Jetzt geht Pisa erst richtig los

    Diskutiere Jetzt geht Pisa erst richtig los im Erziehung und Bildung Forum im Bereich Pädagogik - Arbeit mit Kindern; Liebe Kollegen und Kolleginnen, Im Sommer 2000 wurden für den ersten PISA-Durchgang (Programme for International Student Assessment) 180.000 Schüler...
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #1
Liebe Kollegen und Kolleginnen,
Im Sommer 2000 wurden für den ersten PISA-Durchgang (Programme for International Student Assessment) 180.000 Schüler im Alter von 15 Jahren in 32 Industrienationen getestet. In Deutschland waren an der Wertung zunächst 5.000 Schüler aus 219 Schulen beteiligt. Die schlechten Ergebnisse schockte die deutschen Bildungspolitiker. Deutsche Schüler hatten miserabel abgeschnitten. Eine heftige bildungspolitische Debatte um den richtigen Reformweg des deutschen Bildungssystems setzte ein. Selten einmütig beschrieben nun Politiker, was nötig ist:

Standards setzen durch Zentralprüfungen,
mehr Freiheit für Schulen,
Lernen schon im Kindergarten,
Hilfe für Migrantenkinder beim Deutschlernen,
Ganztagsschulen,
eine praxisnahe Lehrerausbildung.

Die Kultusminister verständigten sich auf mehr frühkindliches Lernen schon im Kindergarten. Der Bund unterstützt die Länder beim Aufbau von Ganztagsschulen bis 2007 mit vier Milliarden Euro. Für den Unterricht wurden neue Bildungsstandards entwickelt, die für alle Bundesländer gleichermaßen gelten sollen. Eine Diskussion über die Schulstruktur lehnten die Kultusminister bisher ab. Als einziger Staat der Welt trennt Deutschland schon zehnjährige Kinder in verschiedene Schulformen.
Die Studie bemängelt, schon in Kindergarten und Grundschule bedürfe das "Betreuer-Kinder-Verhältnis" der Verbesserung. Besonders gravierend sei die Situation im Elementarbereich, in dem rund 24 Kinder auf eine Betreuungsperson kommen, Der Durchschnittswert unter den 30 Ländern der OECD liegt im Kindergartenbereich bei etwa 15 Kindern pro Betreuungsperson. Auch haben die Grundschüler hier deutlich weniger Unterrichtsstunden (626) als in vielen anderen Industriestaaten (OECD-Schnitt (788 Stunden) pro Schuljahr.
Trotz oder gerade aufgrund dieser Erkenntnis wurde festgehalten das es zu wenig Bildung in den Kindertagesstätten gibt. Ebenfalls die kindl. Frühförderung findet kaum statt.

Nach einer hoffnungsvollen Iglu - Studie hat uns Pisa II auch im Kindergarten wieder eingeholt.

Oh mann, persönlich macht mich das echt sauer. Ich hatte gerade in letzter Zeit einige Unterhaltungen mit Kollegen die mit kita´s zusammenarbeiten. Wir waren aller einer Meinung: Es wird in den Einrichtungen auf einen verdammt hohen Niveu gejammert aber es kommt nichts heraus. Mal im ernst, wir diskutieren hier über Männer in den Kindergarten, Bastelanleitungen und Medien. Das halte ich immer mehr für unsinnig. Es müssen die Bedingungen entsprechend geändert werden. Da hilft es nichts markschreierisch zu agieren. Hier helfen nur Fakten und das ist ja nun mal nicht gerade des Pädagogen liebstes Kind, der sich im allgemeinen lieber auf seinen Bauch verlässt.

Ich wünsche mir das in der Praxis einfach selbstkritisch hinterfragt wird und das Profesionalisierung nicht bedeutet ich kann alles, ich mach alles und ich weiss alles sondern vielmehr die fachspezifieschen Kenntnisse ausgebaut und eingbaut werden. Ich sehe in allen Institutionen Pädagogen, die meinen sie sind für alles ausgebildet. Das ist natürlich auch ein Problem der Ausbildung, die ja in der Tat ein sehr breites Spektrum abzudecken versucht. Ich plädiere schon lange für ein Blick auf die Konzeptionen in der Wirtschaft. Dort sind Fachgebiete viel enger gestrickt. Die Pädagogik kann doch auch nur davon profitieren wenn sie sich spezialisiert und die Kompetenz von professionellen Fachkräften stehen lässt ohne sie zu zerpflücken. Aber das ist eine der Miseren in unseren Bildungseinrichtungen.

