"Indianer weinen nicht"

    Diskutiere "Indianer weinen nicht" im Brennpunkt/News & Gewinnspiele Forum im Bereich Ganz aktuell; Damit kein off-topic entsteht beginne ich hier ein neues Thema.. Gerade entdeckte ich im TV einen Bericht über das Weinverhalten in unserer...
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Justine
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #1
Damit kein off-topic entsteht beginne ich hier ein neues Thema..

Gerade entdeckte ich im TV einen Bericht über das Weinverhalten in unserer Gesellschaft..

Bericht-weinen

Besonders den Punkt "Erziehungssache" fand ich sehr interessant, es spiegelte auch meine bisherige Meinung und Erfahrungen wieder..

Wie seht ihr das? Meint ihr, dass ihr Kinder "gleichberechtigt" erzieht, was die Emotionen angeht? Rutscht euch auch schonmal der Satz "Indianer weinen nicht" raus?


Oder seid ihr der Meinung, dies kann gar nicht anerzogen sein?


Würde mich über Antworten freuen, auch wenn sie über meine Fragen hinausgehen..
Erfahrungen, Meinungen, immer her damit ;-)!
 
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mia
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #2
"Indianer weinen nicht" - so ein Scheiß :mad:


Warum sagt man sowas ?

Warum darf ein Indianer nicht auch weinen ?
Ist es nicht was ganz natürliches ? Darf man denn nicht weinen ?

Kindern so ein Mist zu erzählen...ist reinste Verarsche
 
J
Justine
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #3
Warum man sowas sagt? Weil es einfach ist/Weil man sich nicht mit dem weinen beschäftigen muss/braucht/Weil es weinen unterdrückt/Weil man es so gelernt hat/Weil es einfach ist..

Was weiß ich? ;-)


Ich habe (leider!) schon oft mitbekommen, dass -gerade im Kindergarten, Eltern aber auch Erzieher(innen) solche (oder ähnliches) Sätze zu Jungs sagten..
 
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Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #4
Hallöchen,

ich finde es schlimm und furchtbar, nicht weinen zu dürfen. Das gehört mit zur Gefühlswelt und darf nicht unterdrückt werden.
Natürlich liegt die Grenze, ab wann geweint wird, bei jedem anders. Auch ohne Schmerz zu empfinden darf auch mal geweint werden.

Die Erziehung spielt bei der Frage, wann ein Kind bei Schmerz anfängt zu weinen eine große Rolle. Fällt Ronja hin, sage ich zuerst "Och, steh schnell auf." Tat das richtig weh, weint sie sooderso. Wars nicht so schlimm, weint sie nicht. Geht jemand hin und sagt: "Au wei, du Arme, hast du dir jetzt richtig weh getan? Komm mal her!" mit passend gequältem Gesicht, würde sie immer anfangen zu weinen.

Ich würde auch nie zu Ronja sagen "Ist doch nicht so schlimm!". Für sie ist etwas in dem Augenblick schlimm. Sie darf es dann, auch wenn es meine Nerven kostet, weil ichs vielleicht gerade übertrieben sehe oder nicht nachvollziehen kann, ausleben.

Anders ist es inzwischen, wo sie Weinen als Versuch, den Willen durchzusetzen, einsetzt. Ich erkläre meine Entscheidung auch 3 mal - dann ist aber Schluss. Ich wende mich dann ab und lasse sie weinen. Irgendwann beruhigt sie sich dann schon *stöhn*

Also der Satz "Indianer weinen nicht" hat in der heutigen Pädagogik und in Bezug auf Jungen rein gar nichts verloren! Emotionen müssen raus! Ich will nicht in 18 Jahren einen Psychotherapeuten bezahlen müssen, weil ich es meinem Kind immer untersagt habe und es irgendwann damit nicht klar kommt.
(OT: Und dem Volke der Vulkanier, die ihre Gefühle 100%ig unter Kontrolle haben, gehören wir auch nicht an *lol*)
 
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Monster-Mama
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #5
Hallo,
ich unterschreib' ganz dick bei Susi! Genauso sehe und handhabe ich das auch. Wenn dem Kind was weh tut, weint es berechtigterweise und wird getröstet, weint es aber, um Aufmerksamkeit zu kriegen oder seinen Willen durchzusetzen, ignoriere ich das.
Sätze wie der genannte und "Ein Junge weint doch nicht." etc. finde ich ganz furchtbar und habe noch nie zu einem Jungen sowas gesagt.

