Alice Miller - Das verbotende Thema

    Diskutiere Alice Miller - Das verbotende Thema im Erziehung und Bildung Forum im Bereich Pädagogik - Arbeit mit Kindern; Hallo Leute! Hiermit möchte ich auf den offenden Brief von Alice Miller aufmerksam machen...
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #1
Hallo Leute!

Hiermit möchte ich auf den offenden Brief von Alice Miller aufmerksam machen.

www.alice-miller.com



"Alice Miller: Offener Brief an Studenten aller Nationen, März 2001

Liebe Freunde,
Mit diesem Brief möchte ich eine Information an Sie weiterleiten, die manche von Ihnen vielleicht schon haben, aber die den meisten noch fremd sein dürfte. Es geht darum, dass jede Form von körperlicher Strafe (Klapse, Ohrfeigen, Schläge, Prügel) eine Demütigung enthält, die sich später als eine große Gefahr für die Zukunft der Kinder und für die ganze Gesellschaft erweist.
Die Meinung, man könne, ohne Schaden damit anzurichten, ein schwächeres Wesen demütigen und etwas Gutes dabei erreichen, wurde seit Tausenden von Jahren an die nächste Generation weitervermittelt, obwohl sie den Fakten krass widerspricht.
Jedes Kind lernt durch Nachahmung. Je früher es die Sprache der Gewalt lernt, umso nachhaltiger wirkt sie. Schläge erzeugen Angst, und im Zustand der Angst ist ein Kind unfähig, sich positive Botschaften anzueignen. Daher wird das negative Beispiel eine viel stärkere Wirkung haben, als alle gutgemeinten Worte über Moral, die die Eltern gebrauchen. Die unausgesprochene Botschaft, dass man den Schwächeren misshandeln darf, sobald man dies Erziehung nennt, wird vom kindlichen Gehirn gespeichert und bleibt manchmal ein Leben lang wirksam.
Dieser Mechanismus erklärt die verblüffende Tatsache, dass auch intelligente und gebildete Menschen behaupten können, es sei nötig und richtig, Kinder zu schlagen. Weil sie diese Botschaft sehr früh erhalten haben, können sie sich nur schwer von ihr befreien. Als Kinder haben sie den Schmerz der Demütigung nicht bewusst erleben können und als Erwachsene meinen sie, dass ein Kind nicht leidet. Ihre Sensibilität für das Leiden der Kinder ist daher eingefroren. Das führt zur emotionalen Blindheit: Eltern schlagen ihr Kind und sehen die Angst in seinen Augen nicht, sie sind gegen diese Erkenntnis sozusagen "immun".
Seit vierzig Jahren versuche ich, Menschen von dieser Blindheit zu befreien, vor allem von ihrer Tendenz, die einst erlittenen Misshandlungen an ihrem Kind zu wiederholen. Ich habe Forschungen über die Kindheit betrieben und mittels meiner Bücher Menschen darüber informiert, dass Kinder unschuldig auf die Welt kommen, dass sie Liebe brauchen, Pflege und Schutz, aber auf keinen Fall Gewalt, um empathische Erwachsene zu werden. Wenn Kinder nur Grausamkeit erfahren, ohne dass eine Person sie in Schutz nimmt, glorifizieren sie Grausamkeit und wenden sie später an. Das lässt sich an den Biographien von Hitler, Stalin, Mao und Ceaucescu nachweisen, und ich habe diese Nachweise in meinen Büchern erbracht. Alle Tyrannen waren als Kinder erbarmungslos geschlagen worden, sie haben alle, ausnahmslos, ihre Schmerzen verleugnet und fügten sie später anderen zu, bekanntlich ganzen Völkern.
Meine Bücher haben viele Leser erreicht, doch diese Menschen bilden eine winzige Minderheit der Weltbevölkerung. Die Mehrheit weiß von dieser Information noch nichts, und ich bin jedem dankbar, der mir hilft, sie zu verbreiten, damit sich die Situation rasch ändern kann. Das scheint mir durchaus realistisch, denn viele alte "Gewohnheiten" wurden erst vor kurzem dank besserer Informationen aufgegeben. Heute ist es nicht mehr erlaubt, Sklaven zu halten, Gefangene zu züchtigen, die eigene Frau zu schlagen, für all dies sind Strafen vorgesehen. Aber ein Kind kann immer noch straflos geschlagen werden, sogar ein Baby, wenn dies als Erziehung ausgegeben wird.
Im Zeitalter des Internets dürfte es nicht unmöglich sein, die Information zu verbreiten, dass das Demütigen der Kinder auf die ganze Gesellschaft zurückschlägt. Es wäre durchaus denkbar, dass die kommende Generation von Erwachsenen diesen Zusammenhang schneller begreift als die vorhergehende, dass sie die Destruktivität und Ignoranz der alten erzieherischen Tradition durchschaut und sich für eine neue Tradition entschließt, die auf Wissen und Empathie gegründet sein wird.