Kollegiale Grüße

Holger

Letzter Absatz Editiert und neuformuliert am 25. November 05 um 10.35 Uhr
 
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #2
morgen holger
dann nenn doch mal einmal einen konkreten lösungsweg! einmal. du schreist auch nur danach, dass es anders geregelt werden muss.
los! drösel dass pferd doch einmal von hinten auf - in der letzten diskussion um den kleinsten gemeinsamen nenner hast du u.a. mich stehen lassen. den gleichen vorwurf, den du pädagogen machst, die warnen auf "schultypisches lernen" umzuschalten mach ich dir. du hast nicht bedacht, was lehrpläne gerade für die, die du anzusprechen suchst bedeuten kann. nämlich pflichtprogramm. und das ist es definitiv nicht. und da bin und bleib ich bockig.
finde genau den weg zwischen nötigem zu vermittelndem "lernstoff" - wenn du es so ausdrücken willst und situationsorientierter und mitbestimmender vermittlung für unter 6 jährige! dann kigste ´nen preis von mir!
aber klage auch du nicht - such mit!
und mehr sag ich zum thema pisa nicht mehr.
 
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Gerd
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #3
BABY-Pisa

Morgen!

Tja, auch die Schlagzeile auf der Titelseite meiner heutigen Regionalzeitung verbreitet die Schreckensmeldung "Baby-PISA: Deutschland erneut hinten".

Oh, welch' Überraschungen verbergen sich im Inhalt des Artikels: "Nach den Schulen erhalten auch die Leistungen der Kindergärten im internationalen Vergleich schlechte Noten. Lediglich 0,4 Prozent des Bruttosozialproduktes gibt Deutschland für vorschulische Erziehung und Bildung aus, deutlich weniger als vergleichbare europäische Länder, in denen die Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen zudem häufig kostenlos ist. Hinzu kommt, hält der OECD-Report fest, dass ein Drittel aller Kinder aus der niedrigsten Einkommensgruppe überhaupt keinen Kindergarten besucht, unter ihnen viele aus Migrantenfamilien."

Boh'! Wer hätte das gedacht! Und so lautet die Zusammenfassung der veröffentlichten Meinung zum Ergebnis der OECD-Studie auch: "Erziehung und Bildung der Allerkleinsten nähmen einen zu geringen Stellenwert ein, Erzieherinnen würden unzureichend ausgebildet, und es werde zuwenig Geld investiert."

Faszinierend! Wieviel Millionen Euro mögen diese Erkenntnisse gekostet haben? Und jetzt wird alles besser?

Gruß!
Gerd
 
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Musikatze
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #4
Nööö! Denn die vielen Millionen Euros sind ja schon ausgegeben...

Grüsse von der Musi :cat:


P.S. Mußte mich verpflichten, ab jetzt und sofort nach dem "Berliner Bildungsplan" Musikalische Früherziehung zu unterrichten - in Falle meies Unterrichts hieße das, ds Niveau um Meter nach unten zu verlagern... :rotfl:
 
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Hongxuan
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #5
Dass Bildung, Wissen, etc mit dem Einkommen der Eltern zusammenhängt, ist schon vor über 30 Jahren und ohne PISA festgestellt worden, und das ist ja so peinlich, dass es ganz hinten in der Schublade zum Verstauben geschickt wurde....



Und kann mir jemand mal erklären, warum Australien, wo es 1 Kindergartenjahr (Freispiel, Bewegung, Basteln, Musik...12½Std/Woche) für 4 Jährige, Schule ab 5 (mit immernoch viel Spiel und Bewegung) gibt, so gut bei PISA abgeschnitten hat?
 
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #6
Hallo Claudia und alle anderen,

ich weiss nicht genau ob ich mich richtig ausgedrückt habe. Nochmal ganz klar:
die Schuld an der Misere ist nicht primär den Kollegen in der Praxis zu geben und auch nicht den Lehrern. Beide Berufsgruppen machen letztendlich dass was ihnen gesagt wird.

