetz verbotene Zwangsarbeit anerkannt, obwohl die im Abschlussbericht des Gremiums dargestellten Fakten und alle bekannten Forschungsergebnisse die Bewertung als Zwangsarbeit rechtfertigen würden.. Diese Nichtanerkennung ist einer der Gründe für die Verweigerung einer angemessenen finanziellen Entschädigung und eine der Hauptursachen für die große Unzufriedenheit vieler ehemaliger Heimkinder mit den „Empfehlungen“ des RTH, die auf der Basis des Bundestagsbeschlusses vom Juli 2011 gegenwärtig durch den Fonds Heimerziehung und die Anlauf- und Beratungsstellen der Bundesländer umgesetzt werden.

Der Reformpädagoge und Mitbegründer der Gilde Soziale Arbeit Professor Hanns Eyferth charakterisierte schon 1950 die Verhältnisse in den Erziehungsheimen für Jugendliche folgendermaßen: „Sie richten sich auf eine Erziehung des durch Gehorsam erzwungenen vorschriftsmäßigen Verhaltens. Hier wirken sowohl ältere traditionelle Erziehungsauffassungen von der selbstverständlichen Gehorsamspflicht, wie konfessionelle Vorstellungen und schließlich militärische Vorbilder. Dabei haben wir aber nicht Aufseher, sondern Erzieher vor uns“.

1970 veröffentlichte der in Sachen Erziehung renommierte Klett-Verlag (Stuttgart) eine empirische Studie zu drei Fürsorgeerziehungsheimen für männliche Jugendliche in Baden-Württemberg: einem staatlichen, einem katholischen und einem evangelischen. Die Befunde seiner Untersuchung, so der Autor Herrman Wenzel, seien lediglich eine Bestätigung seit langem bekannter Tatbestände. Je mehr Untersuchungen gleiche Missstände und Mängel aufzeigten, desto gültiger und dringender werde das Postulat, in der Erziehungshilfe neue Wege zu gehen. Der Misserfolg der Heimerziehung liege weitgehend im Versagen der Heime und Behörden begründet, das nicht mit fehlenden finanziellen Mitteln in den öffentlichen Haushalten entschuldigt werden könne. Wenzel zitiert die scharfe Kritik einer Delegation der britischen Regierung an der Praxis der Heimerziehung in Deutschland aus dem Jahre 1947 und vergleicht diese Kritik mit seinen Untersuchungsergebnissen. Sein Resümee: „Inzwischen sind mehr als zwei Jahrzehnte verflossen; die Kritik der britischen Delegation hat aber nichts an ihrer Aktualität eingebüßt“.

1971 führte Professor Klaus Mollenhauer, einer der bedeutendsten Sozialpädagogen der „alten“ Bundesrepublik, eine empirische Untersuchung in sechs Erziehungsheimen durch. Ich zitiere das Ergebnis dieser Studie: „Eine Erziehung, die an den spezifischen Erziehungsbedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientiert wäre, konnte in keinem der untersuchten Heime beobachtet werden. Die ermittelten Zielvorstellungen und die beobachteten ihnen zugeordneten Methoden sind zugeschnitten auf abstrakte Normen, Einstellungs- und Verhaltensmuster, ohne dass deren Gültigkeit problematisiert würde, weder generell, noch in Bezug auf die Population auf die sie gemünzt sind.

In diesem institutionellen und personellen Organisationszusammenhang werden die Kinder und Jugendlichen als Störfaktoren definiert. Wenn Anpassung an die Erfordernisse der Organisation somit de facto als der Erziehungszweck des Heimes ausgemacht werden kann, so entspricht dem, dass eine im eigentlichen Sinne pädagogische Konzeption entweder gar nicht oder nur in unzulänglichen Ansätzen vorhanden ist“.

Kinderheime

Die Situation in den Heimen für schulpflichtige Kinder beschreibt Prof. Hanns Eyferth 1950 in seinem Buch „Gefährdete Jugend“: In diesen Heimen müssen die Kinder die ganze Hausreinigung, die grobe Küchenarbeit, das Holzhauen, die Botengänge und den größten Teil der Arbeit in den Gärten und in der heimeigenen Landwirtschaft bewältigen. Durch die Arbeit der Kinder wurden Personalkosten eingespart. Die Kinderarbeit beurteilte Eyferth als eine

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Gefährdung ihrer schulischen Bildung. Sie ließ den Kindern auch keine Zeit für selbstbestimmtes Spielen, dessen große Bedeutung für die emotionale und intellektuelle Entwicklung von Kindern auch schon 1950 zu den gesicherten Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie und der Erziehungswissenschaft gehörte.

Es kann heute nicht mehr bestritten werden, dass die Kinder mit der ihnen abgezwungenen Arbeit die Binnenstrukturen der Heime aufrechterhalten mussten, in die sie durch die Jugendämter eingewiesen wurden. Staatliche und kirchliche Träger der Jugendhilfe betrieben also in großem Umfang verbotene Kinderarbeit. Diese gesetzwidrige Ausbeutung der Kinder ist eine der Hauptursachen für die den Heimkindern vorenthaltene schulische und berufliche Bildung. Ein erheblicher Teil von ihnen wurde ohne Volksschul- bzw. Hauptschulabschluss aus der Heimerziehung entlassen. Nach einer Untersuchung des Heimreformers Martin Bonhoeffer besuchten 1973 nur 1% der in Heimen lebenden Kinder und Jugendlichen eine weiterführende Schule. Dass sehr viele ehemalige Heimkinder heute in Altersarmut leben müssen und auf Grundsicherung bzw. ALG II angewiesen sind, ist darauf zurückzuführen. Wie die Zwangsarbeit von Jugendlichen ist auch die verbotene Kinderarbeit einer der Gründe für die Forderung der ehemaligen Heimkinder am RTH nach einer finanziellen Entschädigung in Höhe von anrechnungsfreien 300 Euro mtl. gewesen, die bekanntlich von der Mehrheit der Institutionenvertreter am RTH (Bund, Länder, Kirchen) abgelehnt wurde.

Die einzige finanzielle Leistung aus dem Fonds Heimerziehung mit Bezug auf die während der Unterbringung in Heimen geleisteten Arbeit, ist die sog. Rentenersatz- bzw. Rentenausgleichszahlung in Höhe von 300 Euro für jeden Monat, für den vom Heimträger keine Beiträge an die Rentenversicherung abgeführt wurden. Das gilt aber nur für Jugendliche ab dem 14. Geburtstag, die nicht mehr dem Verbot der Kinderarbeit unterlagen. Für die den Kindern abgezwungene Arbeit gibt es keinen Cent. Ein Beispiel: In einer großen diakonischen Einrichtung mussten die Kinder ab dem 10. Lebensjahr, nach dem Besuch der Heimschule am Vormittag, nachmittags an jedem Werktag vier Stunden in der Landwirtschaft der Anstalt arbeiten. Die selbe Arbeit mussten sie auch nach dem 14. Geburtstag als Jugendliche verrichten. Ein mir bekannter Ehemaliger, der mit siebzehn aus dieser Anstalt entlassen wurde, kann für die drei Jahre, die er als Jugendlicher in diesem Heim zur Arbeit gezwungen wurde, Geld aus dem Fonds bekommen. Für die vier Jahre verbotener Kinderarbeit in diesem Heim bekommt er nichts. Ein anderer Ehemaliger, der schon als Sechsjähriger in der heimeigenen Landwirtschaft eines kirchlichen Heimes arbeiten musste, dann als Vierzehnjähriger in eine Handwerkslehre „mit Kost und Logis“ entlassen wurde, bekommt für die acht Jahre verbotener Kinderarbeit keinen Cent aus dem Fonds. Obwohl er ein begabtes Kind war, durfte er nur die „Hilfsschule“ besuchen, aber auch nur dann, wenn es die jahreszeitlich schwankenden „Bedürfnisse“ der Landwirtschaft des Heimes zuließen.

Diese vollständige Nichtanerkennung der erzwungenen Kinderarbeit in den Heimen durch den RTH, den Bundestag und die Bund-Länder-Kirchen-Vereinbarung zur Errichtung des Fonds Heimerziehung hat neues schweres Unrecht gegenüber ehemaligen Heimkindern geschaffen, das eine Quelle großer Enttäuschung und Unzufriedenheit ist.

Die Entschädigungsfrage

In den 40er bis 70er Jahren haben Hunderttausende Kinder und Jugendliche durch die ihnen in den Heimen der Jugendhilfe der damaligen Bundesrepublik abgezwungene Arbeit in der Haus- und Landwirtschaft der Heime selbst, in Eigenbetrieben der Heimträger und als an Fremdfirmen Ausgeliehene mehrstellige Milliardenbeträge erwirtschaftet. Mit diesem Geld wurden Jahr für Jahr die Budgets der Jugendhilfe entlastet und damit zuletzt der Steuerzahler. Der RTH hätte diesen Sachverhalt mit einer wirtschaftswisssenschaftlichen Expertise aufklären können und damit eine Grundlage für eine politisch zu vertretene und der Öffentlichkeit zu vermittelnde angemessene finanzielle Entschädigung ehemaliger

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Heimkinder bekommen. Aber obwohl von den ehemaligen Heimkindern am RTH die Anerkennung der verbotenen Kinderarbeit und der Zwangsarbeit von Jugendlichen vom ersten bis zum letzten Tag der Arbeit des RTH eingefordert wurde, obwohl die wirtschaftliche Bedeutung dieser Arbeit von ihnen immer wieder betont wurde und obwohl sie den direkten Zusammenhang zwischen der erzwungenen Arbeit und der ihnen vorenthaltenen Bildung immer wieder dargelegt haben, wurde diese Expertise von der Leitung des RTH nicht in Auftrag gegeben und dem Bundestag empfohlen, die diesbezüglichen Forderungen der ehemaligen Heimkinder zurückzuweisen. Der Versuch von mir und anderen Sachverständigen, in der die Plenumsentscheidung vorbereitenden Sitzung des Familienausschusses diese folgenreiche Fehlentscheidung zu korrigieren, scheiterte an der Weigerung der Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages, die „Empfehlungen“ des RTH noch einmal daraufhin zu überprüfen, ob sie, wie es den ehemaligen Heimkindern am Beginn dieses Prozesses in Aussicht gestellt worden ist, wirklich einen angemessenen Beitrag zu ihrer Rehabilitation und Entschädigung leisten und für den sozialen Frieden in dieser Gesellschaft förderlich sind.

Säuglings- und Kleinkinderheime

Obwohl für viele ehemalige Heimkinder ihre sog. Heimkarriere (ein schreckliches und zynisches Wort, weil mit Karriere eigentlich eine individuelle Erfolgsgeschichte gemeint ist) in den Säuglings- und Kleinkinderheimen begann, spielten diese Heime in der „Aufarbeitung“ am RTH und in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle. Das liegt unter anderem daran, dass die Erfahrungen der ersten drei bis vier Lebensjahre bei den meisten Menschen im Gedächtnis nicht gespeichert werden. In den autobiografischen Berichten ehemaliger Heimkinder die von Geburt an in Heimen leben mussten, finden sich daher kaum Hinweise auf die Praxis der Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern in diesen Heimen. Allerdings sind die Auswirkungen der sog. Massenpflege international schon seit den Dreißigerjahren und in der Bundesrepublik verstärkt in den Fünfzigerjahren umfassend erforscht worden und unter dem Stichwort Hospitalismusschäden nicht nur unter Fachleuten seither bekannt.

In der internationalen Fachliteratur werden seit langem die depravierenden Langzeitfolgen der bis in die Siebzigerjahre üblichen Massenpflege in Säuglings-mund Kleinkinderheimen genau beschrieben. Ihre Bedeutung für die Entstehung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) ist durch die Psychotraumatologie belegt. Die Forschungsergebnisse zum Deprivationssyndrom zeigen, dass Heim- bzw. Klinikaufenthalte von Säuglingen schon nach einer Dauer von wenigen Monaten schwere Traumatisierungen mit lebenslangen Folgen bewirken können.

