Sonderbare Fachbücher gesucht!

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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #1
Weil der Zeitgeist manchmal sonderbare Blüten zeigt, suche ich Fachbücher, die ähnlich absurde, zum Nachdenken anregende Passagen enthalten wie das folgende, dass ich meiner 87jährigen Nachbarin einmal zum Lesen gegeben habe.
Meine Nachbarin (eine beeindruckende Persönlichkeit) war im Krieg Erzieherin und interessiert sich sehr dafür, wie heute in Kindergärten gearbeitet wird.

Als ich ihr "Soziale Kompetenzen gezielt fördern", ein von drei Psychologinnen! geschriebenes Fachbuch aus dem Jahr 2007, Auer Verlag, gezeigt habe, war sie regelrecht erschüttert, über das, was dort auf Seite 88 zur Nachahmung empfohlen wurde.

Ich zitiere der Kürze wegen ausschnitthaft, aber nicht sinnentstellend:

"Erzieherin: "Schaut mal, da kommt ein Affe!" Den Stoffaffen in die Hand nehmen und Weinen imitieren. "Was denkt ihr denn, wie sich der Affe fühlt?". Die Kinder antworten lassen und wenn keine Antwort kommt: "Der Affe ist TRAURIG" der Affe weint!"

Neben der Textpassage ein Smilie mit Flunschmund und einer Riesenträne! - Anscheinend ging Diplompsychologin Kerstin Klauß, die das Buch illustriert hat, davon aus, dass wir Erzieherinnen in Fachbüchern unbedingt plakativ-überdeutliche Bildchen brauchen würden.

"Woran kann man erkennen, dass jemand traurig ist?" Antworten der Kinder sammeln und ergänzen:
"Du kannst es an der Mimik und der Körperhaltung sehen." (Erzieherin macht ein trauriges Gesicht und läßt Kopf und Arme hängen -> Kinder machen die Erzieherin nach.)
"Du kannst es manchmal hören, am Weinen, Schluchzen." (Erzieherinnen schluchzt -> Kinder machen es nach.)


"Aber das kann man doch nicht machen! Das kann man unmöglich machen! - Also ich begreife es nicht. Das kann doch nicht ernst sein..." - Meine Nachbarin war wirklich erschüttert. Sie meinte auch noch: Die Kinder wissen doch gar nicht was "Mimik" heißt. - Und das brauchen sie in dem Alter auch noch nicht zu wissen. Sie sprach dann davon, was sie, die im Krieg keine Ausbildung gemacht hat, sich alles selbst hat einfallen lassen. - Es hat mir alles besser gefallen als die Anregungen der drei Diplömpsychologinnen.

Bitte, bitte findet es auch schrecklich, dass Kinder zum Nachäffen angehalten werden sollen. Wenn sich Erwachsene selbst zum Affen machen wollen - okay. Die Freiheit sollen sie haben. Aber bitte, bitte keine Kinder so animieren.

Ich weiß, dass es nicht nett ist, so wie ich es getan habe, über das ehrlich gemeinte Bemühen eines anderen Menschen herzuziehen. Aber ich finde es einfach ekelhaft, wenn Menschen mit Diplom oder Doktortitel titelfreien Wesen wie Kindern und Erzieherinnen derart groteske Mätzchen zumuten wollen.

Auf die Frage, was sie denn im Kindergarten gespielt haben, sollen Kinder nicht sagen müssen "Wir haben heute Gefühle gespielt. Und dann haben wir noch Wutbilder gemalt und ein bisschen Dschungelboxen geübt." - Die "Duellanten" dürfen sich nach einer Anregung auf Seite 95 stumm wie die Fische "nach Herzenslust beschimpfen" und sie dürfen "einander wie kleine Affen hauen oder boxen, jedoch ohne den anderen zu berühren."

Ich freue mich, wenn mir Bücher genannt werden, die mir Anregungen zum Schreiben satirischer Kurzprosa geben. Es geht mir nicht darum, Erzieherinnen oder einzelne Autoren schlecht zu machen. Ich möchte nur Trends aufspüren und mir meine eigenen Gedanken dazu machen. Aus finanziellen Gründen kann ich es mir natürlich nicht leisten, jede Menge Fachbücher zu kaufen. - Und außerdem interessiert es mich, welche Art von Büchern Euch gefällt und nicht gefällt!

Freundliche Grüße

amaria
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #2
Hallo!
Ich finde das Beispiel zwar etwas unglücklich formuliert, aber doch nicht grotesk und übertrieben. Leider ist es so, dass sich offenbar die Erzieherinnen immer noch wünschen, Bücher zu bekommen, die jeden Schritt genau beschreiben. Als Autorin habe ich meine Probleme damit - ich denke ja auch, das ist doch selbstverständlich, das muss ich nicht genau erklären. Aber leider kommen genau dann Rückmeldungen, dass die Erklärung der Schritte fehlt.
So sehe ich das Beispiel zwar als übertrieben an, aber nicht als falsch. Sicher braucht kein Kleinkind wissen, was Mimik ist, das ist schlecht formuliert. Ich würde auch eher schreiben: Regen Sie die Kinder an, zu erzählen, wie sich Traurigsein anfühlt, woran man es merkt ...
So aus dem Zusammenhang gerissen, ist es natürlich auch schwer zu beurteilen. Wer weiß, was vorher und nachher steht..