Die Kritik von mir geht vielmehr in die starrsinnige Haltung der Kollegen. Die Wichtigkeit von Fortbildungen, innovativen Konzeptionen und reformierten Ausbildungsgängen wird überschattet durch Fragen ob es zu viele Frauen Einrichtungen gibt, wie Medien sinnvoll eingesetzt werden und welche Grundrichtung ob konfessionell, staatlich oder Waldorf oder was weiß ich noch alles die heilbringende ist.

Mein und der Beitrag vieler Kollegen ist es, zu versuchen Institutionen entsprechend zu sensibilisieren und weiter zu entwickeln. Hier greift aber sofort die Kritik an der Fortbildungsbereitschaft und einer damit verbundenden Haltung gegenüber Beruf und Person.

Un ich gehe sogar noch weiter. Diese ganze Diskussion um Leitkultur und Integration von Menschen aus fremden Kulturen wird uns noch weiter zurückwerfen.
Es wird nirgends wo mehr Geld investiert als in die Lehre der deutschen Sprache. Alle Kurse werde auch gut besucht. Meines erachtens ist es nicht die Sprache die uns trennt sondern unser handeln. Und dann geht um generelle Integration von Behinderten, Kranken, Alten, Arbeitslosen etc..

In HH wurde nirgends wo mehr Geld in die Unterrichtung von Mathematik investiert. Was hat es gebracht? Überhaupt nichts. Persönlichkeitbildung ist gefragt und dann ist auch erst ein gemeinsames Lernen möglich (siehe Australien . :cu: Susanne)

Holger

Nachtrag: Nachdem ich diesesn Thread eröffnet hatte, habe ich mir aufgeschrieben wer antworten würde und was er wohl zu sagen hat. Meine Prognose der Teilnehmer stimmt (einer fehlt noch). Das ist doch nun wirklich bedenklich. Hier im Forum tummeln sich soviele Erzieherinnen und Erzieher. Mit einer solchen Debatte die die Zukunft unseres Berufsstanden verändern wird wie keine anndere setzen sich aber nur eine handvoll auseinander. Wobei von dieser Handvoll, ich glaube auch nur Gerd und Claudia "echte" ErzieherInnen sind. :kA: :?:
 
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Hongxuan
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #7
...ich bin halt am anderen 'Ende' im Bildungsprozess mit eingebunden und schlag mich mit Schülern ab 11/12J rum.

...und als Mutter ist man ja auch interessiert.


Mir ist immernoch nicht klar ob du kritisierst, dass sich nicht genug fortgebildet wird, oder es zuviele Fortbildungen gibt.
 
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #8
<< denken - fortbilder - >> denken.... komm, komm, komm


be- ziehung vor er -ziehung


und wenn du mir dann genau sagen kannst, was dir bauchschmerzen macht kann ich mir auch ein bild machen
 
A
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #9
Ich möchte, dass es mehr Susann´s und Claudia´s und Gerd´s auf dieser Welt gibt und das denen auch einmal zugehört werden. Das ist mein großer Schmerz
:krank: . Es wird über uns diskutiert aber viel zu selten mit uns. (Die Schwestern in den Krankenhäuser habe es uns in den 80iger Jahren vorgemacht wie es gehen kann)

Wo ist der Wiederspruch in be- ziehung vor er -ziehung und Bildungsplan? Es gibt keinen.

Gerade mit der Beziehung hapert es doch gewaltig in der Pädagogik. Vielleicht sollten Pädagogen unter sich erstmal eine Beziehung herstellen. Ich war in sovielen EInrichtungen und kenne auch heute noch sehr viel. Was teilweise für eine dicke Luft ist und war.... Das kann doch gut für die Kinder sein.

Also Claudia, wir schaffen Beziehungen (vielleicht mal eine Interessvertretung für Erzieherinnen). Dann bilden wir einen Konsens über die Entwicklung von Kindern. Als nächstes wird PISA III zeigen das die Förderung in den Kita´s doch stimmt. Der Beruf der Erzieherin erlebt eine enormen Anstieg in der Bevölkerung und wir...... :krank: oh, hilfe, ich Fantasiere :erledigt: ....