Der AGJJ-Fachausschuss Erziehung im frühen Kindesalter befasste sich 1956 mit der Situation von Säuglingen und Kleinkindern in Heimen. In seinem Bericht werden die Bedingungen der Massenpflege - „Der ganze Umfang des Mangels von dem das Heimkind betroffen wird“ – detailliert beschrieben. Auch die Auswirkungen dieser Mangelsituation auf die kleinen Kinder werden klar und eindringlich dargestellt: „Kinder aus solchen Heimen bleiben in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung weit zurück, sodass sie nicht selten wie Schwachsinnige wirken. (...) Nicht nur in der äußeren Entwicklung nimmt es (das kleine Kind, M.K.) Schaden, es entbehrt entscheidende, die Person des Menschen prägende Erfahrungen. Die Auswirkungen dieser menschlichen Verkümmerung, zum Beispiel Kontaktmangel, Misstrauen, vermindertes Selbstbewusstsein, Abwehrreaktion, reichen tief und weit in das spätere Leben hinein. Wir wissen heute, dass die Gesamthaltung zum Leben von diesen ersten Erfahrungen abhängt“. Der Ausschuss kam zu dem Fazit: „Aus solchen Erkenntnissen ergibt sich zwingend, dass das Problem der Heimerziehung der Säuglinge und kleinen Kinder neu gesehen werden muss und nach neuartigen, besseren Lösungen verlangt“. Der Ausschuss forderte die Ersetzung der Säuglings- und Kleinkinderheime durch

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Kleinstheime, Mutter-Kind-Einrichtungen, Ausbau des Pflegekinderwesens, einen Personalschlüssel von zwei ausgebildeten Fachkräften für fünf Kinder und eine weitreichende Reform der Erzieherausbildung. Allen Mitgliedsverbänden der AGJJ, unter ihnen alle großen freien und öffentlichen Träger der Heimerziehung und der Bundesregierung wurden die Ergebnisse der Arbeit dieses AGJJ-Auschusses zugeleitet. In den AGJJ-Akten findet sich keine einzige Reaktion der Heimträger und der zuständigen Ministerien des Bundes der Länder und der Landesjugendämter auf diesen erschütternden Bericht. Die Forderungen wurden insgesamt ignoriert. Auch vom Land Baden-Württemberg und den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden, die in staatlichem Aftrag mehr als 70% der Heime betrieben , kam keine Reaktion.

1958 veröffentlichte die Kinder- und Jugendpsychiaterin Annemarie Dührssen ihre aufsehenerregende empirische Studie Heimkinder und Pflegekinder in ihrer Entwicklung. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung bestätigten die Erkenntnisse des AGJJ-Ausschusses, waren allerdings bezogen auf die traumatisierenden Folgen der Massenpflege in den Säuglings- und Kleinkinderheimen noch genauer und weitreichender. Die Autorin kam zu folgendem Resumee: „Halten wir uns all die schlimmen Dinge vor Augen, dann wird uns deutlich, dass nur ein großzügig angelegtes Doppelprogramm wirklich Abhilfe schaffen kann, bei dem die Vermehrung des Personalbestandes unbedingt mit sorgfältiger fachlicher Ausbildung der notwendigen Hilfskräfte Hand in Hand geht. Dazu müssten umfangreiche wirtschaftliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, was aber nicht geschehen wird. (...) Womit wir unbedingt aufhören müssen, das ist die Beschwichtigung unseres Verantwortungsgefühls mit der Vorstellung, dass die Schäden, die bei der bisherigen Form entstehen, nicht so schlimm seien, dass sie sich auswachsen oder dass sie letzten Endes konstitutionsbedingt seien.“ Dührssen kritisierte, dass sich die Verantwortlichen für die Misere der Säuglings- und Kleinkinderheime um ihr Versagen zu verschleiern „mit Hilfe von nebelhaften Vorstellungen über wissenschaftliche Einsichten“ hinwegsetzten, „die mindestens seit einem halben Jahrhundert zum Kenntnisstand der Medizin, der Psychologie und der Reformpädagogik gehören“. Während meiner 1959 begonnenen sozialpädagogischen Ausbildung war dieses Buch für mich ein Schlüsseltext, der wesentlich zu meiner Sensibilisierung für die unhaltbaren Zustände in der Heimerziehung und zu meinem Entschluss, nach der Ausbildung selbst in die Heimerziehung zu gehen und an der Veränderung dieser Verhältnisse zu arbeiten, beigetragen hat. Leider traf die Voraussage von Annemarie Dührssen zu: die notwendigen Mittel wurden nicht zur Verfügung gestellt; die menschenunwürdige und das zukünftige Leben von Säuglingen und kleinen Kindern zerstörende Praxis der Massenpflege wurde, in vollem Bewusstsein der Folgen, nicht abgeschafft.

Auf dem zweiten Deutschen Jugendhilfetag im Jahr 1966 befasste sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Münchener Sozialpädagogen Andreas Mehringer mit dem „Erziehungsheim als Bildungsträger“. In ihrem Bericht beklagen die Mitglieder der AG, dass die Heimerziehung bezogen auf Säuglinge und kleine Kinder nach wie vor versage: „Der immer noch blühende Säuglingshospitalismus ist eine der stärksten Wurzeln für Erfolgslosigkeit im Bildungsbemühen der Heimerziehung“. Und es sollte noch einmal ein gutes Jahrzehnt dauern, bis Ende der Siebzigerjahre diese Heime endlich abgeschafft wurden.

Bei Tausenden Kindern wurden die durch die Heimerziehung hergestellten Hospitalismusschäden umgemünzt in Scheindiagnosen von erblich bedingtem Schwachsinn, Lernbehinderungen, Schwererziehbarkeit etc. Die Kinder wurden zwischen Heimen der Jugendhilfe, der Psychiatrie und Einrichtungen für behinderte Kinder hin und her geschoben und viele von ihnen wurden als „bildungsunfähig“ etikettiert. Diese Stigmatisierung haftet ihnen ein ganzes Leben an. Diese „Zusammenarbeit“ zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie und ihre schlimmen Folgen für die von ihr betroffenen Kinder und Jugendlichen,

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einschließlich des Schicksals der in Heimen der sog. Behindertenhilfe untergebrachten, wurde vom RTH nicht aufgeklärt. Für die ehemaligen Heimkinder, die in Heimen der „Behindertenhilfe“ leben mussten sah sich das Gremium nicht zuständig und zum Verhältnis von Psychiatrie und Jugendhilfe hätten ihm, so heißt es im Abschlussbericht des RTH, keine Forschungsergebnisse zur Verfügung gestanden. Diese Praxis war aber allen Fachkräften und Verantwortlichn der Kinder- und Jugendhilfe jener Jahre bekannt.

Die Wege ins Heim

Kinder und Jugendliche wurden nicht erst hinter den Türen der Heime zu entrechteten Opfern von demütigender Willkür und Gewalt. Solche Erfahrungen mussten sie schon während der ganzen Prozedur machen, an deren Ende die „Unterbringung“ stand. Darum ist die Frage, wie die Kinder und Jugendlichen in die Heime kamen, von ebenso großer Bedeutung wie die Frage nach den Lebensbedingungen und der Erziehungspraxis in den Heimen. Beides gehört zusammen, wenn es um eine realistische Beurteilung der Heimerziehung der Vierziger- bis Siebzigerjahre geht.

Auf mannigfachen Wegen wurde die Aufmerksamkeit des örtlichen Jugendamtes auf Familien, Kinder und Jugendliche gerichtet. Die soziale Kontrolle bezogen auf die Einhaltung der von der Mittelschicht geprägten normativen Erwartungen der Gesellschaft, war in der Bundesrepublik bis in die Siebzigerjahre in Abwehr der kulturellen Liberalisierungstendenzen in der Gesellschaft sehr dicht. Vor allem in ländlichem und kleinstädtischem und stark religiös bestimmtem Milieu wie in Bayern, war diese moralisch engherzige und bigotte Kontrolle unmittelbar wirksam. Nachbarn, LehrerInnen, Kirchengemeinden, Lehrherren gaben Hinweise oder es handelte sich um Kinder/Jugendliche aus im Gemeinwesen bekannten sogenannten Problemfamilien.

Eine immer von Heimerziehung bedrohte große Gruppe waren unehelich geborene Kinder, die besonders in religiös bestimmten Milieus von vornherein als „Kinder der Sünde“ von „gefallenen Mädchen und Frauen“ diskriminiert wurden. Diese Kinder standen als „Amtsmündel“ von Geburt an unter der Aufsicht des Jugendamtes und des Vormundschaftsgerichtes. Dieser Automatismus wurde erst um 1970 durch eine Verbesserung der Rechtsstellung der „unehelichen Mutter“ gemildert. Sehr viele dieser Kinder wurden unmittelbar nach ihrer Geburt von ihren Müttern getrennt und in Säuglings- und Kleinkinderheime gebracht, in denen ihr Anteil immer zwischen 70% bis 80% schwankte. In den Heimen für Schulkinder und Jugendliche stellten sie immer eine große Gruppe. Ihr Schicksal in den zu 70% von den Kirchen bzw. ihren Orden und Wohlfahrtsverbänden betriebenen Heimen, in denen als ErzieherInnen Nonnen, Ordensbrüder, Diakonissen und Diakone arbeiteten, die zum großen Teil keine Fachausbildung hatten, war besonders bedrückend, da sie zusätzlich noch unter der nie endenden Diskriminierung als „Hurenkinder“ und „Kinder der Sünde“ leiden mussten und ihre Mütter, von denen sie strikt ferngehalten wurden, von den religiösen ErzieherInnen als „unkeusche Flittchen“ deren sündiges Erbe sie in sich trügen, verteufelt wurden. Diese Kinder waren der Willkür der Jugendämter, die leider durch die Vormundschaftsgerichte nicht gestoppt und kontrolliert wurden, schutzlos ausgeliefert und wurden in die Heime regelrecht „entsorgt“, wo sie ein besonderes Schattendasein führten. Sie hatten i.d.R. überhaupt keinen Anschluss an eine Herkunftsfamilie, wussten oft nichts über ihre Herkunft, und konnten sich auf Grund ihrer kompletten Heimsozialisation gegen die Willkür des Heimpersonals noch weniger wehren als andere Kinder und Jugendliche. 1976 sorgte ein Untersuchungsbericht über „Vergessene Heimkinder“ für einen bundesweit diskutierten Skandal. Im Jugendamt einer norddeutschen Provinzstadt wurde bei einer Aktenrevision entdeckt, dass 131 Jugendliche bereits 10 bis 15 Jahre in Heimen lebten, ohne dass seit der Heimeinweisung jemals überprüft worden war, ob die Gründe für die damalige Entscheidung noch bestanden. Bei einigen Jugendlichen fanden

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sich in den Akten keine Hinweise darauf, in wie vielen und welchen Heimen sie schon gewesen waren, bei anderen konnte nicht ermittelt werden seit wann sie im Heim lebten und bei 39 Kindern fanden sich keine Angaben über die Gründe für die Heimunterbringung. Bei 81 Jugendlichen fanden sich keine Entwicklungsberichte. Von all diesen „Versäumnissen“ waren überproportional die Jugendlichen betroffen, die als „Amtsmündel“ unter Amtsvormundschaft des Jugendamtes standen und für die die Vormundschaftsgerichte die letzte Verantwortung trugen. In der Folge dieses Skandals wurden in weiteren Jugendämtern der Republik ebenfalls „Vergessene Heimkinder“ entdeckt, so dass diese Bezeichnung für einige Zeit zu einem in der Jugendhilfe geläufigen Begriff wurde.