Achja, du solltest noch das Buch genau nennen, also die Quelle angeben, schließlich zitierst du wörtlich (Urheberrecht).
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #3
Danke für den ersten Beitrag! Ich habe die Angaben nicht vollständig eingereicht, weil anhand der bereits genannten, jeder mühelos den Namen des Verlags und der Autorinnen herausfinden konnte. Sorry!

Titel: Soziale Kompetenzen gezielt fördern
Erscheinungsjahr : 1. Auflage 2007
Autorinnen: Kerstin Klauß, Meike Laux, Silke Hertel
Verlag: Auer Verlag GmbH, Donauwörth
ISBN: 978-3-403-04836-7

Vielleicht mögen sich ja auch mal Erzieherinnen, die was anderes als zu knappe Anweisungen zu bemängeln haben, an Verlage wenden...

amaria
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #4
Zitat von amaria:
Vielleicht mögen sich ja auch mal Erzieherinnen, die was anderes als zu knappe Anweisungen zu bemängeln haben, an Verlage wenden...
Das tun sie! Und glücklicherweise haben die meisten Verlage Berater aus der Praxis oder/und Lektoren, die selbst aus dem Bereich kommen. So sollten die Bücher zumindest einem Teil der Erzieherinnen entsprechen. Natürlich muss man davon ausgehen, dass jeder andere Vorstellungen hat, wie z. B. praktische Anleitungen geschrieben werden sollten.
Vielleicht wäre das ein neues Thema: Wie wünscht ihr euch die Fach-/Praxisbücher?
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #5
Hallo Angela,

ich finde es schade, dass niemand anders Deine Anregung aufgegriffen hat, einen Thread über Wünsche und Erwartungen an Fachbücher zu eröffnen. - Mich interessiert das Thema auf jeden Fall, aber da momentan im Forum eher wenig los ist, ist es vielleicht sinnvoll, ein derartiges Thema erst zeitnah vor der Frankfurter Buchmesse oder der nächsten didacta einzuführen.

Aufgefallen ist mir, dass insbesondere Kinderpflegerinnen ihre Arbeiten für die Schule gern mit netten Illustrationen oder Klebebildchen schmücken. Einer meiner alten Fachlehrer sagt zwar jedes Jahr, dafür könne niemand bessere Noten erwarten, die Damen könnten sich die Mühe sparen - aber sie tun es nicht, weil sie eben ihren persönlichen Geschmack zum Ausdruck bringen möchten. Und da Auszubildende eine wichtige Zielgruppe sind, richten sich die Verlage eben danach. (Stöhn! Demnächst müssten dann auch "endlich" Glitter und Difraktionsfoliendrucke unsere Fachbücher zieren...)

Die Vorstellung, dass eine Erzieherin wie im obigen Beispiel Kinder in einer Gruppe zum nachäffenden (oder sollte ich besser zum "empathischen" Schluchzen sagen?) anhält, finde ich nach wie vor megapeinlich und fühle mich darin immerhin von Kindern bestärkt. Ein Zehnjähriger meinte: Eh, geile Idee! Aber Du bringst das denen (gemeint waren die Kinder) anders bei. Immer wenn sie sich freuen, sollen sie dann irre laut schluchzen." Die Vorstellung hat uns dann erheitert.
Aber ein schaler Nachgeschmack überwiegt bei mir angesichts der Vorstellung, dass Erzieherinner Kinder wegen derartiger "Förderungen", die in meinen Augen bloß Mätzchen sind, vom freien Spiel und/oder von intelligenten Aktivitäten abhalten.

Wenn ich mal wieder etwas mehr Bestätigung brauchen sollte, werde ich mir suspekt erscheinende Fachbücher wohl am besten Jungs ab zehn präsentieren. Sie können geistreich lästern und wenn ich ihnen zuhöre, kann ich immer besser nachvollziehen, warum die Kindergartenpädagogik für einen beachtlichen Teil der Jungen und Männer so abschreckend ist, dass sie lieber in Heimen arbeiten - oder gar nicht erst den Erzieherberuf lernen wollen.

amaria
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #6
Lustig, lustig!