@ Suasanne: Ich habe ja gerade ein Studie zur interkulturellen Bildung in Kindertagesstätten abgeschlossen.:
1. sehr viele Fortbildungen richten sich an Akademiker
2. Inhalte sind in der Regel SPrachförderung
3. Die Kollegen sehen die Notwenigkeit nur dann, wenn sie auch mit ausländischen Kindern zu tun bekommen und es Probleme gibt.
4. von 1000 befragten Erzieherinnen gaben gerdae mal 15% an eine Fortbildung zu besuchen und davon nur 10% die es regelmäßig tun.

Grundsätzlich gibt es genug Fortbildungen wenn sie effektiv genutzt werden würden

Holger
 
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Musikatze
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #10
Zitat von Holger:
Wobei von dieser Handvoll, ich glaube auch nur Gerd und Claudia "echte" ErzieherInnen sind.
Hm, möchte ich da mal räuspern - ich bin auch Lehrerin. Und Mutter noch dazu...

Musi :cat:
 
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #11
Gerade drum Musischmusi!

Erzieherin im professionellen Sinn. Ich bin auch kein Erzieher! Sondern alles drum herum!

Holger
 
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erzieher78
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #12
Hi,

hmm... schwieriges Thema...

Ich möchte mich dem Thema von einer anderen Seite nähern. Was ist die primäre Aufgabe einer Kindertageseinrichtung? Erziehung, Bildung, Betreuung? Ich denke, wir als Pädagische Fachkräfte und Pädagogen sind uns darin einig, dass sich alle drei Bestandteile gleichzeitig bedingen. Ohne Betreuung keine Erziehung und Bildung...

Ja, wir brauchen Bildungspläne. Ja, wir brauchen einheitliche Bildungsstandarts. Ja, wir brauchen Professionalisierte Fachkräfte. Aber hier geschieht in der Öffentlichen Diskussion etwas, was ich sehr bedenklich finde... Alle sind sich darüber einig dass wir Veränderungen - auch in den Strukturen - brauchen. Aber wenn dann über diese Veränderungen gesprochen wird, taucht ein neurotisches Verhalten und Lösungswege "mehr desselben" auf... Sind nicht neuerdings die Begriffe Disziplin, Kopfnoten etc. immer wieder in der Diskussion? Anstatt die Bereitschaft mitzubringen sich an den runden Tisch zu setzen und über neue Konzepte zu diskutieren und Lösungswege zu erarbeiten werden die gehört die am lautesten Schreien und deren Aussagen - so hirnrissig manche auch erscheinen mag - am schnellsten Lösung versprechen.

Es geht nicht an, dass eine Professionalisierung erwartet und gleichzeitig Gelder gestrichen werden. Sicherlich, ein gewisses Maß an Marktwirtschaftlichem Denken erwarte ich von Einrichtungen - aber die Qualität darf nicht darunter leidern.

Das setzt aber vorraus, dass erstmal eine Qualität da ist. Unter Qualität verstehe ich als absolutes Minimum - und damit wäre ich fürs erste ja schonmal zufrieden - ein Konzept in jeder Einrichtung, welches unter fachlichen, entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten folgende Bereiche abdeckt:
1. Orientierung an der Lebenssituation der Kinder
2. Recht auf kindgemäße Bildung und deren Umsetzung in der praxis
3. Verpflichtung zur bedarfsorientierten Fort- und Weiterbildung
4. Stellenwert der Elternarbeit
5. Vernetzung und Kooperation mit anderen Einrichtung, inklusive Zusammenarbeit mit Grundschulen.

Aber was haben wir oftmals in der Praxsi - FALLS es überhaupt ein Konzept gibt?
Pädagogischen, nichtssagendes Blabla ohne konkrete Umsetzung in die Praxis, aussagen die alles und nichts bedeuten können - wie beispielsweise: Wir achten auf die Lebenssituation der Kinder. Ich will wissen in einer Konzeption: Wie genau sieht das aus? Wie fließt das in die pädagogische Arbeit ein? Und vor allen Dingen nach welchen Entwicklungspsychologischen Theorien reagiere ich darauf?
Wir haben Erzieherinnen die sich regelmäßig Fortbilden - meist in Bereichen die kein mensch braucht... Weiterbildungen müssen aus eigener Tasche finanziert werden und dass ist teuer... Da steht Sprachförderung im Konzept und kein mensch hat eine Sprachheilpädagogische zusatzausbildung... Was soll das???