Das wichtigste juristische Instrument bei den Entscheidungen der Jugendämter und Vormundschaftsgerichte über Heimeinweisungen von Kindern und Jugendlichen, ja sogar von Säuglingen, war die Anwendung der unbestimmten Rechtsbegriffe Verwahrlosung und drohende Verwahrlosung, (und wenn es um die Anordnung von Fürsorgeerziehung /FE ging oft in Verbindung mit Gefahr im Verzuge), die in § 63 des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes (RJWG) bzw. ab 1962 in § 64 JWG geregelt waren. Elisabeth Bamberger hatte die Tilgung der Verwahrlosungsparagrafen aus dem RJWG gefordert, weil sie in der Praxis der Jugendämter und Gerichte völlig unkontrolliert mit den subjektiven Vorstellungen von Moral, Sitte und Anstand der ihn handhabenden Beamten und Richter aufgeladen wurden, die ihrerseits weitgehend vom „gesunden Volksempfinden“ und ihrer eigenen Mittelschichtsozialisation geprägt waren. In einer Veröffentlichung des Evangelischen Reichserziehungsverbandes (EREV) schrieb 1958 ein Psychologe: „Man versteht unter Verwahrlosung, ganz allgemein gesagt, eine Summe von Verhaltensweisen eines Menschen, die aus dem Rahmen des sozial Üblichen herausfallen. Verwahrloste Kinder und Jugendliche zeigen in ihrem Verhalten auffällige Erscheinungen, die zwar in sich oft widersprüchlich sein können und individuell unterschiedliche Stärkegrade haben können, die aber doch so viel Gemeinsames aufweisen, dass der Sammelbegriff ‚Verwahrlosung’ durchaus gerechtfertigt erscheint (...). So sind Verwahrloste zunächst einmal in jedem Fall unfähig, sich in die Gemeinschaft einzugliedern, sich den sozialen Ordnungen und Verbindlichkeiten zu fügen und verantwortlich zu handeln. Sie erscheinen ohne Pflichtbewusstsein, sie sind egozentrisch und unberechenbar, launisch, undiszipliniert und Gemütsregungen sind, mindestens nach außen hin, selten ersichtlich. Ihr Mangel an Halt, an Willen, an Leistungsbereitschaft, an echter Kontaktfähigkeit kennzeichnet sie in ihrem Verhalten zur Umwelt. Sie haben einen Hang zum Stehlen, Lügen, Betrügen und zu sexuellen Fehlhaltungen; ihre egoistische Anspruchshaltung treibt sie zu frechem, rohem, oft brutalem Benehmen. (...) Damit sie ihre materiellen Wünsche befriedigen können und weil sie sittlichen Forderungen gegenüber taub sind, verfallen sie leicht der Prostitution. Ihr Verhältnis zur Arbeit ist gekennzeichnet durch einen Mangel an Ausdauer. Sie bummeln, schwänzen die Schule, bleiben der Arbeit fern, wie es ihnen passt. Schon bei geringen Belastungen, Anforderungen oder Reibungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es zu Weglaufen und nächtlichem Herumstreunen. Sie weichen fortwährend der Wirklichkeit aus, die sie als Last und Einengung empfinden“. Der Autor konfrontiert in diesem „Fernschulungsbrief“ seine LeserInnen – ErzieherInnen in Heimen der Diakonie – um ihnen einen Spiegel vorzuhalten. Im „Banne moralpädagogischer Auffassungen“, schreibt er, beurteilen Erzieher das Verhalten ihrer Zöglinge von einem „moralisch-wertenden Standpunkt aus“ mit Vokabeln wie „faul, arbeitsscheu, verschlagen, diebisch, lügnerisch, heimtückisch, mannstoll, sittlich verkommen, frech, unverschämt, schmutzig, gemeinschaftsstörend usw.“. Alle diese Vokabeln habe er „in zahlreichen Beurteilungsberichten an die Behörden lesen“ können – ein ganzes Wörterbuch der diskriminierenden, demütigenden und verächtlich machenden pädagogischen Sprache, die bis weit in die Siebzigerjahre hinein in Einrichtungen und Behörden der Jugendhilfe gesprochen wurde. Sie kennzeichnete einen hermetischen Kreis von Ämtern, Gerichten, Trägern und Heimen , in den die Heimkinder unentrinnbar eingeschlossen waren. Diese

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Sprache der Verunglimpfung, gesprochen von Personen mit öffentlichem Ansehen „die es ja wissen mussten“, produzierte und verstetigte das öffentliche Bild vom „verwahrlosten und schwererziehbaren Heimkind“, das den solchermaßen Stigmatisierten ein Leben lang anhaftet und eine der Hauptursachen für das jahrzehntelange Schweigen der ehemaligen Heimkinder war, das mit ihrer 2003 begonnenen Initiative für ihre Rehablitierung und Entschädigung, die auch zu unserer heutigen Veranstaltung geführt hat, jetzt endlich gebrochen wird.

Zu den „Wegen ins Heim“ wäre noch viel zu sagen. Besonders zu den oft brutalen und täuschenden Methoden der „Überführung“, „Überstellung“, „Zuführung“, „Aufgreifung und Rückführung“ (nach erfolglosen Fluchten) – aber dazu reicht die Zeit für diesen Vortrag nicht. Ich habe in der Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe (ZJJ) Nr.3/ 2011 ausführlich darüber berichtet. Heute will ich zu den „Wegen ins Heim“ Sonja Djurovic zitieren, die als ehemaliges Heimkind am RTH mitgearbeitet hat. Sie berichtet aus eigener Erfahrung: „1964, ich war gerade 14 Jahre, entschied ein Gericht in Bayern, dass ich in einem geschlossenen 'Mädchenerzehungsheim' untergebracht werden soll. Ich selbst war die Letzte, die darüber informiert wurde. Ich erfuhr erst avon, als ich von zu Hause abgeholt wurde. Es war eine schlimme Situation für mich (…). Ich wude mit der Heimeinweisung dafür bestraft, dass der Freund meiner Mutter mich täglich sexuell nötigte, zu vergewaltigen versuchte und mich immer wieder verprügelte (…). Wie in tausenden von Akten von Heimindern der damaligen Zeit, stand auch in meiner Akte, dass eine 'sittliche Verwahrlosung' drohe und ich nicht anpassungsfähig sei (…). Diese Ungerechtigkeit und große Missachtng der Wahrheit war sehr schmerzlich für mich. Sie betraf nicht nur die Ignoranz einem Kind gegenüber – es war so, als hätte ich keine Rechte, als sei ich wertlos. Ich fühlte mich hilflos, machtlos und allein gelassen (…). Eines morgens (…) kam eine Mitarbeiterin des für mich zuständigen Jugendamtes, um mich abzuholen. (…). Ich wurde abgeholt und wußte nict einmal wohin die Reise ging. Ich musste auf dem Rücksitz eines Autos sitzen. Der Fahrer und die Jugendamtsmitarbeiterin saßen vorne im Wagen. Sie schwiegen. Es herrschte eine eisige Kälte. Keine meiner Fragen wurde beantwortet. Nach einer schier endlos langen Fahrt gelangten wir zum Ziel der Reise, einem geschlossenen Mädchenheim. Ich wurde der Oberschwester des von Diakonissen geführten Heimes übergeben wie ein Paket. Ihr wurden meine Unterlagen ausgehändigt. Dann fiel die Türe hinter mir ins Schloss und ich war gefangen in einer 'Erziehungsanstalt'“. (Djurovic, Sonja, Im Mädchenerziheungsheim – Erlebnisse, Erfahrungen und Folgen geschlossener Unterbringung, in: Sozial Exra 2/2014).

Schlussbemerkung

Für Alles was ich hier vorgetragen habe werden die Belege in den Archiven der Landesjugendämter, des zuständigen Ministeriums, der Jugendämter, der kirchlichen Träger und im Staatsarchiv zu finden sein. Ganz bewusst habe ich nur „politisch unverdächtige“ Quellen zitiert und darauf verzichtet, aus den umfangreichen Materialien der von der Außerparlamentarischen Opposition der späten Sechzigerjahre getragenen Heimkampagne zu berichten, der nicht zuletzt das historische Verdienst zukommt, mit ihrer radikalen Kritik der Heimerziehung wichtige Anstöße zu ihrer Reform und zur Veränderung des Jugendhilferechts gegeben zu haben. Diese Reform war ein langer Weg. In dem schließlich 1990/91 in Kraft getretenen Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG / SGB VIII) wurden der „Verwahrlosungsbegriff“, die „Fürsorgeerziehung“ und die „Geschlossene Unterbringung“ ersatzlos gestrichen.. Allerdings sehe ich mit Trauer und mit Beklemmung, dass, während wir hier in der Hochschule Esslingen uns des Leids und des Unrechts vergewissern, dass den heute zwischen fünfzig und achtzig Jahre alten Frauen und Männern in ihrer Kindheit und Jugend in Heimen der Jugendhilfe angetan wurde, in diversen Bundesländern sukzessive wieder freiheitsentziehende Maßnahmen in der Jugendhilfe gegen

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Jugendliche angeordnet werden und die Geschlossene Unterbringung – jetzt als „verbindliche Unterbringung“ oder als „pädagogisch-therapeutische Intensivmaßnahme“ sprachlich kosmetisiert – wieder hoffähig wird. Auch das unsägliche Wort „Verwahrlosung/verwahrlost“ wird von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe zunehmend wieder gesagt, so, als hätte es die einhellige Kritik der Jugendhilfe der Siebziger- und Achtzigerjahre an dieser verwahrlosten und verwahrlosenden Sprache nie gegeben. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, wird sich die Kinder- und Jugndhilfe in zwanzig oder dreißig Jahren mit dem Unrecht und Leid befassen müssen, was Kindern und Jugendlichen gegenwärtig und zukünftig in ihren Einrichtungen zugefügt wird. Dazu ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: In der „Hausordnung“ von Heimen des Trägers „Haasenburg“, die im vergangenen Herbst vom Landesjugendamt Brandenburg, nach anhaltender Kritik in den Medien und sehr langem Zögern, geschlossen wurden, heißt es: >
„1. Ich höre auf alle Erzieher und Mitarbeiter der Haasenburg!
2. Dem Erzieher gegenüber antworte ich mit >JA< oder >NEIN< und nenne ihn beim Namen!
3. Es herrscht angemessene Lautstärke in den Wohnräumen, der Schule, auf dem Gelände und auf dem Pausenhof!
4. Ich rede nicht über das Weglaufen und mache es auch nicht!
5. Ich diskutiere nur in angemessenen Situationen, mit einem angemessenen Ziel in angemessenem Tonfall!
6. Ich halte Distanz und habe keinen Körperkontakt!
7. Wenn die Jugendlichen wartend in der Reih stehen, ist der Mund geschlossen und der Blick ist nach vorn gerichtet. Es wird ca. eine Armlänge Abstand zum Vordermann gehalten!
8. Die Jugendlichen laufen erst dann los, wenn die Erzieher es sagen und nur so weit wie es gesagt wird!
9. Die Jugendlichen laufen immer rechts neben dem Erzieher!
10. Während der Dienstzeit ist der Mund geschlossen. Nach Arbeitsmaterieal wird angemessen gefragt! (…)“
„Ich habe die Regeln der Haasenburg gelesen und verstanden und ich bin bereit, sie während meines Aufenthaltes einzuhalten. Verstöße gegen die Regeln der Haasenburg haben Konsequenzen!“. (Zitiert in Sozial Extra 2/2014, S. 51.)
Alles was ich hier vorgetragen habe war, ich wiederhole es, zu jedem Zeitpunkt der Nachkriegsgeschichte der Jugendhilfe den Leitungen der Einrichtungen, den Verantwortlichen in Trägern und Behörden, den zuständigen PolitikerInnen bekannt. Genauer: Es hätte ihnen bekannt sein können und müssen, wenn sie das Schicksal der Heimkinder wirklich interessiert hätte, wie sie immer behaupteten. Dass die Mittel für die immer geforderte tiefgreifende Reform der Heimerziehung im boomenden Wirtschaftswunderland Bundesrepublik Deutschland, nicht bereitgestellt wurden, ist eine gesellschaftliche und historische Schuld, die mit dem Fonds Heimerziehung nicht hinreichend anerkannt und in der Hauptsache – der angemessenen Entschädigung der heute noch lebenden ehemaligen Heimkinder – mit den Leistungen des Fonds Heimerziehung nicht einmal im Ansatz abgegolten wird.