Damit "Sozial Kompetenzen gezielt fördern" hier nicht ausschließlich bekrittelt wird, stelle ich nun etwas zu der 2003 erschienenen Arbeitsmappe "Sprachförderung: Die Fitnessprobe" ein, zu der noch einiges in der Rubrik "Flohmarkt" zu lesen ist... (Ich sammele sonderbare "Fachbücher")

Unter der Überschrift "Der feuerrote Wasserball" gibt Professor Dr. Herbert Günther auf Seite 67 seines hochgelobten Werkes konkrete Anweisungen: "Die Kinder sitzen im Stuhlkreis. Die Erzieherin/Lehrerin sagt: "Heute erzähle ich euch eine Geschichte vom feuerroten Wasserball!"

Aus dem grau umrandeten Kasten zitiere ich zusammenhängend, verzichte aber auf die Wiedergabe des Anfangs.

"... Da kommt plötzlich ein Windstoß und rollt den Wasserball in den See. Dort schwimmt er lustig auf den Wellen. Einige Fische kommen an die Wasseroberfläche und stupsen ihn hin und her.
Nun kehrt Stefan mit seinen Eltern zurück. "Schau!" ruft Stefans Vater "dort tanzt dein Wasserball!" Schnell schwimmt der Vater hin und bringt dem glücklichen Stefan seinen Ball zurück, mit dem er nun wieder lustig weiter spielen kann."

Ist das lustig? Könnte man(n) da vielleicht einen feuerroten Kopf bekommen?

Mal ganz nüchtern:
Ein Ball kann sich weder lustig fühlen noch lustig schwimmen. (Man könnte es allenfalls lustig finden, dass er schwimmt.)
Fische kommen nicht an, um einen Ball hin und her zu stupsen.
Und wie peinlich wäre wohl für einen Jungen, wenn ein lyrisch begnadeter Vater zu ihm sagen würde: "Schau! Dort tanzt dein Wasserball!" ?

Wenn ich bedenke, wie kritisch wirklich gute Fachlehrer bei Hospitationen sein können, stelle ich mir die Frage, welche Note Professor Dr. Herbert Günther heute für ein entsprechendes sprachförderndes Angebot bekommen würde?

Ich tippe mal auf "Ausreichend plus".

amaria
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #7
Danke, ihr Schafe

"Bildung von Anfang an - Kinder von 3 bis 6" steht rechts oben auf dem Deckblatt des Aktivitätenhefts für die frühkindliche Bildung, doch der Verlag wirbt mit dem Abbild eines erheblich jüngeren Mädchens für "Kleider und Stoffe" von Hilary White. Nettes Foto, denke ich und sinne darüber nach, warum eine blonde Kleine mit flusigen Löckchen es auf das Cover eines Titels vom "Bildungsverlag EINS" geschafft hat. Warum nur hat sich der Verlag diesen Namen gegeben? Will er sich selbst die Spitzennote EINS geben? Oder glaubten die für die für die Namensgebung Verantwortlichen ihr Verlag sei der erste Verlag, der sich hinreichend mit Bildung beschäftige?

Während des Anprüfens stelle ich fest, dass in "Kleider und Stoffe" zwar zahlreiche Ideen zusammengetragen sind, aber die, die mich ansprechen kenne ich längst und die die mir fremd sind, überzeugen mich nicht. Auch Stil und formale Gestaltung missfallen mir, weil ich mich ungern im von der Autorin auffallend oft gewählten Imperativ ansprechen lasse. Zur Gliederung der Kurzkapitel in denen einzelne Aspekte berücksichtigt und ansonsten die "Bildung" der Kinder nach ernüchternd konventionellen Kriterien abgehandelt wird: "Zur Vorbereitung", "Das tun Sie", "Weiterführende Ideen" und "Zeig mal!" lauten die farbig hervorgehobenen Überschriften, unter denen zum Teil überdeutliche Anweisungen stehen, wie: "Suchen Sie sich einen großen geflochtenen Picknickkorb mit Innenfutter." (Seite 27 unter der Überschrift "Kistenspaß") Oder auf Seite 63 unter "Das tun Sie":

"1) Besprechen Sie die verschiedenen Schritte während der Wolleherstellung. Beginnen Sie mit dem Schaf. Erklären Sie, wie Rohwolle vom Rücken der Schafe geschoren wird. Betonen Sie, dass die Schur den Schafen nicht wehtut."

Warum will die Autorin, dass die Erzieherinnen erklären, dass die Schur den Schafen nicht wehtue? - Schafe lieben es keineswegs, für die Schur auf den Hintern gesetzt zu werden. Da sie sich oft gegen die Prozedur sträuben, sind Verletzungen während der Schur nicht alltäglich. Jod zum Desinfizieren der Wunden steht jedenfalls bei der Schur einer Herde stets griffbereit. - Doch wenn ein Kapitel augerechnet mit der Überschrift "Danke, ihr Schafe" überschrieben ist, verlangt ein Heile-Welt-Konzept", die Realität zu beschönigen. Auch die Illustrationen in den rosafarbenen Kästen kommen wenig zeitgemäß daher. Mutterschaf und Lämmer sind auf Seite 62 noch in Stacheldraht eingezäunt, obwohl der kaum noch verwandt wird. Um ein Entkommen der Lämmer zu verhindern, hätten Schafhalter im unteren Bereich zumindest noch einen Maschendraht gespannt, den die idyllische Illustration nicht zeigt.