© Alice Miller"
 
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Re: Alice Miller - Das verbotende Thema
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Dr. Krüger
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #2
Gegen Gewalt

Hallo Shrell,
ich finde es sehr gut, dass Sie die Aufmerksamkeit auf diesen offenen Brief lenken.

In diesem Zusammenhang möchte ich deutlich machen, dass die körperliche, seelische und geistige Gewalt an Kindern, welche durch TäterInnen verübt wird, mit motiviert werden kann durch unserer (modellhaftes) gesellschaftliches und auch persönliches Verhalten.

Nach meiner Ansicht tut neben dem Aufdecken solcher gravierenden Taten, welche zu sanktionieren wären, auch eine gehörige Portion Selbstreflexion Not, um wirklich effektiv und präventiv mithelfen zu können, solche Gewaltakte mit zu verhindern.

Bin gespannt auf Ihre Reaktion.

Dr. E. Krüger
 
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Krabbelkaefer
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #3
Ergänzend zu dem Brief passt auch gut folgendes: (Ich hoffe es war ok, dass ich den Brief in einem anderen Forum gepostet habe?!)

Das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ So lautet jetzt der Paragraph 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuch. Damit werden sowohl die Kinder selbst als auch die Erwachsenen direkt angesprochen. Allen Kindern wird ein Recht auf die Erfahrung eingeräumt, dass ein Zusammenleben in der Familie auch in Konfliktsituationen ohne Gewaltanwendung möglich ist. Alle Erwachsenen werden verpflichtet, ihre erzieherische Verantwortung, also ihre Erziehungspflicht und ihr Erziehungsrecht, ohne den Einsatz von Gewalt wahrzunehmen und zu erfüllen. Was im Kindergarten, in der Schule und der Berufsausbildung schon lange gilt sowie sich bewährt und weitgehend durchgesetzt hat, gilt nun ohne Einschränkung überall dort, wo Kinder erzogen werden - also auch in der Familie. Damit werden an Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und alle übrigen Erziehungsberechtigten bei der Erziehung von Kindern dieselben Ansprüche gestellt, was das Verständnis füreinander und die Bereitschaft zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung hoffentlich beflügeln wird.

Quelle: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_ ... s_125.html
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #4
Frage

Wie mache ich ein Kind von 1,4 - 1,6 jahre alt deutlich, dass es nicht mit seine Finger in einer Steckdose popeln soll, weil das gefährlich ist? Wie weit gehe ich und wann gibt es dann welche Konsequenz.

In letzter Konsequenz werde ich, nach Meinung der Frau Miller, dann nach ein unerlaubtes Mittel greifen, es gibt einen Klapps auf die Finger.

Wichtig: Alle Steckdosen sind ordnungsgemäß mit Sicherungen abgedeckt...