LG
Alex
 
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Björn
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #13
Amnd,

bei all der guten und notwendigen Diskussion die im Kontext zu Fachkräften, Institutionen und PISA steht sollten die Eltern nicht vergessen werden.

Bildung beginnt nicht erst im Kindergarten oder in der Schule.

Der Grundstein, die Basis für Lernkompetenz, für Neugierde, positiver Lebenseinstellung und Motivation wird im Elternhaus nach der Geburt gelegt.
In der gesamten PISA-Diskussion die sich fast ausschließlich auf "Bildung- und Bildungsstrukturen" in der BRD bezieht, geht der Blick auf Grundvorraussetzungen, die für das "Lernen" Notwendig sind, verloren.

Die massive physische Veränderung und der Gesundheitszustand der Kinder spielt dabei eine beachtliche Rolle.
Eltern haften für ihre Kinder - gerade in puncto Gesundheit.

Etwas vierzehn Prozent der Kinder in Deutschland zwischen 6 und 17 ahren gelten mittlerweile als adipös. Jedes vierte Kind ist zu dick.
Dies massive Veränderung beszieht sich auf den häuslichen, infamiliären Umgang mit Kindern un ihrer Lebensweise.
Die gegenwärtigen Bedingungen in unserer Gesellschaft sind nicht gerade "Bewegungsfreudig". Ampelanlagen werden dort gebaut wo der Verkehr flüssiger gemacht werden soll und nicht da wo es um Sichereheitsrelevante Punkte geht.
Spielplätze veröden. Kinder können aufgrund der stetigen Verkehrszunahme nicht auf der Straße spielen und Eltern verbringen mehr Zeit für das Arbeiten um sich ein zweites Mobiltelefon, Auto, Eigenheim oder Unterhaltungstechnik zuzulegen, statt mit den Kinden mehr Zeit mit Spielen und im Freien zu verbringen.

Kinder müssen wieder "Fit" gemacht werden und das in erster Linie physisch, damit sie überhaupt eine psychische Leistungsfähigkeit erreichen können.

Bei allen guten innovativen Ideen für Bildungs, Methodik und Didaktik müssen wir derart gravierende Themen integrieren und öffentlich ansprechen.

Viele Grüße,
Björn
 
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erzieher78
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #14
Zitat von Björn:
Bildung beginnt nicht erst im Kindergarten oder in der Schule.
Stimmt wohl und diese Aussage würde ich sofort unterstützen - Bildung beginnt bereits intrauterin. Aber soll das jetzt bedeuten, dass wir schwangere Mütter vor Mozart-CD's setzen? Gibts ja bereits... Wers nicht glaubt der lese auf den Spiegel Seiten nach. Aberich denke nicht dass das der richtige Weg ist. Aber genau solchen Methoden wird Haus und Hiof geöffnet wenn wir Pädagogen nicht langsam in unseren Grundsätzen einig werden... Damit meine ich keine Gleichmacherei, sondern das Eliminieren der ewigen Streiterei, welcher pädagogische Ansatz denn nun der richtige ist, welches Absolutistische Weltbild das einzig Heilmachende darstellt.

Zitat von Björn:
Die gegenwärtigen Bedingungen in unserer Gesellschaft sind nicht gerade "Bewegungsfreudig". Spielplätze veröden. Kinder können aufgrund der stetigen Verkehrszunahme nicht auf der Straße spielen und Eltern verbringen mehr Zeit für das Arbeiten um sich ein zweites Mobiltelefon, Auto, Eigenheim oder Unterhaltungstechnik zuzulegen, statt mit den Kinden mehr Zeit mit Spielen und im Freien zu verbringen.
Sicher ist die Bewegung eine Grundlegende Komponente von Entwicklung und Bildung. Bewegung ist Entwicklung und Entwicklung immer auch Bewegung, wer mehr darüber wissen möchte der lese Renate Zimmers "Handbuch der Bewegungserziehung"... Bewegung schafft immer Grundvorraussetzungen für sinnliches Erfahren, emotionale Bedeutungen und neue Sichtweisen - ganzheitliches Lernen. Umso mehr verärgert es mich, dass das ganzheitliche Lernen zwar überall als Schlagwort gerufen wird, wenn es aber um die konkrete Umsetzung in die Praxis geht findet der immer verstärktere Frontalunterricht mit immer höherem Leistungsdruck anwendung. Liegt das an einer Überforderung der Erzieher und Lehrer? Jetzt mal ehrlich, welchen Stellenwert hatte Bewegungsschulung in Eurer Ausbildung? Das höchste der Gefühle waren 2 Stunden in er Woche, der Alltag blieb eher unbewegt... Ich fordere Motopäden und Psychomotoriker in Kindertageseinrichtungen und Schulen... wenigstens solange, bis das Stammpersonal sich in diesen Methoden grundlegend qualifiziert hat!