Danke, ihr Schafe - Dass eine derartige Kapitelüberschrift Eingang in eine Publikation eines relativ jungen Verlages gefunden hat, verdeutlicht, wie sehr unsere Fachliteratur über Jahrzehnte von Unsachlichkeit und lyrischen Entgleisungen geprägt wurde. Wenn Kinder ganzheitlich gebildet werden sollen, wäre es eigentlich eine Selbstverständlichkeit gewesen, Kindern zu erklären, dass Zuchtschafe mindestens ein Mal im Jahr geschoren werden müssem, ob sie wollen oder nicht. Und in dem Zweikampf zwischen Mensch und Tier hat der Schafscherer den schlechtesten Part, denn ein Schaf ist nach spätestens zehn Minuten fertig, der Schafscherer aber kann über Stunden körperliche Schwerarbeit leisten.

"1.Sprechen Sie über jedes Kleidungsstück und verknüpfen Sie die Kleidung mit den Erinnerungen der Kinder Bitten Sie ein Kind, ein Kleidungsstück aus dem Korb auszusuchen. Überlegen Sie mit der Gruppe, ob es in den Koffer für heißes oder kaltes Wetter gehört." (Seite 25)

oder

"3. Denken Sie sich mit den Kindern zusammen einige Rollenspielaktivitäten aus, die zu den verschiedenen Schuhen passen. Lassen Sie eines der Kinder die Gummischuhe oder Ballettschuhe anziehen und so tun, als platsche es durch eine Pfütze oder tanze auf den Zehenspitzen." (Seite 43 unter der Überschrift "Das tun Sie")

Warum wird so etwas gedruckt? - Erst sollen Kinder mit Gummistiefeln so tun als ob... Und nach diversen anderen Animationen heißt es auf Seite 57 unter dem obligatorischen "Das tun Sie":

1. Stellen Sie die große Plastikschale und die gefüllte Gießkanne an einer freien Stelle auf (am besten im Freien) und bitten Sie einen Freiwilligen, sich die Gummistiefel und den Regenmantel aus Kunststoff anzuziehen. Das Kind stellt sich in die Plastiokschale, während sie einem anderen Kind helfen, vorsichtig Wasser aus der Gießkanne über den Regenmantel zu gießen.

2. Lassen Sie die Kinder kommentieren,...

3. Bitten Sie ein zweites Kind, sich mit aufgespanntem Regenschirm in die Plastikschale zu stellen. Gießen Sie ein wenig Wasser darauf...

4. Wenn die Kinder das Wort "wasserdicht" nicht von selbst benutzen, flechten Sie es in Ihre Bemerkungen ein.

5. Bitten Sie die Kinder, den Regenmantel, die Gummistiefel und den Schirm mit einem Handtuch trocken zu reiben. Lassen sie sich gut abtrocknen?

6. Gießen Sie versuchsweise Wasser auf Sachen, die nicht wasserdicht sind, z. B. auf ein T-Shirt. Verrgleichen Sie das T-Shirt mit dem Regenmantel."

__________________________________________________________

Tolle Kindheit! Erst sollen die Opfer der Bildungspläne mit Gummistiefeln durchs Trockene hüpfen und irgendwann werden die Kleinen gemäß Anleitung aus dem Bildungsverlag EINS bildungsfördernd begossen, auf dass sie klug werden... ?
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #8
Vom Kleinsein zum Einstein

"Vom Kleinsein zum Einstein"

Spricht dieser Titel mehr die Emotionen oder den Verstand an? Meine erste Reaktion war emotionaler Natur. Ich empfand Ekel, habe voller Skepsis den Untertitel der Reihe gelesen: Offensive Bildung. - Wieviel freundlicher klingt doch ein Titel wie der von Freya Pausewangs bewährtem Fachbuch: "Dem Spielen Raum geben." Dem Spielen ist Raum zu geben, weil es wichtig für das Kind ist. - Wer könnte dem nicht zustimmen? - Diejenigen, die vielleicht wie die grauen Herren Michael Endes anderen Zeit stehlen wollen?

Im zweiseitigen Inhaltsverzeichnis des von Sabina Pauen und Viktoria Herber herausgegebenen und 2009 bei Cornelsen erschienenen Buchs tauchen Begriffe wie "Spiel" oder "spielerisch" schon mal nicht auf. (Ich belasse es, alle unflätigen Wörter, die mir mühelos einfallen, in meinem "passiven Wortschatz" zurückzuhalten und lasse das VORWORT einfach auf mich wirken, denn erschüttern kann mich auf dem Gebiet pädagogischer Fachbücher so leicht nichts mehr.