Freilich, die bescheidenen Leistungen dieses Fonds sollten offensiv in Anspruch genommen werden und die MitarbeiterInnen der Anlauf- und Beratungsstellen in den Ländern sollten die Frauen und Männer offensiv, kreativ und unbürokratisch und mit voller Wertschätzung unterstützen, wenn sie zu ihnen kommen, um einen Antrag zu stellen. Das wird nicht immer leicht sein, denn die berechtigte Unzufriedenheit und der Ärger mit dem Ausmaß und den Regularien des Fonds wird sich zuerst ihnen gegenüber artikulieren. Sie sollten die Kritik und Unzufriedenheit aber nicht beschwichtigen und vertuschen, sondern sie weiterleiten und veröffentlichen und sich selbst dessen bewusst sein, dass sie mit den Mitteln des Fonds zwar

[ Seite 11 ]

akute Notsituationen ehemaliger Heimkinder lindern können und sollen, dass damit aber deren berechtigte Forderungen nach einer umfassenden Rehabilitierung, die ohne eine wirkliche Entschädigung nicht möglich ist, nicht erfüllt werden.

.

QUELLE: Vereinswebseite des VEREINs EHEMALIGER HEIMKINDER E.V. @ http://www.veh-ev.eu/home/vehevinf/public_html/

Weitest mögliche Weiterverbreitung des Ganzen erlaubt und ausdrücklich erwünscht.
.

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 Betreff des Beitrags: Vortrag vom 27.05.2014 Esslingen: Prof.Dr. Manfred Kappeler
BeitragVerfasst: 2014-06-10, 08:15 
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Registriert: 2006-07-21, 06:58
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.
(Weiteres) Schreiben seitens des Ehemaligen Heimkindes Martin Mitchell in Australien an Prof. Dr. Manfred Kappeler in Berlin. Schreiben vom Dienstag, 10. Juni 2014.

Zitat:
.
Sehr geehrter Herr Kappeler,

ihr öffentlicher Vortrag vom 27.05.2014 an der Hochschule in Esslingen, Baden-Württhemberg, Bundesrepublik Deutschland

»
Anvertraut und ausgeliefert« ---
»
Statt Hilfe und Unterstützung erfuhren sie Unrecht und Leid – Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung der Vierziger-Siebzigerjahre«


wurde bisher wie folgt weiterverbreitet:

d.h. den Betroffenen und der allgemeinen Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung gestellt

in dem schon am Sonntag, 25. Mai 2014, um 01:30 Uhr von »
martini« /dem Australier Martin MITCHELL eröffneten Thread »Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kappeler - kostenlos ! - Di. 27.05.2014« in Beitrag 4 im HEIMKINDER-FORUM.DE @ http://heimkinder-forum.de/v3/index.php?page=Attachment&attachmentID=20852&h=fe69853660a6cf344ff146593194a2f32037de06&s=49e2da9620e06094611aec0723004ec6d046ef84
( online gestellt von H...... K...... Sonntag, 8. Juni 2014, um 11:16 Uhr – d.h. dort nur registrierten und angemeldeten Forumsmitgliedern zur Verfügung gestellt )

@
http://www.veh-ev.eu/Downloadbereich/Prof._Dr._Manfred_Kappeler_27052014.pdf
( online gestellt vom Verein ehemaliger Heimkinder e.V. am Mo. 09.06.2014 )
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.veh-ev.eu/home/vehevinf/public_html
( online gestellt vom Verein ehemaliger Heimkinder e.V. am Mo. 09.06.2014 )
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

Am Sonntag, 8. Juni 2014 hat der Australier Martin MITCHELL ungefähr insgesamt zwei tausend individuelle Adressaten einschließlich vieler Medienorganisationen persönlich angeschrieben und sie auf die Existenz online dieses Vortrags aufmerksam gemacht.

@ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?p=615#p615
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Mo. 09.06.2014, um 00:39 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.erzieherin-online.de/diskussion/brett/viewtopic.php?p=8545#p8545
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Mo. 09.06.2014, um 02:21 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.kigasite.de/phpBB3/viewtopic.php?p=646575#p646575
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Mo. 09.06.2014, um 02:03 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.politik-forum.at/post685277.html#p685277
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Mo. 09.06.2014, um 23:03 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1926536#1926536
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 01:00 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.troll-forum.de/Forum03/viewtopic.php?p=27598#27598
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am So. 09.06.2014, um 23:31 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.carookee.com/forum/Staatsterror/6/21190935.0.30115.html?p=23
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am So. 09.06.2014, um 23:48 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=10331.msg294773#msg294773
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 02:52 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.wir-heimkinder.at/index.php?page=Thread&postID=61657#post61657
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 02:24 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://humanistenteam.info/forum/viewtopic.php?p=83801#p83801
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 00:36 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=23&p=2591633&sid=d09083a205562866038e52f1f0499193#p2591633
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 00:26 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/06/07/heimkinderfonds-eine-politische-farce/#comment-5364
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Mo. 09.06.2014, um 22:20 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

@
http://www.elo-forum.org/news-diskussionen-tagespresse/13370-albtraum-erziehungsheim.html#post1674247
( online gestellt von dem Australier Martin MITCHELL am Di. 10.06.2014, um 00:14 Uhr
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

Ich hoffe Ihnen persönlich sowohl wie auch allen Ehemaligen Heimkindern und ihren Freunden und Unterstützern hiermit gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Martin MITCHELL



PS. Ein ähnlicher Vortrag wurde anscheinend schon einmal am 12.06.2012 von Ihnen im Bayrischen Landtag gegeben; und dieser ist nur hier im Internet festgehalten ( die meisten Ehemaligen Heimkinder haben und eine breite Öffentlichkeit hat aber nie etwas davon erfahren ) @ http://www.maximilianeum-online.de/dateien/Vortrag_von_Prof__Kappeler_im_Bayrischer_Landtag_12_06_2012.pdf ( online gestellt von ………………… am ……………… )
.

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 Betreff des Beitrags: Vortrag vom 27.05.2014 Esslingen: Prof.Dr. Manfred Kappeler
BeitragVerfasst: 2014-06-11, 08:58 
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(Weiteres) Schreiben seitens des Ehemaligen Heimkindes Martin Mitchell in Australien an Prof. Dr. Manfred Kappeler in Berlin. Schreiben vom Mittwoch, 11. Juni 2014.

Zitat:
.
Sehr geehrter Herr Kappeler,

Die Verbreitung – meinerseits – Ihres Vortrags

»
Anvertraut und ausgeliefert« ---
»
Statt Hilfe und Unterstützung erfuhren sie Unrecht und Leid – Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung der Vierziger-Siebzigerjahre«


geht weiter, u.a., jetzt auch an folgenden Stellen im Internet:

@
http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/politik/detailansicht-politik/artikel/gepruegelt-und-gedemuetigt.html
( Di. 10.06.2014, um 12:41 Uhr )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

@
http://www.gegensexuellegewalt.at/2014/06/10/heimerziehung-von-1940-bis-in-die-70iger-jahre/
( Di. 10.06.2014, um 10:43 )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

Gästebuch von
http://www.traumapaedagogik.de @ http://gb.webmart.de/gb.cfm?id=558335
( Mi. 11.06.2014, um 01:37 Uhr )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

@
http://katja-doerner.de/2014/01/20/erinnerung-an-das-leid-der-ehemaligen-heimkinder/comment-page-1/#comment-238876
( Mi. 11.06.2014, um 01:56 Uhr )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

@
http://www.gruene-linke.de/2013/09/08/zur-situation-der-heimkinder-in-deutschland/
( Mi. 11.06.2014, um 03:08 Uhr )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

@
http://gruen-links-denken.de/2013/heimkinder-verlassen-und-vergessen/#comment-10610
( Mi. 11.06.2014, um 03:22 Uhr )
(
einfach nur ein Linkhinweis zum Kappeler-Vortrag vom 27.05.2014 )

@
http://heimkinderopfer2.blogspot.com.au/2014/06/anvertraut-und-ausgeliefert-statt-hilfe.html
( Di. 10.06.2014, 20:17 Uhr [California, USA] )
(
uneingeschränkt lesbar und nutzbar dort )

All dies kann doch nur zum Benefit unser aller dienen – meine ich.

Meinen Sie nicht auch ??

Herzliche Grüße aus Australien

Martin MITCHELL

PS. Was Herr Klotzbücher bezüglich der Weiterverbreitung Ihres Vortrags macht und wie und wo und an wen er diesen verbreitet weiß ich nicht.

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 Betreff des Beitrags: Vortrag vom 27.05.2014 Esslingen: Prof. Dr. Manfred Kappeler
BeitragVerfasst: 2014-06-13, 02:55 
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Weitest mögliche Weiterverbreitung des Ganzen erlaubt und ausdrücklich erwünscht.

Übrigens schrieb mir Prof. Dr. Manfred Kappler diesbezüglich auch schon am Freitag 8. Mai 2009 / Samstag 9. Mai 2009 ( unter seiner seinerzeitigen Email-Adresse prof.dr.manfredkappeler@web.de ) :

Zitat:
.
Hallo Herr Mitchell - selbstverständlich können Sie meine Vorträge ins Netz stellen. Je mehr Menschen diese Texte lesen um so besser.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Kappeler

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Und, da bin ich mir ganz sicher, dies wird sich auch im Jahre 2014 in Bezug auf seitherige Vorträge von Prof. Dr. Manfred Kappeler nicht geändert haben.
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 Betreff des Beitrags: 25 Milliarden Euro für potenzielle 800000 Opfer. --- Zuviel?
BeitragVerfasst: 2014-06-14, 10:38 
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Entschädigung Ehemaliger Heimkinder.Was wäre „eine angemessene Entschädigung“ für das von ihnen erlittene Martyrium?

25 Milliarden Euro für potenzielle 800000 Opfer. --- Zuviel?

Dierk Schäfer in seinem Blog, dem Dierk Schaefers Blog, nimmt Bezug auf einen wichtigen Medienbericht in der Schweiz, der sich eingehend mit der »Entschädigung Ehemaliger Heimkinder« befasst.

Der Artikel auf den hier Bezug genommen wird erschien am Mittwoch, 11. Juni .2014, um 08:27 Uhr im schweizer TAGES-ANZEIGER.

Der Begriff „begünstigt“ wird in diesem Artikel aus der Schweiz als Synonym für „entschädigt“ verwendet.


Zitat:
.
Das kann ja noch werden.

»Begünstigt würden ehemalige Verding- und Heimkinder, Zwangssterilisierte, Opfer von Medikamentenversuchen und administrativ verwahrte Personen«[1].