LG,
Monster-Mama
 
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Hongxuan
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #6
Ich seh das auch so wie Susi.
Wo ich dann aber auch was sag, ist, wenn nach dem Trösten, das Geschrei immer weiter geht. Nu hab ich einen Sohn, würd es aber auch bei einer Tochter nicht gut finden, wenn sie sich da so reinsteigert. Mein anderer Sohn macht es nicht.

Ich hab mich neulich mit ner Freundin unterhalten, und wir haben uns gefragt, ob Theater bei kleinen Wehwehchen etwas mit der Reaktion der Mutter zu tun hat. Ihre Mutter hat immer viel Gedöns gemacht, was sie gehasst hat, und deshalb zeigt sie selbst kaum eine Reaktion. Wir machen nicht viel Gedöns, halt trösten und pusten und unsere "Großen" (5J) reagieren als sei ihnen grad das Bein abgefallen.
Nun hab ich selbst als Kind auch kein Geschrei bei Schmerz gemacht, und meine Mutter hat auch kein Gedöns gemacht...soviel zu der Theorie.
Ach ja, ich sag auch nicht, Jungen/Indianer weinen nicht (=Schwachsinn), sondern frag, ob es noch wehtut oder woanders wehtut (man weiß ja nie...), und er soll dann mit dem Theater aufhören.

Bei emotionalem bzw Frustrationsweinen, versuche ich mit Fragen das Kind zu einer Lösung zu bewegen (wenn es noch denken kann, und der Anfall nicht zu hysterisch ist). Ich hab auch schon gefragt, "warum weinst du?" und Kind hat dann gemerkt, dass es eigentlich kein Grund hat und hat aufgehört.
 
A
Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #7
ich animiere die jungs in unserer gruppe zum weinen! sie können es oft gar nicht. nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil sie denken es nicht zu dürfen.

ich erlebe es oft, dass gefühle wie trauer, angst oder wut durch aggressionen ausgedrückt werden. das hilft den jungs in diesem moment mit ihren gefühlen umzugehen. aber danach sind die gefühle noch immer da und es hat sich nichts geändert.
ich merke, wenn die jungs anfangen zu weinen, dass sich etwas in ihnen regt. die trauer oder die gefühle kommen zum ausdruck, die jungs offenbaren sich, sie äußern sich so, wie sie sich fühlen, sie können sich helfen lassen. erst die tränen, die raus kommen, ermöglichen es ihnen, dass jemand zu ihnen "hinein" durch dringen kann!
ich ermuntere die jungs zum weinen und ich freue mich, wenn sie es tun - denn erst dann sind sie bereit hilfe wirklich anzunehmen. das klingt jetzt etwas doof - ich freue mich wenn sie weinen - aber meiner erfahrung nach ist es so, dass die jungs sich erst so gehen lassen müssen - und das tun sie in diesem moment - damit man ihnen wirklich helfen kann. wenn man ihnen dann beisteht sind sie bereit zu reden - ohne aggressionen.

komische welt der tränen!

ich persönlich weine gerne. es hilft mir. mein freund sieht mich nicht gerne weinen, und das sagt er mir auch oft. er denkt dann, er sei in irgend einer weise daran schuld. so nehme ich rücksicht und verlasse den raum, wenn ich einfach mal aus stress weine. wenn ich aber wegen ihm weinen muss, verlasse ich den raum natürlich nicht! :)
 
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jensselle
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #8
Interessantes Thema, zumal wir heute im Unterricht deswegen eine heftige verbale Auseinandersetzung hatten.