Olav
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #5
Hallo Ihr alle,
die Würde des Menschen ist unantastbar! Nur in einem Fall indem wie Olav ihn geschildert hat dann ist mir das leben meines Kindes wichtiger. Ich denke das versteht sich von selbst! Kinder Ihrer Würde zu nehmen aus eigenen Unzulänglichkeiten muss verurteilt werden, nur wer von uns hat keine Unzulänglichkeiten? Ich möchte hier nur so am Rande erwähnen das die Natur sowas wie einen Todeswunsch der Mutter gegenüber ihrem 1 1/2 bis 2 1/2 Kind vorgesehen hat. Dieser Wunsh wird in der Regel nur durch den Schutzinstinkt der Mutter übertrumpft. In absoluten Überforderungsaktionen kommen diese Mütter dann vom Kinderzimmer auf die Schlagseite der Blödzeitung oder gleich zu Explosiv.
Also auf dem Punktgebracht, Gewalt ist grundsätzlich abzulehnen wenn Eltern Bewust dem Kind Schaden oder Leid zuwenden, aber nicht wenn das Kind Objektiv vor einer Gefahr geschützt werden soll (Steckdose, heisse Herdplatte, Strassenverkehr...).
Abschliessend, sollen nicht alle Eltern verurteilt werden sondern geholfen werden. Diese Hilfe aber wiederum nicht zu Lasten des Kindes.

Gruss
Holger
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #6
Eben

GEnau Holger,

darauf wollte ich hinaus. In der Arbeit für das Jugendamt sind wir Erzeuger Begegnet (ich kann diese Gruppe keine Eltern nennen) die jede Menschenwürde vergessen hatten. Aber auch Menschen, die Kinder nur verbal eine Grenze setzen konnten und sich wunderten, dass diese nicht eingehalten wurden. Ich denke, die Konsequenzen einer Handlung sollen in ein direkter Zusammenhang und Verhältnis stehen zum Verständnis der Kinder und Übertretung. Die Gruppe jedoch die sich für eine Gewaltfreie Erziehung einsetzt neigt teilweise dazu die Verhältnismäßigkeit der Mittel aus dem Auge zu verlieren.

Olav
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #7
ja, krabbelkäfer... gibt auch noch mehr offende briefe unter www.alice-miller.com
auch toll dein beitrag über die rechte der kinder. jedoch ist es in vielen ländern der welt immer noch erlaubt seine kinder zu mißhandeln.
Prügelstrafe gab es bei uns auch noch vor nicht allzu langer zeit.
ich glaub die ersten die gewalt an kindern gesetzlich verboten haben waren die schweden.

Dr Krüger, selbstreflexion für den täter ? hm, aber manche wollen einfach nicht vertehen.

letzens sah ich im fernsehen einen bericht aus russland. eine mutter hatte ihre tochter (3 jahre) an die heizung gefesselt weil es an den kühlschrank gegangen war. arme ausgerenkt! :(
das kind hatte unglaubliche schmerzen und blaue flecken ueberall am körper.
außerdem hielt sie spielzeug für überflüssig.
als das kamerateam sie zur rede stellte sagte sie: "wenn ein kind unartig ist mußt du ihm 3 klapse geben...einen auf den vater, einen auf den sohn und einen auf den heiligen geist." *kopfschüttel*

kater und holger:
hm, ist es gerechtfertigt ein kind auf die finger zu schlagen weil es in die steckdose greifen will? ich denke nicht... vieleicht bin ich ein hardliner aber egal...
never forget: "so wie wir unsere kinder berühren, so berühren sie sich auch untereinander". wir haben da einen interessanten film gesehen bei pädagogik. die kinder wurden in einem waisenhaus großgezogen. die pflegerinnen war sehr sanft zu ihnen. es war unglaublich wie sanft die kinder sich berührt haben. unsere sorge war jedoch: was wenn diese "lämmer" in die wahre welt hinaus muessen? können sie sich überhaupt durchsetzen?

ich denke, es ist nie gerechtfertigt jemanden zu schlagen.
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #8
Alternative

Okay shrell, dass du dieser form ablehnst ist soweit in ordnung. was aber ist die alternative?

Olav
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #9
lerne aus konsequenzen = stromschlag *ggggg*

ne ne, spass beiseite...

gefahren sollten aus dem bereich des kindes geräumt werden... alles hochstellen, steckdosen versiegeln... keine ahnung!

also so haben sie es mir beigebracht in der schule..
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #10
Abgelehnt

Also, hier sprechen Ausbilder ohne eigene Kinder. Wer erwartet, dass "alle gefahren" weggeräumt werden, lebt an der realität vorbei! Sicherheit ist durchaus zu erwarten, nur wenn man mal irgendwo zu besuch ist? Also, wer gegen einsatz von Klaps ist, muß schon praktiable Lösungen bringen.