Der andere Aspekt, mit dem arbeiten fürs Handy find ich zu kurz gegriffen Björn. Sicherlich gibt es auch diese Fälle aber:
1. Nicht jeder der sein Kind in Fremdbetreuung abgibt tut das um des persönlichen Wohlstandes sondern ich behaupte mal - aus eigener Erfahrung - viele auch aus einer materiellen und seelischen Not heraus. (Hier kenne ich leider keine Zahlen, wäre doch mal interessant...) Materielle Not zu Zeiten leerer Kassen, hoher Arbeitslosigkeit und steigender Lebenshaltungskosten kann sich zu einer seelischen Not im einzelnen entwicklen. Kein Mensch ist frei von Suggestion - ein wichtiger Ansatzpunkt für die Werbeindustrie die uns alles mögliche einreden möchte. Wie wichtig es für die Entwicklung unserer Kinder ist, Bewegung in den Bergen im nächstenSkiurlaub zu haben, dass es wichitg ist, dass das Kind bereits in frühester Kindheit mit Technik und PC auseinandersetzt.... Wie soll ich al das gute nur für mein Kind und mich tun? Wie soll ich meine Familie und mich glücklich machen wenn die Zeiten sooooo schlecht sind? (Nebenbei bemerkt: Auch das bekommen wir eingeredet... Soooo schlecht sind die Zeiten nämlich nicht... Ich mag nur mal dran erinnerin dass derzeit in Dafour, im Irak und was weiss ich in wie vielen Ländern noch Krieg herrscht, dass x afrikanische Länder unter der Armutsgrenze leben... Soviel zum thema "Jammern auf hohem Niveau").

2. Die wenigsten die Betreuung brauchen finden eine qualifizierte und müssen daher auf Fernsehen, Computer etc. zurückgreifen... Denn fehlende Betreuung, fehlende Ruhe und Regenerationszeiten förder das ausgelaugt sein der Eltern und damit das Stresspotential. Und auf hohem Stressniveau ist keine positive Auseinandersetzung mehr zu erwarten... Betreuung kann in dieser Situation also auch, sofern sie qualitativ hochwertig ist und in Elternkompatiblen Zeiten angeboten wird (und das ist in den wenigsten Fällen der Fall... Man denke nur, dass Lidl bis 20 Uhr auf hat der Kiga aber um 16:30 schließt!) etspannend und damit förderlich für die Diskussion sein!!!

3. Selbst wenn es so ist... Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist nunmal ein Grundrecht dass nur da seine Einschränkung findet wo es die REchte anderer Beschneidet. Vielleicht sollte man demnach sich nicht soviel Gedanken über die bösen Eltern machen... Dazu haben wir eigentlich kein Recht...

...oder aber man nimmt das Recht des Kindes auf seine Eltern als Grundrecht in unser Grundgesetz mit auf... aber warum hab ich nur so ein Gefühl dass das nicht geschehen wird?

Zitat von Björn:
Kinder müssen wieder "Fit" gemacht werden und das in erster Linie physisch, damit sie überhaupt eine psychische Leistungsfähigkeit erreichen können.
Frisch , fromm, fröhlich frei ans Werk... Zurück zu den Wurzeln der Turnbewegung!
Nein Björn, das möchte ich so nicht unterschreiben. Ganzheitliches Lernen, Lebensfeldnahes Lernen, Emotional Bedeutsame Inhalte - das sind die themen über die wir uns m.E. unterhalten müssen... Die Physis des einzelnen ist wichitg und ein ganz elementarer Bestandteil aber nicht die Lösung aller Probleme. Im Gegenteil sollte man unter Umständen die Frage anders Stellen... Nämlich: Was ist es was uns derart krank macht und was kann dagegen getan werden? Der Rest ergibt sich dann von alleine!? Reden wir über ganzheitliches Lernen werden wir automatisch auch auf dei Frage des bewegten Alltags kommen... und damit auch auf die Frage der Gesundheit. Alles was nur kognitiv verläuft hat wenig Aussicht auf Erfolg. Ebenso wäre es bei einer Einseitigen Sicht auf die Physis...