Eine Mitschülerin behauptete, Männer könnten keine Gefühle zeigen, zumindest nicht wie Frau.
Diese Ansicht finde ich gelinde gesagt, mehr als antiquiert.

Ein Grund mehr für Männer im Kindergarten, oder nicht?

Jens
 
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Hongxuan
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #9
oha...ich gebe dir Recht, Jens.

Jeder zeigt doch seine Gefühle anders, darf er/sie ja auch. Solange sie gezeigt werden, ist das ja egal.
Auch innerhalb der männlichen oder weiblichen Menschengruppen gibt es erhebliche Unterschiede.
Und dann gibt es ja auch kulturelle Unterschiede. Sieht man sehr stark, wenn man mal Berichte über Beerdigungen sieht, das was wir als Geschrei und Geschiss abtun würden ist da normal und wichtig zur Trauerbewältigung. Zeigt aber wohl, dass, wie Gefühle gezeigt werden, erziehungs/umgebungsabhängig ist, nicht geschlechtsabhängig.
 
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Uniqua
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #10
hallo :)

jens kann man dich adoptieren? :)

lach...

ich finde es müssen vielllllllllllllllllllll mehr männer in den kiga!

jetzt mal ehrlich...wie soll ein junge heran wachsen und zum mann werden?
ist doch alles so einfach heute...für einen jungen oder?
der papa ghet morgens aus dem haus und kommt am abend spät wieder...
wen hat er umsich? ja die mama eine "frau"
dann in den kiga...wer ist da eine "frau"...gegen abend ist der papa als mann dann vieleicht ein paar stunden da...aber mal ehrlich...viel zeit mit männern verbringen sie nicht oder? grins...und wie will frau ihm wohl beibringen ein mann zu sein? na? :)))
smile...

ich war vor einem jahr auf einer forbildung zur geschlechtsspezifischen erziehung! super toll!
sie beinhaltete auch das thema weinen...

ich hab das da oben ein wenig übertrieben geschrieben...aber es ist schon so oder?
tip von mir..ladet mal opas in die einrichtung ein... das die etas mit den jungs machen...
oder mehr angebote nur für jungs... sie mal hervor heben...
denn die zeiten das die jungs das starke geschlecht sind...die sind echt vorbei...aber wie soll es auch anders?

mfg
 
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Gogos
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #11
Dieser Spruch ist genauso daneben wie "Wer nicht hören will, muß fühlen".

Gruß vom
Gogos
 
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Björn
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #12
Morning, :guten tag:

also auf ein paar Sachen die bisher gesagt worden möchte ich mich gerne äußern.
Ich hoffe meine Gedanken kommen jetzt verständlich rüber.

Es wurden hier Beispiele gegeben wie von Euch in der Praxis auf das Weinen reagiert wird. Ich denke Jungs Weinen im Kindergartenalter, das ist normal.
Es ist sicher interessant sein eigenes Verhalten zu reflektieren.
"Wie reagiere ich wenn ein Junge weint?"
"Was passiert ihn mir?"


Wie schätzt ihr Euer Verhalten der Gruppe gegenüber ein?
Seid ihr der Meinung dass ihr Jungen gleich behandelt wie Mädchen?

Die Meinung ist einheitlich.
Der genannte Satz ist pädagogisch "out" und wird m.E. erachtens auch gar nicht mehr genutzt, nur vereinzelt ist er mal noch zu hören.

Geschlechtsspezifische Verhaltensweißen werden eher suptil vermittelt.

Das "Jungs hervorheben" wie Uniqua es geschrieben hat verstehe ich als den Aufruf homogene Gruppenangebote anzubieten.
Diese Idee finde ich gut.
Jungen und Mädchen solten die Möglichkeit haben unter "sich" zu sein, abgetrennt vom anderen Geschlecht. Das so Themen anders Bearbeitet werden können ist ein entscheidender Vorteil.
Dennoch sollte der Rahmen immer wieder in der Koedukation enden.