Olav
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #11
frag doch die hochbegabten kinder ob die eine lösung haben! *hihi*
ok, wenn man zu besuch ist kann man schon mal ordentlich zu hauen!
damit die bekannten wissen wie gut es mein kind doch hat ...
wo fängt der klaps an und wo hört er auf ?
ist dir auch schonmal die hand "ausgerutscht"? wenn ja wann ?

ich hab keine kinder... aber einen neffen den kann ich mir ausleihen *GGG*
(der ist sooooo süß)


ich bin kein ausbilder... sondern auszubildener *ggg* haarspalten kann ich auch
 
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Dr. Krüger
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #12
Gewalt bleibt Gewalt

Hallo Schrell,
ich meinte mit meinem Beitrag nicht die Reflexion des Täters oder der TäterIn, sondern der Gesellschaft, welche die Gewalt durch eigenens Verhalten legitimiert (z.B. strukturelle Gewalt).
In Bezug auf Täter (ich arbeite machnmal mit solchen) lässt sich beobachten, dass sie keine Wahrnehmung vom Täterhandeln haben - von daher nehmen sie es auch nicht wahr.
In Projekten, welche z.B. im Gefängnis mit Schlägern laufen, werden Täter dahin geführt (durch die Mithilfe von z.B. "geleuterten" Tätern), Gefühle von Ohnmacht, Verzweiflung usw. oftmals erstmalig an sich selbst zu erfahren, um so überhaupt eine Empathie für ihre Opfer entwickeln zu können.

Hallo Olav,
bei Ihrem Beitrag denke ich, dass ein Rückgriff auf Gewalt nicht dadurch legitimiert werden kann, dass es keine Alternative gäbe. Es ist natürlich richtig (und vor allem nötig), seine Kinder vor Schaden bewahren zu wollen, doch dass es keine Möglichkeiten außer körperlicher Züchtigung gäbe, ist mir nicht einleuchtend und gibt die Praxis auch nicht her.

Gleichwohl ich weiß, dass verbale und vor allem seelische Gewalt emotional belastender sein kann als körperliche kommen wir aus der Nummer nur heraus, wenn wir anfangen würden, Gewalt zu definieren - nicht persönlich, sondern allgemein.


Dr. E. Krüger
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #13
Alternative

Hallo,

Was ich immer noch vermisse ist eine PRAKTIKABLE Alternative zum Klapps. Ich bin aus dem Umgang mit hochbegabte Kinder gwöhnt schon sehr früh argumentativ zu agieren, es gibt aber ohne weiteres den punkt wo argumente nicht funktionieren, entweder weil deas gegenüber sie nicht warhaben will oder nicht kann.

Eine Strafe (Konsequenz) muß in einem verhältnis zum Vefehlung stehen. Welche Alternative gibt es also nach x-maligen warnen (also vorlauf, gelegenheit zur Korrektur geben...) zum Klapps auf die Finger. Wie gesagt, bis jetzt begegne ich argumentativ nur (Nicht in ORdnung" aber es gibt keine Alternative.

Das finde ich viel schwächer als eine weniger optimale Lösung

Olav

Abgesehen davon, ist es nicht auch schon gewalt, wenn ich streng "NEiN" sage zu einem Kind?
 
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Dr. Krüger
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #14
Alternative zur Gewalt

Hallo Olav,
zunächst einmal ist die Alternative zum Klapps kein Klapps. Wenn Sie dann argumentieren, in der Erziehung müßte man auch einen Klapps verteilen, damit Erziehung möglich ist, dann wäre daraus zu folgern, dass Erziehung nicht ohne Klapps und damit nicht ohne Gewalt funktioniert.

Es wäre vielleicht hilfreich an einem konkreten Beispiel zu diskutieren, in welcher Situation Erziehungshandeln ohne Klapps nicht gehen sollte. Ist es die Erziehungssituation, ist es eine Machtsituation, ist es eine Überforderungs- oder Unterforderungssituation, ist es aus Sicht des Kindes eine Übertragungssituation auf die Kinder-Erzieher-Beziehung usw. usw.