LG
ALex
 
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #15
holger als ela 8)
 
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Gerd
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #16
Morgen!

Noch liegen ja die Ergebnisse der "Baby-PISA"-Studie noch gar nicht offiziell vor. Die bisherigen Resultate sind "durchgesickert" und sagen nichts konkretes zur inhaltlichen Arbeit der Tageseinrichtungen für Kinder aus. Im wesentlichen betreffen sie die Rahmenbedingungen im Elementarbereich, die auch im Vergleich mit anderen Ländern einfach schlecht(er) sind. Das ist nun wirklich nichts Neues und Überraschendes.

Auf die Ergebnisse bzw. Untersuchungen zur inhaltlichen Arbeit bin ich gespannt. Vielleicht lassen daraus hilfreiche Erkenntnisse gewinnen.

Natürlich gibt es sicher auch viel in der praktischen Arbeit der Einrichtungen (bzw. Kollegen/innen) zu verändern und zu verbessern. Aus meiner Arbeit stelle ich inzwischen als ein wesentliches "Problem" fest, dass sich dazu die Offenheit und Bereitschaft der Beschäftigten in den letzten Jahren deutlich verringert hat. Gerade ehemals aktive Kollegen/innen ziehen sich mehr und mehr zurück; auch die Fortbildungsbereitschaft z.B. sinkt. Eine Tendenz die mir auch andere Fachberater/innen immer häufiger für ihren Zuständigkeitsbereich bestätigen (sie ist übrigens auch unter den Fachberater/innen selbst anzutreffen). Man könnte fast von einem Trend zum resignativen Rückzug hinter die Gruppentür sprechen.

Diese Entwicklung haben zwei Erfahrungen in den letzten Jahren m.E. wenn nicht hervorgebracht so zumindest begünstigt: zum einen die sog. "Qualitätsdebatte" die vielerorts nur Vorwand oder Mittel der Verantwortlichen/Träger zur Kostenreduzierung war und ist, zum anderen die Debatte über die Arbeit der Kindergärten, statt mit ihnen. Auch notwendige Veränderungen oder Verbesserungen lassen sich nicht ohne oder gar gegen die Beschäftigten erreichen.

Diese veränderte Situation sollte m.E. auch bei der nun kommenden Debatte über "Baby-PISA" berücksichtigt werden. Das weitere einprügeln auf die "unfähigen Erzieher/innen", das "niedrige Niveau der Elemenarbildung", auf "pädgogische Unfähigkeiten" u.dgl. wird uns keinen Deut' nutzen oder weiterbringen. Jede Pflanze, jeder Mensch braucht zum wachsen Pflege. Wer sind eigentlich die "Pfleger/innen" der Kindergärten?

In einer Atmosphäre des Duckmäusertums, des inneren Rückzugs, der resignativen Anpassung - oder auch der Überforderung, der Berufs- und Fortbildungsmüdigkeit, des Nicht-Ernst-genommen-werdens, des über-die-Köpfe-entscheidens - werden sich auch die Entwicklungschancen der Kinder weiter verschlechtern. Sie hat Auswirkungen auf Erziehung und Beziehung. Vielleicht nicht auf messbare Wissensergebnisse (auch Drillschulen vermitteln PISA-Wissen), aber auf unser ganzes zukünftiges Gesellschaftsklima.

Viele Grüße!
Gerd
 
A
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #17
moin
o.k. holger sei dir verziehen, kann ja mal passieren.
ich hoffe ela hat ordentlich mit dir gemeckert.
 
A
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #18
Hallo zusammen,

aufgrund einer unschönen weitergehenden Diskussion habe ich einige Beiträge abgetrennt. Bitte bleibt sachlich und beim Thema.