Viele Grüße,
Björn
 
A
Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #13
Morgen Björn,

Zitat von Björn:
Seid ihr der Meinung dass ihr Jungen gleich behandelt wie Mädchen?
Ich denke ein "behandeln" kann nie gleich sein. Ich mache das nicht vom Geschlecht abhänigig, sondern von der individuellen Person. Es haben nicht alle Jungen eine ähnliche Toleranzgrenze fürs Weinenanfangen und Mädchen ebenso, sondern jeder hat für sich eine individuelle Grenze.

Zitat von Björn:
Jungen und Mädchen solten die Möglichkeit haben unter "sich" zu sein, abgetrennt vom anderen Geschlecht. Das so Themen anders Bearbeitet werden können ist ein entscheidender Vorteil.
Ja? Du denkst gerade dabei an 3-6 jährige Kinder? Und an welche Themen denkst du?
 
B
Björn
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #14
Moin Susi,

auf die erste Frage geh ich noch nicht ein, da ich auf weitere Antworten warten möchte.

Obwohl das Thema sich nicht allein auf den Elementarbereich bezieht, hat sich dies, glaube ich doch so herauskristallisiert.
Ich halte es ab Kindergartenalter für sinnvoll, homogene Gruppen anzubieten.
Es sollte klar sein dass diese Gruppen zeitlich begrenzt sind, sich also "homogen" und "koedukativ" abwechseln und ergänzen können.
Die Themen lassen sich im Team erschließen und das wäre auch hier interessant zu diskutieren.
Grundsätzlich steht aber noch immer offen wie jeder zu homogenen Gruppenbildung steht.
Uniqua hatte das auch bereits angesprochen.

Wie stehst Du denn dazu Susi?

Viele Grüße,
Björn
 
A
Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #15
Morgen.

Also zu Björns 1. Frage:
Ich glaube nicht, das Jungen und Mädchen gleichbehandelt werden. Ich finde das nicht unbedingt falsch, da Jungen und Mädchen unterschiedlich sind. Dem entsprechend würde ich eine geschlechtsspezifsche Erziehung unterschtützen.
Durch spezielle Angebot für Mädchen und für Jungen.

2.
a) Die Frage mit dem Weinen ist schon schwieriger. Meine Eltern haben immer zugelassen das ich Weinen darf, aber mit zunehmendem Alter wurde mir das doch irgendwann peinlich. Vor allem vor Freunden oder Schulkameraden.

b) Dem Mann wohnt es glaub ich auch inne wenig zu weinen. Ein Mann muss und will Stärke representieren. Das MUSS bezieht sich auf gesellschaftliche Verpflichtungen. Auch hier in Deutschland. Ich höre oft von Frauen in meinm Alter, "das der Typ da n Waschlappen ist, der hat rumgeheult." Auf die Frage ob ihm das nicht gestattet sei, bekam ich als Anwort, dass ihm das schon gestattet sei, aber das solche Männer nicht männlich wirken.
Andere Frauen sagen wiederum: "Männer sollen auch mal Gefühle zulassen und Weinen."
Für Jungen ist die bestimmt paradox. Diese beiden Aussagen widersprechen sich. Dies führt dann zu Verunsicherung.

c)Das führt mich zu folgender Fragestellung: Wird versucht den Mann der Frau anzugleichen?
Ich meine damit, das die Forderung entstanden ist, das Männer Verhaltensweisen von Frauen annehmen, übernehmen sollen.