Und noch einmal, nach meiner Einschätzung wäre "Gewalt" zu definieren, damit nicht jegliches Handeln von Erwachsenen, welche Unerwachsene (also Kinder) sinnvoll an Strukturen heranführen, als Gewaltakt missverstanden wird. Und es würde helfen, wirkliches Gewalthandeln nicht als Erziehungshandeln zu verkaufen, um seine eigene Handlungsohnmacht zu legitimieren.


Ich finde diese Diskussion, die wir hier im Internet führen, als Beitrag zur Gewaltdebatte ungeheuer wichtig. Denn wie können wir den ErzieherInnen als ExpertInnen Antworten auf diese schwierigen Fragen geben, wenn wir nicht selber welche wissen?


Dr. E. Krüger
 
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Björn
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #15
...Klapps=Gewalt, Friede, Freud Eierkuchen...?

Hallo zusammen,

mit großem Interesse habee ich Eure Diskussion verfolgt und konte feststellen das hier zwar Meinungen und Vorschläge gebracht wurden. Dennoch denke ich, liest es sich deutlich heraus, dass hier im Forum "Suchende" verweilen, die selbst noch nicht Wissen, was am Besten wäre und vielleicht auch in ihrem eigenen Verhalten unsicher sind.

Ich schliese mich dem an.... ;)

Aus diesem Grund gebe auch ich folgend, meine Meinung wieder:

Ich denke in erster Linie sollte geklärt und differenziert werden:

  • 1. Wer schlägt wen? (Infamiliär, Bekanntschaft, Freunde)
    2. In welchem Bezug, steht das Kind zu dem Aggressor?
    3. Wie ist das Verhalten nach dem Schlag(en)? (Aufarbeitung)
    4. Wir wird mit dem Kind, sonst umgegangen?

Kinder schlagen, ganz klar, wenn sie es so erlernt und und an einem Modell gelernt haben. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es in den Genen des Menschen eine "Aggressor"Funktion gibt, die zum Schutz des Lebens und seiner Umwelt dient. Ohne Aggresion hätten die Urmenschen nicht gejagt oder ihre Täritorien vor anderen und wilden Tieren schützen können. Das der Mensch seine Aggressionen auch zu lasten anderer einsetzt ist klar und erfordert die Förderung aller Erziehungsbereich um diesem Verhalten entegen zuwirken.
Keiner braucht hier eine "weitschweifende" Entschuldigung für aggressives Verhalten gegenüber Kinder rauszulesen.
Eltern fügen ihrem Kind auch mal aus Angst Gewalt zu, da es sich aus der Sicht der Eltern in (Lebens)gefahr befindet. Die nachfolgende Situation und das Verhalten der Eltern wird dem Kind zeigen, wie es dieses Verhalten der Eltern auffassen kann.
Mit Sicherheit erfährt das Kind, wie sehr die Eltern Angst um das Kind hatten.
Kinder müssen auch vom Verhalten der Eltern lernen, dass es falsch war dies zu tun.
"Ich wollte Dir nicht weh tun! Es tut mir leid!" So lernen Kinder, dass jeder Mensch (sogar Erwachsene) Fehler machen. Wer sich aber dazu bekennt und es sich und den Kindern eingesteht, beweist große Stärke und Intellektuelles Handeln. Auch das werden die Kinder sich zum Vorbild machen.
Auch sollte der Begriff "Gewalt" weiter auseinandergenommen werden.
Wo beginnt sie? Sie ist schließlich nicht nur schlagen.
Wer misst die psychische und verbale Gewalt, denen Kinder ausgesetzt sind.

Nicht jeder der als Kind geschlagen wurde (wie auch ich), wird selbst als Erwachsener Gewalttätig und sschlägt seine eigenen Kinder.
Es ist stets das Maß aller Dinge. Ein Kind das stets Gewalt ausgesetzt ist und dazu eine verbale Erniedrigung seiner Person erfährt,wird mit Sicherheit aggressiv auf seine Umwelt reagieren.
Ein Kind das stets Zuneigung erfährt und spürt wie sehr es geliebt wird, kann diesen Schlag verkraften.

Fazit:
Strafe (egal in welcher Form) ist stets das Erziehungsmittel, dass als letztes angwendet werden sollte.
Es ist mir wichtig, in erster Linie differenziert und mit bedacht über diese Thema zu reden, um solche Situationen wie in Amerika zu vermeiden.

