Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen?

    Diskutiere Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? im Erziehung und Bildung Forum im Bereich Pädagogik - Arbeit mit Kindern; Hallo zusammen,:zuwink: ich habe gestern einen Artikel gefunden, in dem es um dieses Thema geht...
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Purzelhasel
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #1
Hallo zusammen,:cu:

ich habe gestern einen Artikel gefunden, in dem es um dieses Thema geht..

http://www.wdr.de/themen/kultur/bildung ... offset=125

Zitat:"Der saarländische Schulminister Jürgen Schreier (CDU) nimmt jetzt Pennäler der Grundschule und der ersten beiden Klassen der weiterführenden Schulen an die Kandare, gibt ihnen Nachhilfe in Sachen Benehmen. "Das Ende der Unhöflichkeit ist mehr als überfällig", sagt er und setzt Benimm-Unterricht auf den Stundenplan. Ganz so weit geht man in NRW (noch) nicht. Schulministerin Ute Schäfer (SPD) favorisiert so genannte "Erziehungsverträge, in denen Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam Regeln aufstellen".

Was haltet Ihr davon?

Meiner Meinung nach ist es ein Armutszeugniss für die Gesellschaft, dass es soweit kommen muss,
aber auf der anderen Seite finde ich es vollkommen in Ordnung, den Kindern auf eine kindgerechte Art Benehmen beizubringen, zumal manche Eltern dafür ja nicht in der Lage sind. :mad:
 
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Bernie
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #2
morgen! *g*

Also einen Benimmunterricht - Buttlerlike finde ich überzogen! Aber einen Gegenstand wie "Soziales Lernen" halte ich nicht nur für sinnvoll sondern auch für nötig! Ich denke, wenn die Kids Rücksicht nehmen, respektieren,...lernen, ist es nicht nötig extra Benimmregeln auszumachen!

Für absoluten Schwachsinn halte ich Regeln die aufgestellt werden! Ich möchte immer wieder betonen, Regeln sind dazu da um gebrochen zu werden, zumindest für teenys :) Das ist denke ich keine Frage der Gesellschaft sondern der Entwicklung! Blos jetzt - sprich in unserer Gesellschafts fällts mehr auf, da die Umstände anders sind (Berufstätigkeit beider Eltern sofern vorhanden,....)

Deshalb bin ich der Meinung - in diesem Fall als Optimist - wir werden mit den jetzt 10 - 13 Jährigen noch unsere Freude haben - auf der Strecke bleiben werden immer welche! Aber das war bis jetzt auch so....

LG
 
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Hongxuan
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #3
Hallo

Leider beobachte ich immer wieder, wie die Kinder das Benehmen von Erwachsenen imitieren.......(aber davon wollte ich nicht sprechen)

re Regeln: Am Anfang eines Schuljahres stelle ich mit den Schülern (7-10 Klasse) bestimmte Klassenregeln auf. Das sind Regeln, die sich die Schüler selbst ausdenken, das Lernen unterstützen sollten und so sind wie: Respekt (Schüler, Lehrer, Materialien), den anderen ausreden lassen, vorbereitet sein, pünktlich kommen, ...
Die werden auf ein Plakat gemalt und aufgehängt. Gestraft wird nicht, aber man kann darauf hinweisen. Das klappt eigentlich sehr gut.
Wenn sich Schüler wiederholt schlecht benehmen (Sprache/ Zerstören/ Hetzen/ Schlagen), gibt's die Möglichkeit eines Vertrages zwischen Schüler und Lehrer, wo nach einem Gespräch, der Schüler ein paar Punkte auflistet, die er beachten wird. Das wird nach jeder Stunde oder Tag vom Lehrer bestätigt. Der Vertrag kann eine oder mehrere Wochen laufen. Je nach Schwere des 'Vergehens' kann das auf mehrere oder alle Fächer inkl. Pausen ausgeweitet werden. Es gibt dann auch mehr Konferenzen mit Vertrauenlehrern und evtl Eltern.
Unsere Schule (in Australien) hat viele Kinder aus den 'unteren Schichten', zerbrochenen Familien und Familien mit Brutalität. Das muss sich nicht, tut's aber leider, auf die Kinder auswirken. Einige wenige Kinder kennen überhaupt keinen Respekt vor Kameraden geschweige denn Erwachsenen. Aber viele sind zwar manchmal in der Bande schlimm, aber ganz 'lieb' wenn sie alleine sind. Sie brauchen manchmal nur den Respekt eines Lehrers (Erwachsenen).