d) In wieweit verhalten wir uns in anderen Situationen anders? Im Kiga habe ich den Jungen weinen nicht vewehrt, aber wenn ich beim Judo Kinder trainiert habe, hab ich indirekt das Weinen nicht befürwortet. Wenn sich ein Junge oder ein Mädchen weh getan hat, dann bin ich zu dem Kind hin gegangen und habe geguckt ob alles in Ordnung ist. Ich habe oft die Methode benutzt, dass das Kind z. B. das Knie bewegen soll, damit es sieht das mit dem Knie alles in Ordnung ist.
Und ich habe dem Kind erklärt, dass Judo ein Kampfsport ist, und es deshalb passiert das man sich weh tut, da man ja gegeneinander kämpft.
Frage die ich mir jetzt stellen muss: "Hab ich mich unauthentisch verhalten? Wieso reagiere ich in einem anderen Rahmen anders? Ist die Begründung, dass ein Kind im Kiga weinen darf und beim Judo(wo es natürlich auch weinen darf, wenn es schlimm ist) bei kleinen Zusammenstößen auch mal die Zähne zusammenbeißen soll, richtig?

mfg crea
 
A
Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #16
Wie steh ich dazu? Hm ...

Ich denke, dass teilweise zuviel Truble gemacht wird. Wie gesagt: ich sehe das einzelne Kind mit seinen Wünschen und Bedürfnissen und nicht vorrangig den Jungen oder das Mädchen. Ich kann nicht alle Jungen oder alle Mädchen über einen Kamm scheren. Ich habe im Kiga auch mit einer Ausnahme nie erlebt, dass ich für irgendetwas Jungen und Mädels trennen müsste. Ich habe auch wirklich gerade überlegt, wofür ich nach Geschlechtern trennen müsste - mir fällt nix ein! Sexuelle Dinge, wo's denjenigen schon peinlich wird - ja da kann ich's mir vorstellen - später, in der Pubertät! Obwohl im schulischen Aufklärungsunterricht auch nicht getrennt wird und da auch irgendwie wieder der individuelle Faktor stark miteinfließt und jeder eher im kleinen intimen Rahmen über seine Problemchen redet ...

In der Praxis war es bei mir beim Turnen schon mal so, dass ich Jungen und Mädchen getrennt hatte. Obwohl ich da auch nie allen gerecht wurde. In einer Horde von "wilden" Jungs waren natürlich auch andere Jungs, die mit dieser "Toberei" nicht klar kamen, während es eher das eine oder andere Mädchen gab, die ich hätte besser in diese Actiongruppe packen können. Mal wieder ein Beispiel: es geht einfach nicht rein nach Geschlecht!

So, und nun zurück zum eigentlichen Thema:

Wie Creator sagt: Weinen wird (oder kann) irgendwann peinlich. Ich denke, das gilt aber auch für Mädchen. Bei Jungen mag es schlimmer sein, da sie sich durch ihr Umfeld unter Druck gesetzt fühlen. Wir alle sind tolerant, im Kiga ist man tolerant, aber die ältere Generation, die uns im Familienleben begleitet, hat u. U. andere Einstellungen und Ansichten, die natürlich so kleine Kinder mitprägen. (Sehe ich alleine schon bei meinen eigenen Eltern!)

Letztendlich denke ich aber, dass man sein wirkliches Gefühlsleben schwer unterdrücken kann. Was raus muss, muss raus! Ich selber bin auch total sensibel, besonders jetzt in der Schwangerschaft. So manches mal habe ich beim Gyäkologen wegen irgendwelche Hiobsbotschaften geschluckt. Ich habe mich stark zusammen gerissen, da es auch mir peinlich und unangenehm ist, in der Öffentlichkeit zu heulen. Im Auto oder zu Hause hab ichs dann nachgeholt.

Ich finde es eine Unverschämtheit, wenn Frauen oder andere Männer Männer, die auch mal Tränen zeigen können, als schwächlich oder Weichei bezeichnen.
 