Gruß Admin Susi
 
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Björn
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #19
Servus, :guten tag:

Mal im ernst, wir diskutieren hier über Männer in den Kindergarten, Bastelanleitungen und Medien. Das halte ich immer mehr für unsinnig. Es müssen die Bedingungen entsprechend geändert werden. Da hilft es nichts markschreierisch zu agieren. Hier helfen nur Fakten und das ist ja nun mal nicht gerade des Pädagogen liebstes Kind, der sich im allgemeinen lieber auf seinen Bauch verlässt.
Zu diesem Absatz von Holger muss ich doch noch etwas sagen:

Es wird sicherlich vieles im Kontext zur Bildungsreform und -strukturen diskutiert aber wer entscheidet letztendlich was von Belang ist und was nicht?
Sicherlich legt jeder seine eigene Gewichtung auf ein Thema, dennoch...das eine kann nicht ohn das andere.
Das Fakten - was auch immer für Fakten Du konkretisieren möchtest, Holger - nicht das liebste Kind des Pädagogen sind, sei mal so dahin gestellt, ebenso das Agieren nach dem "Bauchgefühl".
Das ist eine reine Interpretationsaussage und dazu eine Pauschalisierung die weder von Nutzen ist, noch die allgemeine Diskussion um PISA konkretisiert.

Eines sollte klar sein, die Diskussion über "PISA und danach..." sollte in Zusammenarbeit mit jedem zuständigen Fachbereich diskutuert werden.

Ich kann auf der anderen Seite Holges argumente sehr gut verstehen und nachvollziehen, würd emich aber freuen wenn es konkrete Vorschläge gäbe, wie sich die "Pädagogen" für Fakten greifbar machen könnten.

Viele Grüße,
Björn
 
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Anonymous
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Jetzt geht Pisa erst richtig los Beitrag #20
Hallo Björn,

als erstes ist das keine pauschale Aussage sondern eine Tatsache in deutschen Kindergärten. ErzieherInnen wurden jahrzehntelang nicht logisch ausgebildet sondern kreativ. Diese Kreativität ist grundsätzlich nicht falsch. Sie verhindert aber ein planvolles agieren. Erst seit den 90iger Jahren (oder besser seit dem Fall der Mauer) gibt es ein strukturiertes Leben im Kindergarten. Dieses strukturierte ist nicht mit dem organisierten Leben zu verwechseln in dem Westdeutsche Mitmenschen schon immer spitze waren.

Jetzt konkret. Ich habe sehr viel Respekt vor Menschen die Aktionen durchführen und sich engagieren. Die Frage die sich immer gestellt werden muss ist, warum machen sie das. Zu welchem Ruhm. Lass uns mal konkret über die Jungenarbeit nachdenken. Da hängen wir ja bei drinnen.
Ist es wirklich zum Wohl von Jungen das wir was wir tun oder getan haben? Was bewirken wir? Werden unsere Kinder dadurch intelligenter?
Björn, Bildung und Erziehung kann genau so gut von Frauen im Kindergarten durchgeführt werden. Eine emanzipatorische Diskussion seitens der Männer ist da wirklich nicht nötig. Nein, das ist ein Kleinkrieg. Ihr habt das, dann will ich das auch. Diese Energien gehören anders verteilt. Es muss selbstverständlich werden. Das tagtägliche Handeln von Männern und Frauen muss durchdacht werden.

Konzeptionen müssen nicht dem Kindergarten und deren Mitarbeiter angepasst werden sondern den Gemeinden und dem Lebensumfeld. ErzieherInnen müssen aufstehen und sagen was sie begehren. Wo sind sie???? Wir haben Gerd, Claudia, Dich, und noch einige andere. Das sind ErzieherInnen die aufstehen und sagen was sie brauchen. Aber anstatt gemeinsam aufzustehen machen sie eine Laola und lassen sich von fremden Professionen ihren Bedarf diktieren. Ich bin Kinderpfleger aber in erster Linie Soz. Päd , mir liegt die Bildung und Erziehung sehr am Herzen. Es wäre aber fatal wenn ich einen solche Aufstand anzettel. Doch die Unterstützung die ist der Berufsgruppe von mir immer gewiss.

Holger
 
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