Insgesammt haben sich die Programme an unserer Schule gut auf die Schüler ausgewirkt. (Manchmal merkt man das nur, wenn man auf einem Ausflug ist und sich anschaut, wie die Schüler außerhalb der Schule sind).

Der Erfolg von Benimmunterricht ist abhängig von der Präsentation. Eine Stunde in der Woche tut's da nicht. Das ist etwas was Lehrer und Schüler jeden Tag, jede Stunde praktizieren sollten. (Wenn man die Eltern dazukriegt - besser). Teenager, auch jügere Kinder, kann man dazu anleiten, zu differenzieren, welches Verhalten sie von anderen übernehmen wollen, und welches besser nicht. Dazu gehört aber auch, dass diese Kinder Selbstvertrauen haben und von Eltern, Erziehern, und der Gesellschaft geachtet werden.

...das nur so am Rande.
 
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Bernie
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #4
@ Susanne

... wieso gibt es nicht nur solche Lehrer wie dich!? Endlich jemand der begreift, dass Theorie nicht das einzige Wichtige in der Schule sein kann, sondern auch soziales Lernen! :) - Kinderkonferenzen!

Was ich allerdings nicht ganz verstehe, warum sollten die Mitschüler nicht auch über Sanktionen entscheiden dürfen!? Wäre das dann nicht peergroup!? ... und wirkungsvoller als ein Vertrag L - S?

LG
 
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Hongxuan
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #5
wieso gibt es nicht nur solche Lehrer wie dich!?
Das, was ich da oben beschrieben habe ist eigentlich Gang und Gäbe in den meisten Australischen Schulen. Es ist ein Teil der School Policies (Grundsätze, Methodik, Strategien - lässt sich schwer übersetzen) und wurde uns auch an der Uni bei der Lehrerausbildung (ganz anders als in D) nahegebracht. Läuft alles unter 'behaviour management'.

Peergroup Programme haben wir auch. Es gibt auch Programme gerade in den Grundschulen (1-6 Klasse) und in unseren unteren Klassen, wo Schüler zu Schlichtern 'ausgebildet' werden, so dass Schulhofquerelen u.ä. untern den Schülern mit minimalem Lehrereinsatz geschlichtet werden. Einige Peergroup Programme sind auch erfolgreich bei 'Lesehilfe' und anderen Situationen, wo ältere Schüler Jüngeren zur Seite stehen.


Wo ich das grad so schreibe.....ich bin ja nun nur noch Besucher in D. Und da schaut man sich seine Landsleute doch mit etwas Abstand an. Aber wir finden, dass die Deutschen im Umgang miteinander, inkl. 'Service' in Läden sehr viel rauher, äh rauer, (um nicht zu sagen unhöflicher), sind als zB in Australien. Damit erwarte ich nicht das "amerikanische Lächeln", aber wir haben manchmal keine Lust überhaupt was zu kaufen, weil man nur schnodderich oder so behandelt wird.
(Es gibt natürlch auch andere, und es tut mir Leid, dass ich so hier auf den Vergleichen herumreite, aber da sind nun mal gerade meine Erfahrungen. In England ist es noch schlimmer. ...und Australien ist auch nicht so ohne.)
 
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Hongxuan
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #6
...ach ja, und Sanktionen von den Mitschülern?