Wer setzt die Grenze, ab wann und wie Gewalt zulässig oder toleriert wird?
Sind Eltern die ihr Kind geschlagen haben, schelchte Eltern?
Sollte man ihnen das Kind wegnehmen? Ist das sinnvoll und auch im Sinne des Kindes? Sollte man die Eltern als potentielle Täter verhaften und in einer Anstalt therapiert werden?


Ich überschneide mit Absicht, um auf die eventuellen Probleme, die durch eine Verschärfung auftreten können, aufmerksam zu machen.
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung!

In der Diksussion sind bisher viele Begriffe gewält worden, die meines Erachtens auch viel zu wenig voneinander getrennt wurden.
Züchtigung ist ein ganz anderes Maß, der Gewalt in der Erziehung, da sie vorsieht das Kind bei jeder Gegelgenhei tzu tadeln und rein durchStrafen das Kind zu erziehen. Und das ist in der Regeln, in unserer gesellschaft nicht mehr der Fall.
Die Ausnahmen sollten anders behandelt und auch anders Diksutiert werden, denn dies ist ein Kapitel für sich.

Ich möchte meinen Beitrag erstmal soweit stehen lassen und hoffe das ich die Diksussion noch etwas weiter in´s Rollen gebracht habe.

Viele Grüße
Björn
 
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Dr. Krüger
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #16
Ein Versuch der Klärung

Hallo an alle Interessierten,
ich versuche mal eine Klärung des Gewaltbegriffes aus meiner Sicht:

Zunächst ist eine wissenschaftliche Definition von "Gewalt" umstritten. Die Spanne reicht von "willentlicher schädigender Einflussnahme auf Personen und Dinge" bis hin zur "strukturellen Gewalt", welche die Verhinderung oder Behinderung potenzieller Selbstenfaltung der Person durch gesellschaftliche Bedingungen meint.

Es lässt sich also nicht allgemein feststellen, was Gewalt ist, sondern letztlich nur in jedem Einzelfall auf Grund des Erfassens der Hintergründe, die zu gewaltvollem Handeln geführt haben. "Gewalt hat immer eine Geschichte".

In der vor allem professionellen Erziehung besteht (generell) eine Machtungleichheit zwischen erwachsenen Professionellen und den Kindern. PädagogInnen setzen Macht und auch Gewalt ein, um in (Selbst-)Gefährdungssituationen die zukünftige Mündigkeit von Kindern zu ermöglichen oder zu sichern. Dieses Handeln steht immer in dem Dilemma, einerseits die körperliche, seelische und kulturelle Integrität des Kinders sichern zu sollen und andererseits Gefährdungsmomente wirkungsvoll unterbinden zu wollen oder zu müssen. Diesen Spagat ethisch vertretbar zu gestalten gelingt nur dadurch, dass Kinder (nach ihren Möglichkeiten) in erzieherische Prozesse paritätisch einbezogen werden und die Erwachsenen ihr Handeln permanent durch Supervision und in kollegialen Fachgremien reflektieren.

Es sollten auch nicht nur die Symptome von Gewalthandeln betrachtet werden, sondern vor allem deren Ursachen. Dann finden sich auch praktische und effektive Alternativen, wie z.B. Erziehung zum Umgang mit Konflikten, sinnvolle Veränderung von gewaltverursachenden Bedingungen, Mediation, Empowerment (paritätische und aktivierende Entwicklung von Gleichwertigkeit), z.B. in der Jugendhilfe die ressourcen- und lebenslagenbezogene Sozialarbeit, Sozialraumorientierung u.a. m.


Ich bin mir dessen bewusst, das dieser Beitrag eher erziehungswissenschaftlich orientiert ist. Gerne würde ich auch mal auf eine Einzelsituation schauen, damit es auch praktisch werden kann, mit der gewaltfreien Erziehung. Im erzieherischen Alltag machen wir dieses doch ständig...