Weitere Auszüge:

Zitat:
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Das Gutachten zeichnet detailliert die Aufarbeitung in sechs verschiedenen Ländern nach. Es geht um Fremdplatzierungen und Missstände in Heimen (Deutschland, Irland und Norwegen ), Zwangssterilisierte (Schwede und der US-Gliedstaat North Carolina) sowie zwangsweise Adoptionen (Australien). Das Schicksal der Betroffenen gleicht sich in einem Punkt: Ihre Epoche war blind gegenüber den Zumutungen, denen die Opfer der Zwangsmassnahmen ausgesetzt wurden.«

Das Gutachten, das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, spielt der Justizministerin in die Hände. Denn die Botschaft zwischen den Zeilen lässt sich nicht übersehen: Das Ausland hat etwas für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen gemacht. Die Schweiz dagegen hat es bislang weitgehend bei schönen Worten belassen. Das ist auch die Lesart der Initianten der Wiedergutmachungsinitiative. « … Die Initiative sieht Entschädigungszahlen von insgesamt 500 Millionen Franken vor. Begünstigt würden ehemalige Verding- und Heimkinder, Zwangssterilisierte, Opfer von Medikamentenversuchen und administrativ verwahrte Personen.»

Die Höhe der Entschädigungszahlungen geht dabei weit auseinander. Deutschland hat ehemalige Heimkinder im Durchschnitt mit umgerechnet 6700 Franken entschädigt, wobei der Maximalbetrag 12’200 Franken betrug. Irland hat Heimkindern durchschnittlich umgerechnet 75’000 Franken ausbezahlt. Die höchste Summe, die bislang einem Opfer zugesprochen wurde, liegt bei 365’000 Franken. Die gesamten irischen Entschädigungszahlungen belaufen sich auf rund 1,2 Milliarden Franken [ = z.Zt. 984574991,80 Euro, d.h. also ungefähr neunhundertvierundachtzig-und-ein-halb-Millionen Euro ]. In Norwegen beträgt die durchschnittliche Wiedergutmachung 74’000 Franken. Schweden wiederum hat den Opfern von Zwangssterilisationen einen einheitlichen Betrag von umgerechnet rund 30’000 Franken bezahlt. North Carolina schliesslich stellt eine Summe von umgerechnet knapp 9 Millionen Franken zur Verfügung. Bekannt sind 200 Anspruchsberechtigte. Zum Vergleich: Die Initianten der Wiedergutmachungsinitiative gehen von einer durchschnittlichen Entschädigung von 25’000 Franken aus.

.


Wie gesagt: Das kann ja noch was werden – solange sich die Schweiz nicht am deutschen Modell orientiert, was sie eigentlich nicht gerne tut. Doch wenn es sich um Heimkinder handelt, fallen oft alle Schamgrenzen. Wir drücken die Daumen.

[
1] Alle Zitate aus:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Vorbilder-fuer-Solidaritaetsfonds/story/13859607

.

QUELLE: Dierk Schaefers Blog @ http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/06/11/das-kann-ja-noch-was-werden/


ZUSAMMENFASSUNG:

In der Schweiz soll angeblich momentan für alle schweizer Opfer eine Entschädigungssumme von insgesamt z.Zt. 410239579,91 Euro zur Verfügung gestellt werden; zumindest ist das die Summe die dort gefordert wird und von der dort die Rede ist.

Durchschnittliche Entschädigungszahlungen in Deutschland: z.Zt. 5497,21 Euro.
Der bisher maximale in Deutschland gezahlte Entschädigungsbetrag: z.Zt. 10009,85 Euro.

Durchschnittliche Entschädigungszahlungen in Irland: z.Zt. 61535,94 Euro.
Die höchste Summe, die bislang einem irischen Opfer zugesprochen wurde, liegt bei: z.Zt. 299474,89 Euro.

Durchschnittliche Entschädigungszahlungen in Norwegen : z.Zt. 60715,46 Euro.

Durchschnittliche Entschädigungszahlungen in Schweden: z.Zt. 24614,37 Euro.

In North Carolina beträgt die zur Verfügung stehende Gesamtenschädigungssumme für insgesamt 200 Anspruchsberechtigte: z.Zt. 7384312,44 Euro.

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Die unterschiedlichen und unterschiedlisten Entschädigungszahlungen an Ehemalige Heimkinder / Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen in den verschiedenen im vorhergehenden Beitrag erwähnten Ländern ( = countries ) – auch in diesem vorhergehenden Beitrag zur Verfügung gestellt in EUROS – wurden von Martin MITCHELL unter Nutzung und mit Hilfe des WÄHRUNGSRECHNERs @ http://www.umrechner-euro.de/umrechnung-schweizer-franken ausgearbeitet.
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 Betreff des Beitrags: »"Tatort Kinderheim" - "Zentren der Gewalt"«
BeitragVerfasst: 2014-06-16, 09:00 
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"Tatort Kinderheim" - Erziehungsheime waren "Zentren der Gewalt" gleichermaßen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz !

Vor kurzem von Dr. Horst Schreiber zur Situation der HEIMKINDERPROBLEMATIK IN ÖSTERREICH abgegebene Stellungnahme.

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http://www.heimerziehung.at/images/Gelebte_Heuchelei.pdf


Zitat:
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Gelebte Heuchelei

Niederprügeln, demütigen, sexuell ausbeuten, schuften statt lernen. So sah die Heimerziehung für die Mehrzahl hilfsbedürftiger Kinder aus, die ärmsten Verhältnissen entstammten. Von 1945 bis Anfang der 1980er Jahre. LR Christine Baur lehnt den Kompromissvorschlag von LA Andreas Brugger ab, durch den Heimopfer die Möglichkeit bekommen, die an ihnen begangenen systematischen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht zu bringen.

Innerhalb der Verjährungsfristen konnten die Opfer in der Vergangenheit in eigener Sache nicht tätig werden. Politik, Ämter, Gerichte, Psychiatrie und Exekutive schauten weg, schüchterten ein, vertuschten und vernichteten Beweismittel. Eine unabhängige Beschwerdestelle gab es nicht, kaum jemand schenkte den Betroffenen Glauben. Jahrzehntelang wurde das Recht gebeugt, nun beruft sich LR Baur auf die Rechtsstaatlichkeit – zum Schutz des Landes Tirol.

2010 hat die Steuerungsgruppe Opferschutz des Landes Tirol einen Bericht vorgelegt, zu dessen Umsetzung sich das Land bekannt hat. Darin heißt es, „dass ein sehr hoher Teil der Fälle bereits verjährt ist und daher selbst bei bester Beweislage nicht mehr in einem gerichtlichen Verfahren verfolgt werden kann. Wie die Tiroler Fälle zeigen, sollten wenigstens die Verjährungsfristen für schwere Amtshaftungsfälle verlängert oder noch besser für schwere Fälle aufgehoben werden.“

Univ.-­ Doz. Dr. Horst Schreiber

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„LR“ steht für Landesrätin
Zu der Landesrätin Christine Baur siehe
WIKIPEDIA @ http://de.wikipedia.org/wiki/Christine_Baur sowohl wie auch @ https://www.tirol.gv.at/regierung/christine-baur/ sowohl wie auch @ http://tirol.gruene.at/partei/abgeordnete/baur
„LA“ steht für „Landtagsabgeordneter“
Zu dem Landtagsabgeordneten Anreas Brugger siehe
WIKIPEDIA @ http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Brugger_(Politiker) sowohl wie auch @ http://fakten-uber.de/andreas_brugger_(politiker)
Zu Univ.­- Doz. Dr. Horst Schreiber siehe @ http://www.horstschreiber.at/



Siehe auch noch einmal den diesbezüglichen Bericht dazu in der Tiroler Tageszeitung ONLINE ( vom 14.06.2014 ) »Heimopfer: Verjährung wackelt« @ http://www.tt.com/politik/landespolitik/8511976-91/heimopfer-verj%C3%A4hrung-wackelt.csp
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 Betreff des Beitrags: Man gucke und sehe: Die drei Affen mit Klerikerkollar.
BeitragVerfasst: 2014-06-17, 13:42 
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Wie bitte, „von Ehemaligen Heimkindern weiß man nichtsundhabemannichts gewusst??Fürso etwas“ „habeman wederZeit“, „GeldnochInteresse??

Beitrag von Helmut Jacob --- massiv informativ und augenöffnend !!

Direkt aus dem Helmut Jacob Blog zitiert. --- hier zitiert von Martin MITCHELL in Australien.

( QUELLE @
http://www.helmutjacob.over-blog.de/article-brief-vom-superintendenten-in-sachen-kirchenaustritt-123918001.html )

Weiterverbreitung, auch im Volltext, erlaubt und ausdrücklich erwünscht !!


Zitat:
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Brief vom Superintendenten in Sachen Kirchenaustritt [ d.h. bezüglich dem Kirchenaustritt von Helmut Jacob ] --- [ Postbrief vom10.06.2014von Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, Herrn Ingo Neserke (wie abgebildet im Original) ]

Zitat:
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Sehr geehrter Herr Jacob,

Ihren Brief, in dem Sie Ihren Austritt aus der Evangelischen Kirche mitteilen, habe ich mit Betroffenheit gelesen. Ihre Entscheidung kann ich in Anbetracht der leidvollen Erfahrungen, die Sie mit Mitarbeitenden der Diakonie und der Ev. Kirche gemacht haben, sehr gut nachvollziehen.

Leider hatte ich bisher keine Kenntnis von Ihrer Geschichte und der des Jo- hanna-Helenen-Heims. Wahrscheinlich haben Sie sich in der Vergangenheit richtigerweise an den Ev. Kirchenkreis Hagen gewandt, zu dem die Stiftung Volmarstein und das Johanna-Helenen-Heim kirchlicherseits gehören. Daher erlaube ich mir, Ihren Brief informationshalber an die neue Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Hagen, Pfarrerin Verena Schmidt, weiterzuleiten.

Selbstverständlich bedaure ich sehr, dass wir Sie als Gemeindeglied unserer Kirchengemeinde in Wengern verlieren.

Für Ihren weiteren Lebensweg wünsche ich Ihnen, dass Sie trotz der schmerzlichen Erfahrungen Gottes liebevolle Zuwendung erleben. So wünsche ich Ihnen Gottes Begleitung und seinen Segen.

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Stellungnahme [ von Helmut Jacob zu diesem Postbrief von Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, Herrn Ingo Neserke vom10.06.2014 ]

Zitat:
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16. Juni 2014

Herrn Superintendent

Ingo Neserke

Wideystraße 24

58452 Witten

Fax: 02302/589198

Email:
superintendentur@kirche-hawi.de

Mein Austritt aus der Evangelischen Kirche – Ihr Schreiben vom 10. Juni 2014

Sehr geehrter Herr Neserke,

zunächst danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre umgehende Antwort! In der Regel wartet man einige Monate und muß dann sogar Antworten anmahnen, wenn es um das Thema „Verbrechen an Heimkindern“ geht. Diesbezüglich bleiben die Verantwortlichen gern in Deckung.

Mein Schreiben ging mit gleichem Inhalt auch an den Ratsvorsitzenden der EKD, das Diakonische Werk, Frau Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, die Evangelische Stiftung Volmarstein und unseren Gemeindepfarrer Uli Mörchen. Mir liegt viel daran, auch Ihnen zu verdeutlichen, daß meine persönlichen Erfahrungen in einem Heim für behinderte Kinder keine Rolle spielen und ich auch keine Anträge auf irgendwelche Entschädigungsleistungen stellen werde. Ich vertrete die Interessen behinderter ehemaliger Heimkinder der damaligen Orthopädischen Anstalten Volmarstein. Unsere Arbeitsgruppe bietet allerdings auch behinderten Opfern anderer Einrichtungen an, ihr Sprachrohr zu sein. Daher auch mein Erwiderungsschreiben unter unserem Gruppennamen.