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Uniqua
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #17
hallo :)

susi..bei uns im kiga ist es auch so das fast alle angebote und so in alters und geschlechts gemischten gruppen stattfindet... denke das es so ja auch sein sollte...

aber in einer zeit in dem den jungen nicht mehr vorgelebt wird wie mein ein "richtiger junge oder mann" wird wäre es doch nicht schlecht ihnen da ein wenig unterstützung zukommen zu lassen oder?
wir machen zb hin und wieder das gruppenübergreifende turnen dann nur in mädchen und jungs gruppen...was supper ankommt! und das nicht nur bei den jungen :)

und ich finde "meine "jungs (grins..hab innerlich auch wohl zu viele männliche anteile...so das ich mich immer zu ihnen hingezogen fühle ;-) ) sich dann oft ganz anders verhalten...und beim werken nur unter "männern" dann auch mal ganz anders aus sich raus kommen...
ich kann dazu nur sagen...versucht es ein paar mal und schaut wie es ihnen und euch dabei ergeht :)

ein bekannter buchautor zu geschlechtsspezifischer erziehung hat mir am ende einer fortbildung mal ein paar sätze gesagt warum für ihn das thema so von bedeutung sei...

als er 7 jahre alt war hatte es zu hause einen vorfall gegeben nach dem er so sehr geweint hätte wie noch nie...dann wäre seine mutter angekommen und hätte ihm gesagt ..das echte jungs nicht weinen würden...ob er wohl kein junge sei...
das ergebnis... er hat seit diesem tage nie wieder eine träne vergossen...er selber konnte nicht beschreiben was es war das die mutter dadurch angerichtet hätte...aber bei ihm sei es als wäre etwas zerbrochen...

dieser man ist jetzt um die 40...

das hat mir echt sehr zu denken gegeben ...denn ich denke das dieses bestimmt kein einzelfall gewesen ist...

mfg...
 
A
Anonymous
Gast
"Indianer weinen nicht" Beitrag #18
Zitat von Susi:
Ich finde es eine Unverschämtheit, wenn Frauen oder andere Männer Männer, die auch mal Tränen zeigen können, als schwächlich oder Weichei bezeichnen.
Jaaaaaaaaa, danke. :yes:

Ich denke, wenn dieses Bild mal endlich verschwinden würde, würde es einigen Männer evtl. auch leichter fallen, diese Emotionen zuzulassen oder zumindest sich selbst einzugestehen.
Das Problem ist aber, dass sogar in meiner Klasse, wo wir dieses Thema behandelt haben, von weiblicher Seite Worte wie Weichei etc fallen.
Das ist auch für mich etwas paradox. Einerseits wird an den Mann die Erwartung gestellt, Gefühle zuzulassen. Diese aber nur soweit, dass er auch noch ein richtiger "Kerl" ist. Wir hatten in Biologie das Thema: sozio-biologischen Partnerwahl. Da gab es eine empirischen Studie darüber welche Charaktereigentschaft sich eine Frau von einem Mann wünscht. An 1. Stelle stand Dominanz. -Dieses Beispiel jetzt nur um die für mich zutreffende Verwirrung zu beschreiben-
Was soll ich denn nun sein? Stark oder gefühlsbetont. Beides aufeinmal? Und wenn ja, in welchem Maß bitte? Wann darf ich denn meinen Gefühlen Ausdruck verleihen? In welcher Situation? Wann sind Tränen angemessen, wann peinlich?

Diesen Fragenkatalog hab ich mir gestellt, um selbst zu einem Ergebnis zu kommen.
Ich denke, jeder von uns muss die Antworten selbst finden, um seine eigene pädagogische Arbeit danach auszurichten. Gekoppelt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber.

So far
mfg crea
 
B
Björn
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #19
Ist das nicht wirklich faszinierend? :ohr:
Auch ich erlebe das so immer und immer wieder.

Sind (junge) Frauen auf der Balz suchen sie scheinbar gezielt nach Männern die nach außen besonders "Männlich" wirken, d.h. die Dominierend auftreten, kräftig-muskulös-gutaussehend, Erfolgreich und ein dickes Portemonai und Auto besitzen.
Andererseits soll er Einfühlsam, Humorvoll, Verständnisvoll, Kinderlieb und was weis ich nicht noch sein.

Ein Mann also der vor der Ehe eher dem Macho zuzuschreiben ist und der nach der Ehe der fürsogende Ehemann und Vater ist - ein Wechsel seiner äußeren Erscheinung muss für den Mann also klar sein. ;)

Machen wir uns aber nichts vor - Männer suchen genauso bei den Frauen nur auf deren Äußerlichkeiten und Fertigkeiten bezogen.