Ich zitiere vollständig, was auf Seite 7 wiedergegeben wird:

"Zukunftsorientierte Unternehmenspolitik heißt für BASF auch, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. "Mit uns gewinnt die Region!" - dieses Motto steht seit fast vier Jahren für das gesellschaftliche Engagement der BASF in der Metropolregion Rhein-Neckar. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich Bildung. Hierbei ist Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor: Was heute in Bildung investiert wird, zahlt sich langfristig aus. Wir wissen, dass Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren besonders aufnahmefähig sind, hier werden die Grundlagen für die späteren Lernerfolge geschaffen. Daher liegt uns die Förderung der Kleinsten besonders am Herzen.

Im Jahr 2005 haben wir gemeinsam mit dem städtischen Träger, den evangelischen und katholischen Trägerorganisationen die Offensive Bildung gestartet. Die in Deutschland einzigartige Initiative steht seit dem Jahr 2008 unter der Schirmherrschaft der Deutschen Unesco-Kommission e.V. Heute können wir stolz auf erfolgreiche Projekte der Offensive Bildung und viele schöne Erlebnisse mit Kindern, Eltern, Erzieher/innen blicken, die wir mit Ihnen teilen möchten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine interessante und anregende Lektüre."

"Mit den besten Grüßen" hat Hans-Carsten Hansen, Personalchef BASF, unterzeichnet

Es gelingt mir nicht, ihn mir vorzustellen, mit dem Wohl der Kleinsten am Herzen.

Und nun zum zweiten Vorwort, verfasst von den Herausgeberinnen für die Trägerorganisationenen. Auch hier wurden Begriffe wie "Spiel" und "spielerisch" konsequent gemieden, obwohl sie zu "Kleinsein", dem ersten Hauptwort des Titels doch prima gepasst hätten, oder?
Stattdessen taucht auf Seite 9 die "frühkindliche Förderung" auf und ich stelle mir die Frage, ob man das Spiel durch sie ersetzen will? Wegen der Nachhaltigkeit, die - siehe oben - ein entscheidender Faktor ist...

Hat jemand bereits "Vom Kleinsein zum Einstein" gelesen und kann angeben, ob - und wenn ja, an welchen Stellen vom Spiel der Kinder die Rede ist? - Beim Blättern wurde mir ganz schummrig vor der offensiv propagierten "Bildung" und "Förderung". - Ich habe leider jedoch keine Stelle gefunden, an der vorbildhaft aufgezeigt wurde, wie Einstein als Kind gespielt hat. Aber es müsste doch wenigstens ein bisschen dazu drin stehen, oder? Oder hat Einstein als Kind den ganzen Tag eifrig lernend Genie gespielt, um die Grundlagen seiner späteren Lernerfolge zu schaffen? Zu irgendwelchen Rauf- und Rollenspielen muss das Genie doch Lust gehabt haben? Wo er doch als Erwachsener ungeniert seine Zunge rausstrecken konnte, der alte Schlingel!

Das Wort "Spiel" kommt in dem Buch bestimmt vor! Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Aber wo mag es wohl versteckt sein?

Also, wer Zeit und Lust hat, bitte nach Fundstellen für "Spiel" oder "spielen" suchen! Bitte! Allerdings "Beispiel" gilt nicht. (Auf Seite 163 f. habe ich bereits unter der Überschrift "Kinder gestalten ihre eigene Lernumgebung - Eis oder Glas?" ein Beispiel für einen gestelzten, unkindlich konstruierten Dialog gefunden.

amaria
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #9
Im Mittelteil von "Vom Kleinsein zum Einstein" bin ich wiederholt fündig geworden: "Spielsteine, spannendes Spiel, spielerischer Umgang, Kaufladen-Spiel", aber auch nur - "eine Rolle spielen". Ich habe festgestellt, dass ich das nach meiner Wahrnehmung erste "spielerisch" auf Seite 11 unten wiederholt übersehen habe. "Es (das abstrahierende Denken) kann im Umgang mit Zahlen und Experimenten spielerisch geübt werden, und stellt eine Schlüsselkompetenz für die gedankliche Auseinandersetzung mit der Umwelt dar."