Es ist erschütternd, daß offenbar bis zu den Superintendenten noch nicht durchgedrungen ist, daß in den Nachkriegsjahrzehnten bis Anfang der 80er Jahre fast 1.000.000 junge Menschen in Einrichtungen der Erziehungshilfe und Behindertenhilfe, sowie in die Psychiatrie Zwangseingewiesene Opfer zahlreicher Verbrechen wurden. Es gibt wohl kein Verbrechen, das überhaupt nicht begangen wurde. Diese Kinder und Jugendlichen wurden überwiegend physisch und psychisch mißhandelt, mußten teilweise auch sexuelle Gewalt erdulden. Die meisten Opfer gehen auf die Konten der großen Kirchen. Der „Runde Tisch Heimerziehung“ hat etwa 70% der Geschädigten ermittelt. Darum haben diese beiden Kirchen, so also auch Ihre, unermeßliche Schuld auf sich geladen. Dennoch weigern sie sich, ihren Opfern eine echte Wiedergutmachung zu bieten.

Der Deutsche Bundestag hat den „Runden Tisch Heimerziehung“ im Jahre 2006 installiert. Tischvorsitzende war Ihre Kollegin, die Theologin Antje Vollmer, ehemalige Vizepräsidentin des Bundestages und Mitglied der Grünen. Frau Vollmer hat alles unternommen, um Schadensbegrenzung zu erreichen. Der Begriff „Zwangsarbeit“ im Zusammenhang mit der Zwangsarbeit vieler hunderttausender Heimkinder wurde schlichtweg umdefiniert und sie predigte von vornherein, daß eventuelle Entschädigungsleistungen nicht höher liegen dürften, als die an jüdische Zwangsarbeiter geleisteten. Selbst dabei hat sie noch Fakten eines Rechtsanwaltes unter den Tisch fallen lassen, der sehr wohl Entschädigungen im zweistelligen Tausenderbereich und monatliche Rentenleistungen erstritten hatte. Prof. Manfred Kappeler geht in einem Vortrag auf den Gesamtkomplex ein:


http://www.helmutjacob.over-blog.de/article-prof-dr-manfred-kappeler-anvertraut-und-ausgeliefert-kinder-und-jugendliche-in-der-heimerziehung-123877645.html

Diese Offerte der Frau Vollmer griffen die Vertreter Ihrer und der Katholischen Kirche dankbar auf. Aber, ich will Ihnen hier nicht die ganze Tragödie des „Runden Tisches Heimerziehung“ auftischen. Unten angefügt einige Links dazu.

Erschütternd ist auch das Verhalten vieler tausender evangelischer und katholischer Pfarrer. Unser Gemeindepfarrer beispielsweise, den ich aufforderte, die Interessen der Opfer seiner Nachbargemeinde in Volmarstein zu vertreten, hat mich mit einem Brief abgewimmelt, der ein Beispiel für die Feigheit mancher Pfarrer ist. Zitatauswahl: „In der Diskussion um die ‚Heimkinder’ ... bin ich nicht sehr informiert. / Dazu gibt es überregionale Beauftragte, ... / Dass die Gemeinden in Wetter sich bei diesem Thema nicht engagieren, mögen Sie verzeihen, aber wir sind alle kleine Gemeinden, die kaum ihre eigenen Sachen geregelt kriegen.“ Bei letztzitierter Formulierung möchte man vor Rührung und Mitleid weinen. Aber es geht weiter: „Eine Kampagne, wie Sie sie beschreiben, als Pfarrerschaft Protest zu formulieren, halte ich für schwierig. Dazu fehlt uns zuviel: Information, Zeit, persönliche Betroffenheit, Einigkeit.“ Die beiden letzten Begriffe (persönliche Betroffenheit, fehlende Einigkeit), sehr geehrter Herr Superintendent, müssten auch Sie nachdenklich stimmen.

Und weil man nichts weiß, braucht man auch nichts zu unternehmen.

Drei theologische Felsen in der Brandung sind mir aus acht Jahren Aufarbeitung bekannt: Zwei Diakone, die damals als Praktikanten in Volmarstein arbeiteten und heute zu unserer Arbeitsgruppe gehören, und Ihr Kollege Dipl.-Theologe Dierk Schäfer aus Bad Boll. Dies sind offensichtlich die einzigen Kirchenvertreter, die sich nicht verstecken. Im Gegenteil: Dierk Schäfer betreibt inzwischen einen großen Blog mit Info’s zum Thema „Heimkinder“ und berät diese auch von Fall zu Fall. Er fordert das, was die Heimopfer auch erwarten und was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Eine wirkliche Entschädigung.

Ihre Kirche hat Spuren der Verwüstung an Kinderseelen und Kinderkörpern hinterlassen. Sie hat komplette Leben zerstört, metaphorisch ausgedrückt: zu Schrott gefahren. Statt diesen Schrott zu reparieren, bietet sie lediglich Geld für einen neuen Seitenspiegel an.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Helmut Jacob

Weitere Info’s:


http://www.helmutjacob.over-blog.de/article-nix-horen-nix-sehen-nix-mutig-schreiben-die-antwort-des-pastors-91066287.html

http://www.helmutjacob.over-blog.de

http://www.dierkschaefer.wordpress.com

http://www.gewalt-im-jhh.de

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/index.html

Bezug auf meine Begründung zum Austritt:

http://www.helmutjacob.over-blog.de/article-die-kirche-die-sie-reprasentieren-hat-hilflose-geschopfe-gottes-zu-opfern-gemacht-austrittsbe-123811981.html

Dazu auch:

[ Abbildung der drei Affen --- hier, diesmal, die drei Affen mit Klerikerkollar ]

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 Betreff des Beitrags: Was ist mit Heimopfern/Missbrauchsopfern in Insolvenz?
BeitragVerfasst: 2014-06-18, 05:57 
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● BESCHLUSS DES BUNDESGERICHTSHOFES ●
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. Mai 2014 – IX ZB 72/12


@
http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zahlungen-der-deutschen-bistuemer-in-der-insolvenz-des-missbrauchopfers-377443#sthash.gbacuSzK.dpuf [ hiesige Urteilsveröffentlichung vom 04.06.2014 ]


Zitat:
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Der Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz vom 2. März 2011 über “Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde”, bildet eine vom materiellen staatlichen Recht gelöste eigenständige neue Grundlage für hiernach erbrachte Leistungen.

Zahlungen kirchlicher Körperschaften auf der Grundlage des Beschlusses der Deutschen Bischofskonferenz vom 2. März 2011 über “Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde”, sind nicht pfändbar und fallen im Falle des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Leistungsempfängers nicht in die Masse.

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WEITERLESEN @ http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zahlungen-der-deutschen-bistuemer-in-der-insolvenz-des-missbrauchopfers-377443#sthash.gbacuSzK.dpuf [ hiesige Urteilsveröffentlichung vom 04.06.2014 ]


Dierk Schäfer in seinem Blog, dem Dierk Schaefers Blog, macht darauf aufmerksam und schreibt folgendes dazu:

Zitat:
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Der Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 22. Mai 2014[1] ist in zweierlei Hinsicht interessant.

Es geht um die Pfändbarkeit von Geldern, die – in diesem Fall von der katholischen Kirche – an Mißbrauchsopfer gezahlt werden. Sinngemäß dürfte es auch auf die Zahlungen an ehemalige Heimkinder zutreffen. Der Beschluß ist in zweierlei Hinsicht interessant.

1. Festgestellt wird, daß es sich um freiwillige Zahlungen handelt. Der Betroffene hätte also auch nicht erfolgreich gezwungen werden können, zwecks Aufbesserung der Konkursmasse die Gelder einzuklagen. Zudem handele es sich um einen Neuerwerb des Schuldners nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens, der falle nicht mehr in die Masse.

2. Unabhängig davon sei die Zahlung aufgrund einer sehr persönlichen Beeinträchtigung des Mißbrauchsopfers erfolgt, stelle also eine ausschließlich persönliche Zahlung dar. Es sei zudem ausdrücklicher Wille der Kirche, daß das Opfer das Geld persönlich erhalte. Eine Zahlung in die Konkursmasse widerspreche diesem Zahlungszweck. Dem würde die Kirche nicht zustimmen.

Das Gericht hat die Verjährung des Mißbrauchs als gegeben hingenommen. Wie sollte es auch anders. Es hat sich auch jedes diesbezüglichen Kommentars dazu enthalten und nicht dazu Stellung genommen, daß die Verjährungseinrede eine freie Entscheidung der Kirche ist – und moralisch ist es durchaus verwerflich, daß ausgerechnet eine Kirche ihren Opfern sozusagen eine Nase dreht: Ätsch, tut mir zwar leid für dich, aber du hast Pech gehabt. Das Gericht hat auch nicht auf die Unlogik innerhalb des kirchlichen Gedankengebäudes hingewiesen, daß eine Institution, die mit Ewigkeitswerten handelt – und daran gut verdient – selber auf irdische Verjährung pocht. Ein Moralurteil war nicht zu erwarten und wäre dem Gericht nicht angemessen. Es hat auch nichts zu der schäbigen Unterstützungssumme gesagt. Für einfachen Mißbrauch fünftausend Euro (was ist einfacher Mißbrauch?) und für schweren Mißbrauch dreitausend Zuschlag. Was schwerer Mißbrauch sein könnte – über dieses Spektrum sexueller Möglichkeiten will ich hier nicht spekulieren.


Immerhin: Der rechtliche Rahmen der freiwilligen Leistung aufgrund der besonderen Beziehung zwischen Opfer und Täterorganisation schützt das Opfer vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters. Zahlungen ergehen ausschließlich an das Opfer.

Das heißt aber andererseits, daß der Anlaß der Zahlungen mit dem Tod des Opfers erlischt. Das in der Mißbrauchstat begründete Zahlungsbegehren des Opfers ist nicht vererbbar. Also erleichtert der Tod eines Opfers das Budget der Täternachfolger. Für diese zahlt es sich aus, die Verfahren möglichst lange hinzuziehen. Vielleicht hat man ja Glück und Freund Hein löst den Fall.

Das könnte die langen Verfahren und die Wartelisten der verschiedenen Anlaufstellen erklären. Cui bono? Wem nützt es? Eine rein rhetorische Frage.

[
1] IX ZB 72/12, QUELLE: http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zahlungen-der-deutschen-bistuemer-in-der-insolvenz-des-missbrauchopfers-377443#sthash.gbacuSzK.dpuf [ hiesige Urteilsveröffentlichung vom 04.06.2014 ]

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Insolvenzrecht, Kirche, Missbrauch, Pfändbarkeit, Verjährung,

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Dies ist Dierk Schäfers Kommentar vom 17. Juni 2014, um 18:39 Uhr.

Weiterverbreitung, auch im Volltext, erlaubt und ausdrücklich erwünscht !!
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 Betreff des Beitrags: Zwangsarbeit in Ost und West, was sind die Unterschiede?
BeitragVerfasst: 2014-06-19, 04:03 
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„In der DDR wurde sowohl aus rechtlicher Sicht als auch in der Praxis eine verbotene Form der Zwangsarbeit betrieben.“ berichtet DER TAGESSPIEGEL vom 16.06.2014 17:50 Uhr über die diesbezüglichen Forschungsergebnisse einer Studie des Historikers Christian Sachse und zu der seinerseitigen Aussage dazu.

Dierk Schäfer daraufhin greift dieses Thema auch sofort wieder in seinem Blog, dem Dierk Schaefers Blog, auf und vergleicht es, d.h. vergleicht die Zwangsarbeit in der DDR, völlig berechtigt, mit der ebenso damals in Westdeutschland betriebenen Zwangsarbeit.

Zitat:
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Zwangsarbeit in Ost und West, was sind die Unterschiede?

„In der DDR wurde sowohl aus rechtlicher Sicht als auch in der Praxis eine verbotene Form der Zwangsarbeit betrieben,“[1] faßt der Historikers Christian Sachse seine Studie zusammen. Die DDR »setzte Zwangsarbeit als „Mittel politischen Zwanges oder politischer Erziehung“ ein, sie benutzte die Häftlinge „für Zwecke der wirtschaftlichen Entwicklung“ und sie wendete Zwangsarbeit als Maßnahme der Arbeitsdisziplin an«.