Manche Sanktionen werden schon vorher von den Schülern ausgearbeitet, bzw im Vertrag, kann der Schüler sagen, was passiert, wenn er sich nicht dran hält. Aber vieles ist auch schon vorher festgelegt - vor allem bei schlimmeren Vergehen. Es scheint zu wirken, dass die Schüler schon vorher wissen was sie erwartet.

Manchmal ist es auch besser so einen Vertrag nicht zu öffentlich zu machen, da sonst das Selbstwertgefühl, des Schülers gerade angekratzt wird. Und das verminderte Selbstwertgefühl ist meiner Meinung nach einer der tiefen Gründe für vieles Verhalten.
Was dann aber gelobt werden kann ist, dass der Schüler bestimmte Sachen geschafft hat, zB alle Bücher mitbringen, keine Schimpfwörter benutzen, ...
 
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Geli
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Brauchen Schüler Nachhilfe in Benehmen? Beitrag #7
Hi!
Ich muss gerade darüber nachdenken, dass die Erwachsenen womöglich seit hunderten von Jahren ständig erwähnen, die Jugend würde immer schlimmer werden, und mit der Gesellschaft gehts den Bach runter, frei nach dem Motto: "Früher war sowieso alles besser"
Manchmal finde ich das ewige Genörgel an der Jugend ziemlich übertrieben.
Schon in meiner Klasse wird von 19 Jährigen ausgesagt: "Früher, als ich jugendlich war, haben wir uns dies und dies nicht getraut" :rotfl: .
Wenn man sich die Shellstudien oder andere Studien von Hurrelmann zum Beispiel anschaut, kann man erkennen, dass 55% der Jugendlichen zukunftsorientiert und strebsam sind, sich auf ihr Leben konsequent vorbereiten, 50 % der Jugendlichen eher hedonistisch und gegenwartsorientiert sind und nur 5% der sogenannten Null - Bock Fraktion angehören, die sich gegen alles auflehnen, pessimistisch und aufmüpfisch sind. Eine derart "vernünftige" Jugend hatten wir schon lange nicht mehr. Es gibt sogar viel weniger Generationsprobleme, Eltern werden häufig als "Freunde" betrachtet, hören die gleiche Musik, haben ähnliche Interessensgebiete.
Experimentieren (dazu gehört auch über die Stränge schlagen), Werte und Normen abchecken und Rollen ausprobieren gehört einfach zu dieser Lebensphase dazu. Hierzu gehört auch, eine eigene "Sprache" zu entwickeln, die eben nicht allen Erwachsenen passt. Wir sind strebsam bemüht, die Kinder zum selbstständigen, selbstbewussten Menschen zu erziehen, der seine eigenen Stärken kennt und sich durchsetzen soll. Den Kindern wird (richtigerweise) beigebracht, dass sie gut, richtig und wertvoll sind. Sie sollen sich wehren, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Kommen sie dann in die Jugendphase und machen ihre eigenen Erfahrungen, gibts Geschrei nach irgendwelchen alten Normen, Traditionen etc.
Wenn ein Jugendlicher zum Beispiel aus Unsicherheit "Cool" sein will und beispielsweise jemanden nicht grüßt, heißt es direkt: "was ist aus der Jugend geworden!" Natürlich weiß ich, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht okay sind, die Kriminalitätsrate ansteigt etc. Hier kann man aber nur Abhilfe schaffen, indem man den Kids geeignete Alternativen anbietet. Eine "Benimmstunde" haut ja wohl niemandem vom Hocker.
Und das Denken, dass Jugendliche superhöflich sein müssen, weil sie eben jung sind, finde ich auch nicht gerade prickelnd.
Mal abgesehen davon, dass viele Jugendliche nur das nachmachen, was ihnen vorgelebt wird.

Deshalb finde ich "Benimm - Unterricht" auch daneben. Wenn etwas geändert werden soll, dann vom Jugendlichen/Kind aus und gemeinsam mit dem Kind - so wie es bei Susanne gemacht wird zum Beispiel. Aber nicht irgendwelche Dinge aufdrücken, die sowieso niemand mehr einhält.

Grüße, Geli
 
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