Es war nicht einfach beim flotten Überfliegen des Textes "Spiel" und "spielerisch" rauszufiltern, wenn man wie ich fast allergisch auf die diversen "Kompetenzen", Kernkompetenzen und Schlüsselkompetenzen reagiert und wegen des - bei mir der Kategorie "Bildungsterror" zugeordneten umfangreichen Fachvokabulars das Wörtchen "Spiel" in Kombination mit "Frühförderung" oder anderen Fachbegriffen schneller überlesen wird. Sätze wie auf Seite 60 >Der Aufbau einer spielerisch-optimistischen Grundeinstellung im Sinne von "Das kann ich schon" und "Das kann ich noch nicht, aber das werde ich noch hinkriegen" ist von zentraler Bedeutung< sind für mich weit entfernt von einer mir wünschenswert erscheinenden Gelassenheit gegenüber den Ansprüchen einer Leistungsgesellschaft. Da ich Kindern zutraue, dass sie im Freispiel, fernab der Nähe zu an ihrer Bildung interessierten Erwachsenen eine Menge lernen können, finde ich es nicht schlimm, wenn Kinder ihre geistigen Potentiale nicht voll im Sinne ihrer Erziehenden ausschöpfen. Wer hat das je getan? Wozu genau das denken, sich genau in die Richtung begeben, dort hin trotte(l)n, wohin man geschickt wird?

Sorry, ich mag Sätze wie den folgenden nicht: "Sie müssen wissen, wie sie die Zone der proximalen Entwicklung optimal gestalten können, so dass es dem Kind gelingt, seinen nächsten Entwicklungsschritt selbst zu tun." (Seite 104, unten)

Mir wäre es lieber, es würden weniger "Bildungsoffensiven" gestartet und ich frage mich, wann Erzieherinnen es schaffen, ein paar große Entwicklungsschritte Abstand zu den Auswüchsen unserer verkrampft um intelligenteren und leistungsfähigeren Nachwuchs bemühten Kindergartenpädagogik zu gewinnen?

Mein Respekt vor den Kindergärtnerinnen vergangener Tage, die noch nicht mal alle eine Ausbildung hatten und die sich alles selbst ausdenken mussten, wächst. (Am zweiten Mai habe ich bereits das Unverständnis einer 87jährigen Dame (siehe oben) geschildert, die zwar weniger einstudiertes Fachwissen, aber dafür jede Menge eigene Gedanken im Kopf hatte - und immer noch hat!

Trotz allem: LESEN BILDET!

amaria
 
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Doku
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #10
Hi amaria,

da du doch auf der Suche nach "ungewöhnlichen" Fachbüchern bist, kann ich dir dieses "empfehlen" Das Schmusebuch-zärtliche Spiele für Babys, Kinder und Eltern.
Mir fiel es zufällig in die Hände (es gehört einer PeKiP Gruppenleitung). Sie setzt es aber nicht ein, da sie den Inhalt etwas "merkwürdig findet.

Liebe Grüße
:guten tag:
 
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Schnecki74
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #11
Re: Lustig, lustig!

Zitat von amaria:
Aus dem grau umrandeten Kasten zitiere ich zusammenhängend, verzichte aber auf die Wiedergabe des Anfangs.

"... Da kommt plötzlich ein Windstoß und rollt den Wasserball in den See. Dort schwimmt er lustig auf den Wellen. Einige Fische kommen an die Wasseroberfläche und stupsen ihn hin und her.
Nun kehrt Stefan mit seinen Eltern zurück. "Schau!" ruft Stefans Vater "dort tanzt dein Wasserball!" Schnell schwimmt der Vater hin und bringt dem glücklichen Stefan seinen Ball zurück, mit dem er nun wieder lustig weiter spielen kann."

Ist das lustig? Könnte man(n) da vielleicht einen feuerroten Kopf bekommen?

Mal ganz nüchtern:
Ein Ball kann sich weder lustig fühlen noch lustig schwimmen. (Man könnte es allenfalls lustig finden, dass er schwimmt.)
Fische kommen nicht an, um einen Ball hin und her zu stupsen.
Und wie peinlich wäre wohl für einen Jungen, wenn ein lyrisch begnadeter Vater zu ihm sagen würde: "Schau! Dort tanzt dein Wasserball!" ?
Machst Du die Qualität des Buchs (welches ich nicht gelesen habe) nun an diesem Wort "lustig" (das man auch durch "fröhlich" ersetzen könnte) fest?

Ich finde es wichtig, dass man Inhalte von Fachbüchern nicht als "so ist es" hinnimmt, sondern sie grundsätzlich auch in einem gewissen Maß kritisch hinterfragt bzw. das für sich Wichtige herausfiltert.
Aber man kann auch jedes Wort auf die Goldwaage legen.

@ Amaria:
Hast Du schon Mal draüber nachgedacht ein Fachbuch zu schreiben?
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #12
Amaria hat bereits ein Buch geschrieben! 8)
 
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hat den Turnbeutel immer mit dabei
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #13
oh, ja? welches? und woher weißt du das?
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #14
Ich überlass es amaria inwieweit sie den Titel bekannt geben möchte. Es war doch aber kein allzu großes Geheimnis, amaria hat schon ab und zu erwähnt das sie Autorin ist.
 