Dr. E. Krüger
 
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #17
Hallöle,

Verbale Gewalt ist natürlich auch total abzulehnen.Eltern sollten ihre Kinder auf eine Art und Weise zur Diziplin erziehen, die "das Verhalten der Kinder in eine bestimmte Richtung lenkt, ohne sie jedoch als Menschen dabei anzugreifen oder zu verletzen".
was wir über das nein sagen wissen sollten...
Ich habe bisher bewußt auf alternativwörter für "nein" verzichtet. Eigentlich ist es ein bestimmtes konzept, kein wort. allein genommen ist "nein" einschränkend, es geht darumwege zu finden die die bedeutung und die konnatationen dieses wortes erweitern und näher bestimmen. es gibt kein wort das immer funktioniert wenn man es immer wiederholt. was dagegen besser wirkt ist die einsicht in die prinzipien die hinter dem erfolglosem gebrauch stecken.
eine möglichkeit ist das, ihrem kind die möglichkeit einzuräumen, richtig zu handeln, statt es abrupt in seinem fehlverhalten zu stoppen (etwas anderes ist es natuerlich bei gefährlichen situationen). So könnte man einem 2 jährigen kind das gerade die kartoffelchips auf dem boden verteilt auf eine ruhige art und respektvolle art sagen: "wie ich sehe , möchtest du die kartoffelchips auf dem fußboden streuen. die chips gehören aber in die tüte. ich weiß, dass du das weißt." diese sätze sollten gesprochen werden bevor man die chipstüte dem kind aus den händen nimmt und bevor man dabei hilft die chips wieder einzusammeln.das gibt dem kind zeit zu verstehen und entsprechend zu handeln. allerdings muessen verhaltensweisen, mit denen sich das kind gefährdet, oder wenn es etwa um sich schlägt, augenblicklich gestoppt werden...
selbstverständlich ist es höchst unwahrscheinlich , daß ein zweijähriges kind die tüte chips oder die handtasche sofort an die eltern aushändigt. trotzdem hat das kind die möglichkeit nachzudenken. wenn eltern konkrete grenzen setzen und diese ohne zuhilfenahme von angriffen auf die persönlichkeit artikulieren, wird sich das kind eher früher als später immer häufiger an die regeln halten.

warum das "neinsagen" nicht funktioniert.

ein wichtiger grund warum das neinsagen nicht funktioniert ist der das sich ein ungehorsam aus 2 bestandteilen zusammensetzt: der eine ist die tatsächliche handlung der andere die gefühle die dahinter stecken.

"die gefuehle eines kindes sind die ursache und seine handlungen die wirkung."

oft werden die gefuehle total ignoriert und nur das fehlverhalten gesehen.
"peter, ich warne dich. hör sofort auf damit!" oder "es ist mir egal ob du sauer bist, du hast jetzt zu gehen.

wenn sie nicht übergangen werden dann etwa so:

"warum bist du so gemein zu deinem bruder?" ...trotzdem kann man von einem fünfjährigen nicht erwarten "weißt du, ich glaube das ist ein klarer fall von geschwisterrivalitaet."

besser wäre es also:

"peter, ich merke du bist sehr böse auf deinen bruder. du willst deine spielsachen gerade nicht mit ihm teilen, und es macht dich wuetend wenn er sie einfach wegnimmt."

die gefuehle wurden beruecksichtigt und die notwendigkeit des jungen gemein zu sein unnotwendig gemacht.

dieser beitrag bewaßt sich nicht damit was ein kind böse macht sondern was es besser macht! das ist auch der grund warum wir kinder eben nicht schlagen, wenn wir wollen, dass sie mit dem schlagen aufhören; wir schreien eben nicht mit ihnen, wenn wir wollen , dass sie aufhören zu schreien und wir betiteln sie nicht mit schimpfwörtern, wenn wir sie dazu bringen wollen, anderen leuten gegenüber keine schimpfwörter zu gebrauchen.

alternativen zum neinsagen.

