Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill

    Diskutiere Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill im Erziehung und Bildung Forum im Bereich Pädagogik - Arbeit mit Kindern; hi, ich lese grade "theorie und praxis der antiautoritären erziehung" von a.s. neill und wollte euch mal nach eurer meinung dazu fragen, falls ihr...
L
Lylo
Ich liebe das Forenleben!
Registriert seit
9. Februar 2003
Beiträge
1.533
Zustimmungen
0
Alter
33
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #1
hi,

ich lese grade "theorie und praxis der antiautoritären erziehung" von a.s. neill und wollte euch mal nach eurer meinung dazu fragen, falls ihr es gelesen habt, heißt das ;)

mehr sag ich mal nicht, will euch nicht irgendwie beeinflussen ;-)
bin aber sehr auf eure antworten gespannt! :kaugummi:
 
M
Musikatze
Ich bin eine Forenlegende!
Registriert seit
14. Januar 2003
Beiträge
8.744
Zustimmungen
0
Alter
54
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #2
Hihihi, zum Leidwesen meiner (pädagogisch völlig unbeleckten) Eltern habe ich es mit 12 Jahren im Bücherschrank entdeckt, als Folgelektüre der "Grünen Wolke". Ich habe es, altklug wie ich (schon immer ;) ) war, verschlungen und ihnen jahrelang genüsslich zitiert.
Heute, Lylo, muss ich darüber nur lachen...
"The times they are a changing" ... even in Queen`s land...
 
L
Lylo
Ich liebe das Forenleben!
Registriert seit
9. Februar 2003
Beiträge
1.533
Zustimmungen
0
Alter
33
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #3
öh ja .... danke für deine antwort :D

kannst du das vielleicht etwas... konkretisieren? ;-)
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #4
Hi!
Ich kenne und mag dieses Buch und die grüne Wolke sowieso.
Kennst Du "Neill. Neill, Birnenstiel". - die Autobiographie von A. S. Neill?
Hier revidiert er allerdings (und glücklicherweise) ein paar seiner früheren Aussagen, vor allem, was Freud betrifft.
Neill war ein charismatischer Mensch und ein toller Autor - und jemand, der die Nerven hatte, sich die Fensterscheiben einschlagen zu lassen.
Sein Respekt vorm Kind find ich toll, scheinbar hats ja auch jeder Summerhillschüler zu etwas gebracht.
Das Buch wurde zu einer Zeit geschrieben, wo es absolut nötig war, autoritäre Strukturen (zum Beispiel das Vermöbeln der Schüler) zu brechen und ein neues (demokratischeres) Bild vom Kind zu entwickeln, als solches sehe ich es und denke auch, dass vieles nicht mehr in unsere Zeit passt - die meisten werden zum Beispiel aufgeklärt und nur wenige Pädagogen in der heutigen Zeit müssen sich was weiß ich wieviele Seiten lang über das Onanieren auslassen.

Liebe Grüße, Geli
 
L
Lylo
Ich liebe das Forenleben!
Registriert seit
9. Februar 2003
Beiträge
1.533
Zustimmungen
0
Alter
33
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #5
hi geli,

ich denke es stimmt, was du sagst.
was mir nur nich so ganz klar ist: neill erzieht ja antiautoritär. sagt ja auch der titel des buches. hier im forum haben sich aber viele gegen diese art von erziehung ausgesprochen - warum? wegen der vielen anderen schlechten beispiele, die diese art von erziehung in verruf gebracht haben? oder AUCH wegem dem, was neill da gemacht hat?
denn wen man sich an seiner erziehung orientieren würde, dann könnte man da wirklich einiges mit in die praxis (vor allem in die eltern-praxis, im kiga würde das schwer werden) nehmen, denke ich...
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #6
Hi!
Oftmals wird "Antiautoritär" einfach falsch verstanden und als laissez - faire fehlinterpretiert.
Viele wissen nicht, dass der Begriff "Antiautoritär" für die Ablehnung von Macht, Zwangausübung und Unterdrückung bei hoher Wertschätzung und einem Höchstmaß an Freiheit steht. Und das wolln` wir doch alle, oder ;-)
Ich denke, manche sind gegen Neill, weil sie sich ganz plump gesagt nicht die Fensterscheiben einschlagen lassen möchten, ihnen geht dies zu weit. Einige sind wohl tatsächlich wegen den schlechten Beispielen und der Fehlinterpretation dagegen (wer inkonsequent und völlig verzogene Kinder kennt, dem ziehts den Nerv, wenn jemand daherkommt und von Freiheit faselt, wo das Kind Struktur benötigt - keine Machausübung, aber Halt und Sicherheit).
Und einiges wird im Kiga so gemacht: Kinderkonferenzen, gemeinsames Erstellen von Regeln, der Situationsorientierte Ansatz,...In Summerhill isset auch nicht sooo frei. Immerhin haben die Schüler sich an über 200 Regeln bezügl. des Alltagslebens zuhalten, wer nicht in den Unterricht geht, darf nicht einfach so fernsehen gehen etc.