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #15
Zuallererst einmal Dank an Doku dafür, dass sie das "Schmusebuch" genannt hat. Sobald ich vom Land in die City fahre, werde ich es mir ansehen. Ich bin schon ziemlich neugierig auf den Titel. - Ob da vermittelt wird, wie Kinder und Erwachsene "Schmusekompetenzen" entwickeln, von denen wir noch nichts ahnen?

Auf die andere Beiträge kann ich später ausführlicher eingehen und stelle erst mal die Frage, wie die ausgewählten Textpassagen auf Euch wirken?

@Schnecki: Es geht mir nicht darum, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Ich fand die gesamte Geschichte "Der feuerrote Wasserball" einfach miserabel. - Jungen, allerdings auch viele Mädchen, mögen meist wesentlich lieber Geschichten, wo Kinder sich selbst oder anderen helfen können. Stefan taugt als Identifikationsfigur für Kinder nicht allzu viel. Sein Vater ist der Aktive, er "sieht" den Ball, er "spricht" (auf eine potentiell abtörnende Weise!) und er "holt" den Ball. Stefan, der Junge wird wie die Prinzessin eines Märchens mit dem symbolisch wiedergewonnenen Schatz "beglückt".

Die Wirkung dieses Textes wird nicht bei allen die gleiche sein, allerdings gebe ich zu bedenken, dass erfolgreiche Kinderbuchautoren wie Heinrich Hannover oder Frederick Vahle, die im Literaturverzeichnis von Prof. Dr. Günther nicht auftauchen! - ihre Geschichten vollkommen anders angelegt haben und damit sehr viel Erfolg bei Kindern haben!
Leider wurde in der "Fitnessprobe" - man könnte es fast erraten! - nur "Der Regenbogenfisch" zum Einsatz in der Sprachförderung empfohlen. Um dem etwas entgegenzusetzen, weise ich nun auf "Das Pferd Huppdiwupp" von Hannover und auf "Fischbrötchen beim Frisör" von Vahle hin. Da in manchen Kitas zerfledderte Exemplare dieser beliebten Klassiker weggeworfen wurden, erinnert sich vielleicht jemand und bekommt Lust diese Titel nachzubestellen...

Ach ja, und eine letzte Frage: Würde jemand ein Fachbuch von mir wirklich lesen und sogar kaufen wollen? (Ich traue mir zwar manches zu, aber nicht etwas für einen unserer Fachbuchverlage zu schreiben.)

Freundliche Grüße an alle!

amaria
 
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Doku
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #16
Hi amaria,

bitte schön. Normalerweise bn ich ja sehr tolerant was Meinungen anderer angeht. Aber diese Spiele und Ideen haben mich doch zum Lachen gebracht.

Liebe Grüße
:guten tag:
 
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Dino
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #17
Würde jemand ein Fachbuch von mir wirklich lesen und sogar kaufen wollen?
Ja, warum nicht. In der Regel schaue ich nach Inhalt und Ausststuung wenn ich mich für ein Buch entscheide.

Ich traue mir zwar manches zu, aber nicht etwas für einen unserer Fachbuchverlage zu schreiben.
Warum?

Gruss Dino
 
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Pippin
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #18
moin,

ich war auf der Leipziger Buchmesse und habe Stunden bei den Kinderbüchern und den "Fachbüchern" aus dem pädagogischen Bereich zugebracht.
Mannonmann :wow: :wow:
Was mich erschreckt ist, das alltägliche Sachen plötzlich" pädagogisch" verpackt mit Schritt für Schrittanleitung auf Hochglanzpapier gedruckt auf den Markt geworfen werden.
Ein Buch buntrer als das andere.
Es ist schwer ein "Buch" zu schreiben mit Anleitungen. Bin selbst gerade dabei eine Konzeption und zwei Projekte schriftlich mit Anleitung und Arbeitsblättern auf das Papier zu bringen. Ich stelle fest, das ich selbst nur einen Rahmen brauche und ihn selbst zu einem Thema mit den iIndern zusammen füllen kann. Es ist sehr schwierig Schritt für Schritt vor zugehen, weil es für das Klientel, für das ich schreibe fast unmöglich ist.
Außerdem gibt es für mich nicht den breiten themenweg, es gibt kleine Seitengässchen, die den KIndern signalisieren, es ist wichtig, was Dich interessiert.

Ab wann lernt ein Kind?
Es wird die Sprache sprechen, die ich spreche
Es wird erst einmal das essen und trinken, was ich einkaufe und zubereite
Es lernt laufen, sprechen und das weder spielerisch, noch durch nachäffen (vielleicht hat der Autor ja absichtlich die Affenhandpuppe gewählt... :floet: ) oder durch Bücher mit Hunderttausend bis ins Detail beschreibenen Schritten.

Brauche ich immer "Platzhalter", um den Kindern etwas zu erklären oder kann ich nicht einfach eine aktuelle Situation thematisieren und mit den Kindern Gefühle besprechen?
Vielleicht besitze ich deshalb so wenige "Fachbücher", weil ich anders arbeite.
so spontan fällt mir kein <buch ein, aber ich halte meine <augen mal offen.
 