Werfen wir einen Blick auf westdeutsche Zwangsarbeit.

In Übereinstimmung mit »internationalen Konventionen haben Strafgefangene keinen Anspruch auf Auszahlung des vollständigen Lohnes«. Nach Sachse wird das auch vom Grundgesetz toleriert. Über den vollständigen Lohn mag man streiten, nicht jedoch darüber, daß für die Zwangsarbeit deutscher Strafgefangener keine Sozialabgaben bezahlt werden, denn diese Strafe wirkt über die Zeit des Strafvollzugs hinaus[2]. Doch das scheint niemanden zu kümmern, auch ehemalige Heimkinder denken nicht daran. Dabei kennen viele/die meisten von ihnen Zwangsarbeit aus eigener Erfahrung. Ihre Zwangsarbeit war als Arbeitstherapie getarnt. Den Lohn kassierten die Heime, Sozialabgaben wurden in der Regel nicht abgeführt, schließlich ging es um Therapie. Im Moor bei Bodelschwingh/Bethel bekamen die Jugendlichen Zigaretten als Anreiz. Und wie in der DDR finden wir auch auf westdeutscher Seite die Profiteure der Zwangsarbeit: die Einrichtungen selber, dann bäuerliche Betriebe und Industriebetriebe, die es heute noch gibt und Wiedergutmachung leisten könnten, wenn nicht …

Ja, wenn nicht … Auch in Sachen Zwangsarbeit/DDR melden sich sofort die politischen Bedenkenträger: Zwar hat auch »die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Iris Gleicke (
SPD), … eine weiterführende Studie zum Thema Zwangsarbeit in Auftrag gegeben«. Sie sieht aber »noch ein anderes Problem: Weil der Begriff Zwangsarbeit untrennbar mit der Nazi-Diktatur verbunden sei, müsse man sich vor Gleichsetzungen hüten«. Man darf also nicht vom Zwangsarbeiter her denken, sondern muß den größeren Zusammenhang sehen.

Das Spiel auf Zeit und Kostenreduktion ist sattsam bekannt. Auch
der Runde Tisch/Heimkinder brachte viel Zeit mit Auftrags-Expertisen zu, die den staatlichen wie kirchlichen Interessenvertretern glatt wo vorbeigingen. Ausschlaggebend war schließlich die wahrscheinlich selbst-geglaubte political correctness der unsäglichenModeratorindes Runden Tisches[Heimerziehung], die den Begriff Zwangsarbeit nur für Nazi-Zwangsarbeit verwendet sehen wollte. Sie sah darüber hinweg, daß die „Arbeitstherapeuten“ in den Heimen vielfach ehemalige SA-Leute und die Gutachter einschlägig belastet waren. In den Heimen – kirchlich wie staatlich – hatten wir die Fortsetzung des Nazi-Systems. Frau Vollmer in ihrer grün-christlichen Bigotterie hat das nicht bekümmert. Sie sprach zwar von erzwungener Arbeit, bat jedoch die Profiteure nicht zur Kasse und sah völlig darüber hinweg, daß es Zwangsarbeit nicht nur für Jugendliche gab, sondern auch für Kinder.

Na ja, wenn wir einen Blick auf die „Entschädigungen“ der Nazi-Zwangsarbeiter werfen, dann sind die ja auch nicht gerade angemessen, geschweige denn üppig ausgefallen, und die heute noch gutverdienenden Firmen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben, sie haben sich nicht zur Kasse gedrängelt, und die, die zahlten, konnten das noch von der Steuer absetzen.

Warum also geniert man sich beim Begriff Zwangsarbeit?


Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich‘s gänzlich ungeniert.

Das haben sie uns vorgeführt,

Staat und Kirchen Hand in Hand,


am Runden Tisch [Heimerziehung].

Machthaber.


[
1] Alle Zitate aus dem TAGESSPIEGEL: http://www.tagesspiegel.de/politik/zwangsarbeit-in-ddr-gefaengnissen-ausbeutung-mit-system/10053204.html


[2] … und betrifft übrigens die Allgemeinheit, die dann die Sozialhilfe zahlen muß für ehemalige Strafgefangene, deren Rente nicht ausreicht.
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BRD, DDR, Kinderheime, Machthaber, Zwangsarbeit,

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Iris Gleicke, SPD, [ seit Dezember 2013 ] Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie; Bauingenieurin.
Siehe @
http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/biografien/G/gleicke_iris/258376

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BeitragVerfasst: 2014-08-30, 15:55 
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Zitat:
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„Von jetzt an kein Zurück“ eröffnet das 21. Internationale Filmfest Oldenburg

26.08.2014

Regisseur Christian Frosch feiert mit „Von jetzt an kein Zurück“ in Oldenburg seine Weltpremiere.

Mit einem Ausflug in die 60er und 70er, in dem eben nicht der Aufbruch von Flower Power, Rock’n‘Roll und Protesten, sondern der Missbrauch von Recht und Ordnung im Mittelpunkt stehen, eröffnet „Von jetzt an kein Zurück“ das 21. Filmfest Oldenburg. Der neue Film des österreichischen Regisseurs Christian Frosch („Weiße Lilien“) erzählt mit der tragischen Liebesgeschichte zweier Teenager von einem erschreckenden aber kaum beachteten Kapitel unserer Geschichte.

Die beiden Schüler Martin und Ruby lassen sich vom Schwung ihrer Zeit mitreißen - sie lieben und berauschen sich, doch ihr jugendliches Aufbegehren wird mit aller Härte zunächst von ihren Eltern, insbesondere von Ben Becker als unbarmherzigem Patriarchen, und von der bundesrepublikanischen Jugendwohlfahrt brutal gestoppt, indem sie in eine Klosterschule und er in ein Erziehungsheim zwangseingewiesen werden.

„Erst als ich auf eine Geschichte eines jugendlichen Paares stieß, das kein anderes Vergehen beging, als sich zu lieben und noch nicht volljährig zu sein, war bei mir der Groschen gefallen: Ich wollte einen Film über Liebende drehen. Über jene erste große Liebe, die antritt, die Welt aus den Angeln zu heben.“ - Christian Frosch

Die Schauspielentdeckungen Victoria Schulz als Ruby und Anton Spieker als Martin sowie Star-Unikat Ben Becker als Rubys Vater führen das eindrucksvolle Ensemble an, das Frosch für seinen Film versammelt hat - ein pulsierendes Liebesdrama und ein Stück erschreckender Zeitgeschichte, das unter anderem auch in Oldenburg an verschiedenen Orten wie der Dreifaltigkeitskirche, der Kaserne Donnerschwee und dem Fliegerhorst filmisch realisiert wurde. Ein leidenschaftliches Feature, das mit einer berührenden „Romeo-und-Julia“-Geschichte zeigt, mit welcher Wucht die Generationen Ende der 60er Jahre aufeinanderprallten und welche Narben dieser Zusammenstoß hinterließ.

Am Mittwoch, den 10. September, [2014] eröffnet „Von jetzt an kein Zurück“ ab 19.00 Uhr das 21. Internationale Filmfest Oldenburg mit einer feierlichen Galapremiere in Anwesenheit von Regisseur und Hauptdarstellern.

Karten für die Opening-Gala in der kleinen EWE-Arena gibt es jetzt bereits auf unserer Homepage unter
http://www.filmfest-oldenburg.de/service/tickets/ und an allen ADTicket-VVK-Stellen.

Für alle weiteren Events beginnt der Kartenvorverkauf ab dem 31. August auf unserer Homepage und ab dem 1. September bei den offiziellen VVK-Stellen bei der Oldenburg Tourist-Information ( Schloßplatz 16; Tel: 0441-36161366 ) und im Staublau ( Staugraben 9 bei Tante Käthe’s Kaffee Bar; Tel: 01573 7943448 ), in der es zudem Karten für Sondervorstellungen und Parties gibt.

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QUELLE: Oldenburg FILMFESTIVAL @ http://www.filmfest-oldenburg.de/news/newssingle/datum/2014/08/26/von-jetzt-an-kein-zurueck-eroeffnet-das-21-internationale-filmfest-oldenburg/
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KURZNACHRICHT

Zitat:
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Termine für Oldenburg/VON JETZT AN KEIN ZURÜCK

27.08.2014

Nun stehen die genauen Daten fest: Christian Froschs neuer Spielfilm
Von jetzt an kein Zurück“, gefördert vom BKM, DFFF, der Nordmedia, der Filmförderung Hamburg/SWH, der Niederösterreichischen Filmförderung, sowie des ÖFI - in Coproduktion mit PRISMA Film, Wien und Cine+, wird im Rahmen des diesjährigen 21. Internationalen Filmfest Oldenburg - unter anderem als Eröffungsfilmpremeire - zu folgenden Spielzeiten zu sehen sein: am Mittwoch, 10.09.2014 um 19:00 Uhr Eröffnungsgala in der EWE-Arena und am Samstag, 13.09.2014 um 14:30 Uhr in der JVA Oldenburg.

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QUELLE: JOST HERING FILME @ http://www.josthering.de/jhf/news
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Zitat:
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AKTUELLES

Filme im Kino

Auftakt 28.08.2014

Text | Horst E. Wegener

Mehr noch: Mit „
Von jetzt an kein Zurück“ hat sich das Festival einen Coup zum Auftakt gesichert, der am Mittwochabend des 10. Septembers 2014 in Anwesenheit von Regisseur, Produktionsteam und Darstellern in der EWE-Arena [Oldenburg] sogar als Welturaufführung über die Bühne gehen darf; Glückwunsch!

Wer über die von „
Von jetzt an kein Zurück“ beschworenen 1960er Jahre nachdenkt, dem wird schnell klar, dass damals die Atmosphäre hierzulande keineswegs nur von sexy Rock’n’Roll-Musik, der flowerpower-flippigen Hippie-Bewegung oder politisch fundierten Jugendprotesten gegen die Allmacht der Elterngeneration durchdrungen war. Der Mief der frühen Nachkriegsjahre ließ sich mit Händen greifen, wer aus der Art schlug, wurde zurechtgebogen – koste es, was es wolle… Dass sein Fräulein Tochter 1967 Hottentottenmusik à la Jefferson Airplane hört, geht Rosemaries Vater total gegen den Strich. Den katholisch geprägten Alt-Nazi haben traumatisierende Kriegserlebnisse und die beinharten Wiederaufbaudekaden zum Sturkopf geformt. Ein Tunichtgut wie Martin verkörpert in den Augen des Alten alles, wovon er seine Kleine fernhalten will. Dieser nichtsnutzige Freund des Töchterleins äußert rebellische Ansichten, hat lange Haare, liebäugelt damit, ein Schriftsteller zu werden. Kein Wunder, dass Rosemarie, die sich selbst Ruby nennt, es lange nicht wagt, offen zu ihrer Liebe zu Martin zu stehen. Doch irgendwann reicht’s unseren Jugendlichen, wird aufgemuckt. Der Preis, den das Liebespaar dafür bezahlen muss, ist hoch: Schulverweis, elterliche Gewalt. Indem sich die Zwei absetzen, wird alles nur noch schlimmer: Ruby landet in einem geschlossenen katholischen Heim bei denBarmherzigen Schwestern[dem Dortmunder Vincenzheim mit angeschlossenem industriellem Großwäschereibetrieb] und Martin sperrt man im berüchtigten Erziehungsheim der Diakonie in Freistatt [im Wietingsmoor / Bethel-eigenes Torfgewinnungsunternehmen] weg. Gut zehn Jahre später blickt Ruby zurück auf jene erbarmungslose Umerziehungszeit, fällt ihre Bilanz bitter aus.