Wie auf dem freien Markt verkaufen wir uns in den ersten Stunden, Tagen, Wochen als ideeller Partner und verdecken unsere Schattenseiten (die wir als "blinden Fleck" vielleicht selbst gar nicht warhnehmen).
Ist es auch möglich, bzw. gibt es Menschen die sich "echt" darstellen und verkaufen, egal wie verliebt oder wolllüstig sie gerade bei der Partnersuche sind?

Fragen über Fragen...eine Soziologe hier in den Reihen wäre jetzt eine große Bereicherung. ;)

Viele Grüße,
Björn
 
G
Gogos
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"Indianer weinen nicht" Beitrag #20
Ich finde die hier entstehende (oder laufende) Gender-Diskussion höchst interessant. Ich habe bloß das Problem, daß ich sie sie für die Ausgangsfrage vielleicht nicht für sekundär halte, aber zumindest diskutabel in einem eigenenThema.

Das Problem ist wohl, daß es zu wenige Männer als Vorbilder für (unsere) Kinder gibt (und zu diksutieren, woran das liegt, ist auch wieder ein eigenes Thema). Sei es daheim oder in den Einrichtungen.
Ich mache für mich seit einiger Zeit die interessante Erfahrung, daß ich in einem zehnköpfigen Team als einziger Mann ein Klischee bediene(n muß). Und ich weiche dem optisch eigentlich auch täglich aus, nicht um auf contra zu gehen, sondern, weil es nicht mein Anspruch ist, einer (gängigen Vorstellung) zu entsprechen, mit der das Team wenig zu tun hat (das lebe ich schon länger aus). Aber das ist eigentlich nebensächlich, auch wenn es viele nicht so wahrhaben wollen.
Das Klischee geht nicht vom Team alleine aus, sondern auch ein Stück weit (von geistig behinderten) Kindern. Tränen unterbinde ich in der Regel nicht. Ich arbeite im stationöären Bereich, wo wir mehr oder weniger für alles zuständig sind - also auch die gesamte Haushaltspalette (womit ich kein Problem habe, vor allem wenn's ums Kochen geht...). Die Kinder erleben mich - zumindest im Beruflichen - in ziemlich vielen Alltagssituationen, sicher auch in Situationen, wo sie weder Mütter und noch eniger Väter erleben. Einige ahmen dies auch nach (unabhängig davon, welchen Geschlechts sie sind, und wer ihnen das gerade vorlebt). Andererseits bin ich als einziger fürs Raufen zuständig., was so gar nicht mein Thema ist. Ich bedienes es trotzdem, weil ich denke, daß es die Kinder (im speziellen ein Junge) brauchen. Und ich werde mehr oder weniger gezielt (von dem Jungen) nangesprochen.

Ich gehöre auch zu den Männern, die "sehr nahe am Wasser gebaut" sind - ich kann auch bei (Kitsch-)Filmen weinen. "Aristocats" ist so ein Beispiel.

Um auf das Ausgangsthema zurückzukommen: Wir können gerne Geschlechtsspezifika diskutieren. Das Ganze ist aber ein Stück weit theoretisch (und vor allem wertlos), sofern die Kinder nur eine Seite erleben.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:
Es täte uns Männdern ganz gut, nicht nur Männlichkeit auf dem Fußballplatz oder im Bett zu zeigen (sehr klischeehaft gesprochen und sicher verallgemeindernd), sondern auch im emotionalen Bereich. Und das ist für mich nicht gleichbedeutend, im heimischen Haushalt unterm Pantoffel zu stehen, sondern auch zu sich (und zu seinen Emotionen) zu stehen. Und dazu gehört für mich auch das Weinen (nicht nur auf dem Fußballplatz).

Ich glaube, ich habe mich gerade ziemlich verzettelt, aber ich mußte es mal eben loswerden.

Gruß vom
Gogos
 
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