überlegen sie sich eine formulierung, die sie ihrem kind gegenueber immer dann gebrauchen wollen, wenn sie ihm etwas abschlagen muessen - und die es ihrem kind erlaubt, sich besser zu fühlen als bei einem rigorosen "nein".
So können sie zum beispiel den satz "ich weiß, dass du das verstehst" immer dann anbringen, wenn sie ein bestimmtes verhalten genau erklaeren und das gefuehl haben, das ihr kind auch verstanden hat, was sie nun von ihm erwarten. wie sie etwas sagen, kann dabei genauso wichtig sein, wie das, was sie sagen. ihr tonfall sollte verständnisvoll und positiv klingen und nicht so als würden sie das fehlverhalten vorwegnehmen. die wahl des richtigen tonfalls wird bei ihrem kind die richtigen gefuehle erzeugen.

warum diese wörter funktionieren

das satz "ich weiß, dass du das verstehst" vermittelt dem kind vier lektionen:

1. Sie bringen dem kind achtung entgegen, da sie ihm sagen, dass sie wissen, das es etwas schon besser kann.
2. er erlaubt dem kind, ueber sein fehlverhalten nachzudenken, ohne eine strafe befürchten zu muessen. das wird dazu beitragen, sein bewußtsein für das richtige verhalten zu fördern.
3. sie sagen ihrem kind, dass es die intelligenz besitzt, um zu verstehen.
4. sie vertrauen dem kind, das es fehlverhalten aendern kann.

ein vater sagt seinem sohn: "verstehst du denn nicht, was ich sage? muss ich es dir noch einmal sagen?" ein anderer "alex, ich weiß du hast mich verstanden."

was für ein unterschied doch worte ausmachen können!!!

ein nein ist schnell gesagt- oft hört man den ratschlag: "haben sie keine angst vor dem nein. es ist in ordnung es so oft wie möglich zu sagen." tatsächlich muss man aber das wort gar nicht so oft aussprechen.

das geheimniss wie man das beste aus dem kind herausholt, ist das beste aus sich selbst herauszuholen!
 
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Dr. Krüger
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Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #18
Literatur?

Hallo Shrell,
ich finde Ihren Beitrag sehr gut. Können Sie mir die Literatur angeben, auf welches Sie sich bezogen haben? Könnte ich gut für die ErzieherInnen-Ausbildung gebrauchen.

Kast-Zahn, Dreikurs, Gordon, Biddulph, Pieper, Otte o.a.?

Herzlichen Dank

Dr. E. Krüger
 
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Gast
Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #19
Mark L. Brenner, Positiv Erziehen - konsequent kleiben, ohne autoritär zu sein, 1997, Herder spektrum
 
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Gast
Alice Miller - Das verbotende Thema Beitrag #20
Wunderschöne Theorie

nur es fehlt mir immer noch an ein praktischen Einsatz.

Maximilian spielt mit einer Steckdose. Er ist 14 Monate alt. Kann ich ihm dann mit der pädagogischen Ansatz "lieber Maxi, es gibt eine Kutzschluß wenn du weitermachst und dann hat halb Berlin kein Strom mehr..." davon überzeugen seine Finger aus der Steckdose zu lassen??? Ich bezweifle es.

Ich befürworte klare, ausgesprochene Regeln die von derjenige der die VErantwortung trägt für eine Situation auch festgelegt werden. Daraus folgt, dass, solange ich verantwortlich bin für ein kind, ich dieses Kind ganz klare Grenzen gebe und die, soalnge sie sicherheitsrelevant sind aus meiner Sicht, auch nicht diskutiert werden.

Je größer ein Kind wird, je mehr man diskutieren kann, sei es, dass man die Gefahr der schwere Überforderung der Kinder ausgesetzt ist. Kinder Verantwortlich machen für Entscheidungen, deren Konsequenzen sie absolut nicht übersehen können (und das passiert sehr schnell bei Argumentationen) ist unzulässig. Abgesehen davon, dass ich u.U. sogar meine Verantwortung auf ein Kind abschiebe.

Gewalt als Gewalt, zur Befriedigung meiner Bedürfnisse lehne ich ab, ohne wenn und aber und diskussionen. Gewalt in ein gewissen, engen Kontext als MIttel der Regulierung (verbal durch "nein" oder physisch mittels Klaps) sehe ich durchaus als berechtigt.

Bis jetzt habe ich in diese Diskussion leider kein einzige praktischen Ansatz für die Umsetzung gefunden. Schade, denn das schwächt aus meiner Sicht die Argumente erheblich.
Olav
 
A
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Re: Alice Miller - Das verbotende Thema
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