Liebe Grüße, Geli
 
A
Anonymous
Gast
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #7
Funktioniert nicht

Hallo Lylo,

Summerhill tut weh, zu mindest mir. Zu Glauben, dass eine anti-autoritären erziehung möglich ist, ist für mich einen Trugschluss. Jeder Erziehung hat ein Autoritätsverhältnis, auch wenn der Autorität das nicht will. Summerhill funktionierte bei Neil deswegen, weil er aufgrund seiner Persönlichkeit eine "natürliche" Autorität hatte. Menschen die es schaffen authentisch zu sein, werden auch ohne große Regelgebung ein gewisses Maß an Ordnung und Regelmaß erreichen können. Das wird dann absolut nicht als Autoritär empfunden.

Mir fällt auf, das Menschen, die sehr Autrität wirken, häufig ebenso sehr Unsicher sind. Wr Unsicher ist, braucht strikte Regeln und wird darauf bestehen diese auch einzuhalten. Je sicherer man in sein Handeln und Person (ist nicht zu trennen) ist, desto relaxter kann man mit Abweichungen zu der eigenen Meinung umgehen. Neil war anscheinend in Summerhill eine solche Person, konnte also eindeutig auf strenge Regeln verzichten.

Was mich allerdings ein wenig stört, sind nicht die slechte Beispiele, sonder die Tatsache, dass man sehr schnell in ein emotionalen Manipulation hineingerät. Menschen im allgemeinen und Kinder ins besondere haben ein Bedürfnis danach akzeptiert zu sein. Und gerade Kinder, die noch kein ausgeprägter "eigenen Identität" entwickelt haben, achten dann schnell darauf, was ein für sie wichtigen Bezugsperson gerne hat. Dann reichtes, wenn ein solchen Bezugsperson sagt "das macht mich traurig..." um Verhalten entsprechend zu beeinflüssen. Kein Regel, kein klar ausgesprochener Wunsch, sondern dieses unterschwellige Andeuten. Von Außen wird das als absolut anti-autoritär wahrgenommen, is aber viel gefährlicher als ein klaren autoritären Struktur.

Sowohl im Umgang mit meine eigene, als auch mit den Kinder der Projekt, versuche ich mit einer Mischung aus Freiräume und klare Grenzen, die Kinder soviel Sicherheit zu bieten, dass sie sich einerseits wirklich frei entfalten können, andererseits ich meine Verantwrtung den Eltern (Projektkinder) und den Kindern gegenüber gerecht werden kann. Das ist ein Gleichgewichtsakt, manchmal wirkt es dann chaotisch, manchmal sehr autoritär.

Wie gesagt, Summerhill tut mir weh, weil eine Reihe von Eltern die meiner Meinung nach wichtige Voraussetzungen für eine so "anti-autoritären" Stil einfach nicht erfüllte und dann, im falschen Verständnisses des Begriffes ein "regellosen Erziehung" praktiziert haben.


Olav
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #8
Hi Olav!
Wie gesagt, Summerhill tut mir weh, weil eine Reihe von Eltern die meiner Meinung nach wichtige Voraussetzungen für eine so "anti-autoritären" Stil einfach nicht erfüllte und dann, im falschen Verständnisses des Begriffes ein "regellosen Erziehung" praktiziert haben.
Aber da kann ja Summerhill nix für :)

Ansonsten hast Du es auf den Punkt gebracht

Wollte noch mal kurz die 200 Regeln in Summerhill erwähnen. Ich war zwei Jahre in einem von Nonnen geführten Internat. Wir hatten keine 200 Regeln

Liebe Grüße, Geli
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #9
Ach, nochwas: wenn Neill beispielsweise von einem seiner Schüler getreten wurde, kam es nicht selten vor, dass er ihm in direktet Konsequenz eine Backpfeife verpasst oder zurück getreten hat :freu:

Antiautoritäre Erziehung, wie Neill sie gemeint hat ist im Grunde genommen eine demokratische Erziehung (Summerhill wird ja auch häufig im Zusammenhang zum demokratischen Erziehungsziel genannt) Das einige Erkenntnisse veraltert sind, liegt wohl daran, dass Neill das Buch nicht erst gestern geschrieben hat.

Liebe Grüße, Geli
 
A
Anonymous
Gast
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #10
Tatsache

Hallo Geli,

sicherlich kann Neil nicht direkt etwas für die Fehlinterpretation, allerdings (aber das ist einen Anspruch die ich an mich stelle), sehe ich schon eine Verantwortung des Konzeptentwicklers (i.c. Neil) für die Umsetzung. Wer merkt, dass seine Konzepte falsch verstanden bzw. interpretiert werden, sollte m.E. alles möglich daran tun, diese Tatsache zu ändern. Nun habe ich Summerhill nur aus der Distanz gefolgt, bin mir also nicht sicher in wiefern Neil sich in dieser Hinsicht engagiert hat.

Da allerdings seine Summerhill-Veröffentlichungen in aller Regel ohne diese (ggf. vorhandene) Ergänzungen und Erklärungen betrachtet werden, bleibe ich dabei: Summerhill tut mir weh...