A
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #19
Hallo Pippin,

zur Leipziger Buchmesse habe ich es leider nicht geschafft. Ist Dir dort bei Beltz oder eventuell auch bei Cornelsen "Die Fitnessprobe" von Prof. Dr. Herbert Günther aufgefallen? Es handelt sich um einen großformatigen Ordner, zu dem es auch eine Geräusch-CD gibt..

Auf der Homepage von Günther ist nur die Erstauflage von 2003 mit einem Seitenumfang aufgeführt, der mit 184 Seiten angegeben wurde. Auch bei amazon ist keine Neuauflage zu bestellen und im Verzeichnis lieferbarer Bücher ist die überarbeitete Version, die ich auf der didacta selbst gesehen habe, nicht gemeldet. Sehr merkwürdig! Über die Fernleihe konnte ich die überarbeitete Version bislang nicht entleihen, obwohl sie eigentlich über die Fachhochschule Niederrhein und über die Universitätsbibliothek Dortmund zu erhalten sein sollte. - Die Bibliothekarin meinte, es sei unwahrscheinlich, dass gleich zwei Angestellte die gleichen Tippfehler gemacht hätten... Aber es wurden nur Auflagen von 2003 zugeschickt.

Vielleicht hat jemand die verbesserte Version der Fitnessprobe gesehen, in der "Das Telefonfräulein" plötzlich ausgestorben ist?
Laut meiner Bestellung muss es diese 2. Auflage der Fitnessprobe geben, 2009 erschienen und nur 138 Seiten umfassend.

Viel Erfolg für Dein Schreibprojekt! (Hast Du im Forum schon darüber berichtet? Es gibt wohl noch keinen Thread, wo Mitglieder über ihre frei- oder nebenberuflichen Tätigkeiten berichten, oder?) Auch sonst alles Gute!

amaria

@ Dino: Weil es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich für kritische Gedanken ein Verlag findet, der die Texte eines Autors sorgfältig lektorieren und veröffentlichen möchte, bleibe ich vorerst wohl bei der satirischen Kurzprosa. Vielleicht ist einigen aufgefallen, dass ich bislang nur Stellen aus Büchern von Verlagen zitiert habe, die auf dem Fachbuchsektor nicht den schlechtesten Ruf haben. Auch von anderen namhaften Verlagen habe ich noch Texte, in denen es von "Kompetenzen" und sonderbaren Anleitung nur so wimmelt. - Ich glaube, wenn ich über die mal abgelästert habe, bleibt mir nur noch BoD.
Interessant war es übrigens, wie Lektoren vor Jahren auf meine Vorschläge zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit der Kindergartenpädagogik reagiert haben: Mehr als einmal kam die BWLer-Mentalität durch: "Eltern wollen nicht hören, dass ihre Kinder nicht optimal untergebracht sind. Und Erzieherinnen wollen keine Kritik an ihrer Arbeit hören. - Für ein kritisches Buch in dem Bereich fehlt die Zielgruppe, Sie verstehen: Keine Zielgruppe - kein Buch!"
Lediglich ein Herr fand alles interessant, meinte jedoch man müsste richtig in die Viollen gehen: "So nach dem Motto: Schafft die Kindergärten ab!"

So übel allerdings finde ich den Alltag in ihnen nun auch wieder nicht. Viele Erzieherinnen arbeiten nämlich nicht nach effektiv fördernden Rezepten. Bislang habe ich noch keine Erzieherin oder Praktikantin mit Plüschaffen in der Haqnd vor den Kindern schluchzen sehen. - Aber wenn unsere "Fachliteratur" weiterhin als bildungsfördende Dauerberieselung auf Praktikantinnen einwirkt, wird es irgendwann zu immer peinlicheren Entwicklungen kommen. Davon bin ich überzeugt. Schon jetzt wird ja manches gnadenlos übertrieben.

Freundliche Grüße

amaria
 
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Doku
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Sonderbare Fachbücher gesucht! Beitrag #20
Hi,

na ja, die Verlage müssen eben überleben und müssen daran denken was sich verkaufen lässt. Guter Inhalt-keine Zielgruppe das können sich die wenigsten Verlage leisten. Ich musste da auch einige Kompromisse schließen. Man muss eben überlegen, ob man dann noch damit leben kann oder nicht. Da bleibt nur Bod und hoffen, dass es doch noch Leute gibt die ein kritisches Fachbuch gut finden und Kritik annehmen. Das ist aber schon schwer. Ich erinnere mich an meine Anfänge als Erzieherin, wo ich gelegentlich die Zähne zusammen beißen musste. :jaja:
Mitlerweile habe ich viel gelernt.

Liebe Grüße :guten tag:
 
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