Von jetzt an kein Zurück“ greift jene Vorfälle auf, die vor ein paar Jahren erst ans Licht der Öffentlichkeit kamen, nachdem sich immer mehr ehemalige Heimkinder zu Wort meldeten, von Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen berichteten und auf eine Entschuldigung seitens der Kirche sowie auf Entschädigung nebst Resozialisierung pochten. Das Fernsehdrama „Und alle haben geschwiegen“ – nach der gleichnamigen Buchvorlage des Spiegel-Journalist Peter Wensierski – thematisierte zunächst jenes Unrecht, das Kindern und Jugendlichen seinerzeit in solchen Umerziehungseinrichtungen widerfuhr. Und Filmemacher Christian Frosch, anno ‘66 im österreichischen Waidhofen geboren, war nachdem er den Film gesehen hatte, der Meinung, dies Thema sollte mehr als einen Film wert sein. Je tiefer der ausgebildete Kinoprofi, Absolvent der Wiener und der Berliner Filmhochschule, in die Materie der „geschlossenen Heimerziehung“ eintauchen mochte, desto wütender und trauriger wurde er. „Trauer über die geraubten Jahre! Trauer über so viele zerstörte Leben!“, bekundete der Wahl-Berliner im Vorfeld der „Von jetzt an…“-Dreharbeiten, hätten ihn nimmermüd nach engagierten Mitstreitern suchen lassen.

Das Ergebnis? Eine beeindruckende Darstellerriege – allen vorweg Ben Becker in der Rolle von Rubys tyrannischem Vater, umrahmt von Thorsten Merten, Ernie Mangold und den Jungmimen Victoria Schulz (alias Ruby) nebst Anton Spieker (alias Martin); mit Jost Herings Berliner rühriger Produktionsfirma im Hintergrund, einem Etat von rund 1,5 Millionen Euro, Drehorten unter anderem in Oldenburg, Hamburg, Wien, darf man dieser bundesdeutschen Romeo und Julia-Variante vor stimmigen 1960er-Kulissen gespannt entgegensehen. Und wer weiß, möglicherweise geht den jüngeren Kinogängern gar ein Licht auf, mit welcher Wucht die Generationen in den Sixties aufeinanderprallten und welche Narben dies bei manchem Alt-68er hinterließ. Am 10. September sind wir klüger.

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QUELLE: Verlag: MoX Verlag Schön & Reichert GbR / MOX DIABOLO @ http://www.diabolo-mox.de/?id=74--x---5663
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Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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 Betreff des Beitrags: Ein SPIELFILM über die Erziehungseinrichtung "FREISTATT" ?
BeitragVerfasst: 2014-09-05, 14:18 
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Registriert: 2006-07-21, 06:58
Beiträge: 988
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Und noch ein anderer weiterer Spielfilm bezüglich "HEIMKINDER-ZWANGSARBEIT" in der BRD, d.h. in „Westdeutschland“, dem „unmenschlichen System“ der nachkriegsdeutschen »Fürsorgeerziehung«.

Ein Artikel über die Drehbuchautorin Nicole Armbruster, die Drehbuchautorin des in Kürze ebenso im Kino erscheinenden Spielfilms »FREISTATT[ Christlich und Brutal ]«
in
Baden online Nachrichten de @ http://m.bo.de/kultur/kultur-regional/es-war-die-neugier-auf-das-handwerk?desktop=true ( die Autorin dieses Artikels vom 14.06.2014 ist Jutta Hagedorn )


Der Artikel wird eingeleitet mit dem bekannten 1963er FREISTATT-Foto worin ich im Vordergrund ganz links unten im Bild als Jugendlicher bei der Zwangsarbeit im Moorim Bethel-eigenen FREISTATT im Wietingsmoor – abgebildet bin.

Zitat:
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Hausacher LeseLenz 2014: Drehbuchautorin Nicole Armbruster

»Es war die Neugier auf das Handwerk«

Hausacher LeseLenz 2014: Nicole Armbruster über das Handwerk des Drehbuchschreibens und ihren Film »FREISTATT«

Unter dem Motto » dreh:buch« stellt der Hausacher LeseLenz am 14. Juli die Drehbuchautorin Nicole Armbruster vor. Die gebürtige Gutacherein hat 2013 den Deutschen Drehbuchpreis gewonnen für den Film »FREISTATT«.

11. Juni 2014

Hausach [ eine Kleinstadt im Kinzigtal im Schwarzwald im Ortenaukreis in Baden-Württemberg ]. »bewegt:bilder« ist in diesem Jahr das Motto des Hausacher LeseLenz. Und da liegt es nahe, mal einen Blick auf diejenigen zu werfen, die für diese bewegten Bilder zuständig sind: Autoren, Produzenten und Regisseure. Eine ist die Drehbuchautorin Nicole Armbruster aus Gutach, ein anderer der Filmemacher Jonas Niewianda aus Hausach.

Nicole Armbruster lebt heute in Berlin, im vergangenen Jahr erhielt sie den Deutschen Drehbuchpreis für den Film »FREISTATT«. Wie wurde sie Drehbuchautorin? Abgesehen vom Studium – ist es Liebe zur Schriftstellerei, Hang zum Journalistischen oder ganz banale Neugier? Der Weg in die Universität ist lang und steinig, und man müsse schon etwas vorweisen: Exposés, Filmanalysen, Teile eines Romans... Armbruster gibt lachend zu, dass sie drei Anläufe brauchte. Aber »je mehr ich geschrieben habe, desto besser wurde ich ja auch«. Ihre Ausdauer hat sich gelohnt, denn inzwischen ist sie schon mehrmals ausgezeichnet worden.

Warum sie Drehbuchautorin werden wollte? »Das frage ich mich auch«, sagt Armbruster lachend. Es sei ihr zumindest nicht in die Wiege gelegt. »Es war Neugier auf das Handwerkliche – wie erzeugt man Emotionen, wie kann man Konflikte gut darstellen... Ich wollte es einfach können.«

Ein Drehbuch entsteht in der Regel, weil eine Produktionsfirma oder ein Regisseur den Auftrag gibt. Die Aufgabe des Autors liege dann darin, »die Stelle im Thema zu finden, wo man andocken« kann. »Man muss eine gute Struktur finden. Soll man die Geschichte aus vielen Blickwinkeln erzählen? Durch wessen Augen? Wie viele gleichwertige Protagonisten soll es geben? Man tastet sich so voran«, sagt Armbruster.

Geschrieben hat sie Kurzfilme genauso wie Dokus oder Kinofilme. Letztendlich sei es aber das Produkt eines Teams – in der Regel aus Regisseur, Redaktion, Produktion und Autor. »Die größte Hürde ist es, einen Regisseur zu finden« – vor allem einen, der eine ähnliche Sicht hat wie der Autor. »Da gibt es viel Reiberei, man muss sich sehr einig sein. Es ist wichtig, dass man ein Team findet, mit dem man gut kann. Man braucht Leute, die gleich ticken.« Es könne nämlich durchaus passieren, dass der Regisseur eine ganz andere Geschichte aus dem Drehbuch macht als der Autor sie im Kopf hatte.

Ist das Buch an die Produktionsfirma verkauft, gibt man die Rechte ab, sagt Armbruster – und hat nur noch wenig zu sagen. »Wenn man sich aber gut mit dem Produzenten versteht, kann man noch Einfluss nehmen.« Sie suche sich daher immer jemanden, »der mir zuhört«.

Auch wenn sie persönlich Kurzfilme sehr mag, mache sie die nur noch, wenn sie Lust darauf habe oder »einem Freund helfen will.« Denn: »Kurzfilme rentieren sich nicht.« Auch wenn sie leichter zu machen seien, »weil sie nicht so große Bögen haben«.

Stellung der Autoren

Der Deutsche Drehbuchpreis ist wie gesagt nicht die erste Auszeichnung für Armbruster. Doch was wird von den Jurys als preiswürdig empfunden? »Gute Frage!«, sagt Armbruster lachend. »Ich war selber mal in einer Jury und war überrascht, wie subjektiv das ist.« Entscheidend möge sein, was am meisten bewegt, vermutet Armbruster.

Oder welches Thema gerade im Trend liegt, oder Vorlieben der Juroren. »Man kann das nicht nüchtern betrachten. Außer vielleicht die handwerkliche Seite. Über Strukturen kann man besser reden.« Preise wie der Deutsche Drehbuchpreis sind aber wichtig, weil Autoren in der Regel »in zweiter Reihe« stehen; bekannt werden die Regisseure. »In Deutschland finden Autoren nicht so die Beachtung, das schlägt sich überall nieder.« In Amerika sei die Arbeitsteilung klarer, in Deutschland werde der Autorenfilm favorisiert. »Das ist so gewachsen.«

Daher auch das verschobene Machtverhältnis zwischen Autor und Regisseur. »Ich finde das schwierig.« Sie verstehe nicht, warum die Arbeit der Autoren als weniger wichtig eingestuft werde, sagt Armbruster. »Im Debütbereich sucht man auch nach Regietalenten« – nicht nach Schreibtalenten. Reich und berühmt kann man mit Drehbüchern also nicht unbedingt werden? »Reich ist schwierig«, sagt Armbruster und lacht. Vielleicht als Serien- oder Kinoautoren. »Aber es ist schwierig, richtig reinzukommen. Anfänger kämpfen, von zehn Leuten an der Uni schreibt kaum mehr jemand.« Die Hürde sei der erste Langfilm. »Es ist ein harter Markt.«

Der Auftrag hänge davon ab, ob jemand ein bestimmtes Thema sucht, oder von »Konkurrenzprojekten, die die Förderung bei ähnlichen Themen bereits abgegriffen« haben.

Im Film »FREISTATT« geht es um ehemalige Zöglinge der Bodelschwinghschen Einrichtung »FREISTATT« [ jetzt »
BETHEL IM NORDEN« genannt ]. Bei diesem Filmprojekt habe sie »eine sehr gute Erfahrung gemacht«, denn »das Team hat gut zusammengepasst«.

Wie geht man nun an ein derartig sensibles Thema heran ohne ungerecht zu werden? Die Erziehungsmethoden in Heimen waren insgesamt bis in die 1970er Jahre problematisch – nicht nur in FREISTATT. »Gewalt gab es auch in den Familien, wenn man das aber als Anstalt macht, ist das noch was anderes. Die Zöglinge konnten ja nicht einfach gehen. Hier geht es um Entschädigungen oder Renten für diese Zöglinge.«

Die erzählte Geschichte basiert auf den Lebenserinnerungen eines Ehemaligen, Wolfgang Rosenkötter. »Deshalb konnten wir sehr genau recherchieren. Der hat bis heute damit zu tun, dieser Ort lässt ihn nicht los.« Außerdem gibt es ein Buch von der Diakonie. »Wir hatten super Material. Und die Diakonie hat uns vor Ort sehr unterstützt. Das fand ich toll.«

Über die Einladung von Jose F. A. Oliver, beim
LeseLenz ihren Film vorzustellen, freut sie sich nach anfänglichem Zögern sehr.


Zur Person:

Nicole Armbruster
Die gelernte Übersetzerin Nicole Armbruster ist diplomierte Drehbuchautorin (Babelsberg [ /Potsdam/bei Berlin ]) und hat diverse Auszeichnungen erhalten; neben dem Deutschen Drehbuchpreis 2013 für »FREISTATT« unter anderem den new berlin film award, den Emder Drehbuchpreis, den Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis und den Preis der Jugendjury beim Max Ophüls Festival. Die gebürtige Gutacherin lebt und arbeitet in Berlin. Von ihr stammt das Drehbuch für den Kinofilm »Festung« oder für die Dokumentation »Hoyerswerda«.

Autor: Jutta Hagedorn

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