Olav
 
M
Musikatze
Ich bin eine Forenlegende!
Registriert seit
14. Januar 2003
Beiträge
8.744
Zustimmungen
0
Alter
54
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #11
Summerhill ist wunderbar. Als Märchen ;-) !
Für uns zu lesen - es wirkt wie aus einer vergangenen, besseren Welt - märchenhaft.
Und muss unbedingt auf das zur damaligen Zeit herrschende Schulsystem und die allegemein übliche Prügelstockpädagogik der englischen Schulen, resp. Internate bezogen werden. Übertragbar auf andere Länder, andere Kinder war und ist es in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt gewesen.
Neill war ein ganz authoritärer Knochen, da mch´ Dir mal nichts vor, nur das diese Authorität nicht auf Gewalt beruhte.

Vielleicht später mehr. Informier` Dich derweil mal über die englischen Schulen der 50iger und 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts, dann wirst Du vieles Neillsche im richtigen Bezug sehen können.


Grüsse von der Musikatze
 
A
Anonymous
Gast
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #12
huhu lylo

zu antiautoritärer erziehung fällt mir immer der aldi witz ein:
ein kind pöbelt eine ältere dame an. die schimpft es aus. die mutter: "schimpfen sie nicht - mein kind wird antiautoritär erzogen"!
ein junger mann öffnet inzwischen ein glas honig und kippt es der mutter über den kopf. "sie müssen entschuldigen - ich wurde antiautoritär erzogen...." :clown:


vllt. interessiert dich der ansatz dieses ehepaares auch ein wenig:
http://kloetersbriefe.de/

die beiden haben streckenweise etwas von "kinderflüsterern" ;) kein rezept, aber gute zutaten.
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #13
*gg* "Kinderflüsterer" Das gefällt mir :D

Liebe Grüße, Geli
 
A
Anonymous
Gast
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #14
@ lylo

Hallo,

noch einmal eine Nachfrage. Am Anfang hast du gesagt, dass du noch nicht verrätst was Du vn Summerhill bzw. Neil und seine Thesen hältst, würde mich jetzt doch auch interessieren.


Olav
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #15
Genau!
Wenn ich mich hier schon als alte Hippe oute :lol:

Liebe Grüße, Geli :sunny:
 
L
Lylo
Ich liebe das Forenleben!
Registriert seit
9. Februar 2003
Beiträge
1.533
Zustimmungen
0
Alter
33
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #16
hi ihrs,

k ich schreib euch mal meine meinung dazu... allerdings erst morgen, bin grad kurz vorm einpennen :-|

n8 ;)

(und danke für eure antworten bisher, waren gute denkansstöße dabei)
 
L
Lylo
Ich liebe das Forenleben!
Registriert seit
9. Februar 2003
Beiträge
1.533
Zustimmungen
0
Alter
33
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #17
so da bin ich...

also, kurzgefasst: bei einigen sachen in dem buch erkenne ich die grundsätze von amication wieder. wie ich feststellen musste ist aber vieles in der heutigen praxis (noch) nicht durchführbar...
dass neill eine "angeborene" autorität hatte hab ich nich gemerkt ... aber is klar, dass "zartbesaitete" menschen in summerhill wohl untergehen würden weil sie sich nich durchsetzen können ^^

öh ja... jetz hab ich mal wieder den faden verloren... *verwirrt guck*
 
A
Anonymous
Gast
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #18
eine definition von autorität nach www.wikipdedia.de:
[...] Man kann nach Bocheński epistemische und deontische Autorität unterscheiden: Epistemische Autorität ist die Autorität des Wissenden, der sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennt und auf den man deswegen bei Fragen, die dieses Fachgebiet betreffen, zu hören gewillt ist. Deontische Autorität bezeichnet die Autorität des Vorgesetzten, der von dieser seiner Position her Weisungen zum Verhalten seiner Untergebenen erteilen kann.
ich denke das
eine "angeborene" autorität
oder autorität allgemein stets negativ behaftet ist und deshalb abgelehnt wird.
ich persönlich denke, dass eine angeborene autorität die fähigkeit - wenn man es so nennen will - ist, dass man einfluss auf die kinder haben kann. dem geht voraus, dass die kinder einen mögen und annehmen, warum auch immer (nur so kann man einfluss nehmen). das verstehe ich unter angeborene autorität. und ich denke dass diese neill sehr wohl hat.
 
G
Geli
Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
17. April 2003
Beiträge
7.098
Zustimmungen
0
Alter
43
Antiautoritäre Erziehung - Das Beispiel Summerhill Beitrag #19
Jepp, seh ich genauso, bolli. Das ist das, was ich mit "charismatischer Mensch" meinte.
Der Begriff ist echt völlig daneben, weil so unheimlich viele Leute dabei direkt an Saddam oder Hitler denken

Liebe Grüße, Geli
 
ANGEBOTE & SPONSOREN
https://www.babyforum.dehttp://www.kinder.de
Oben