unterforderte Vorschulkinder

    Diskutiere unterforderte Vorschulkinder im Ideenbörse Forum im Bereich Ideenaustausch und Anregungen für die Praxis; Hallo alle zu sammen! Wir haben mehrere Jungen im Vorschulalter im Kindergarten, die sich nur noch damit beschäftigen das Sofa als Trampolin zu...
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Morgaine
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unterforderte Vorschulkinder Beitrag #1
Hallo alle zu sammen!

Wir haben mehrere Jungen im Vorschulalter im Kindergarten, die sich nur noch damit beschäftigen das Sofa als Trampolin zu benutzen, im Flur hin und her zu rennen oder andere zu ärgern. Genügend Bewegungsfreiraum bekommen sie durch unser großes Außengelände und Bewegungsangebote. Ich suche ideen wie ich diese Kinder länger mit einer Sache beschäftigen kann. Sie bauen sehr sehr gerne und sind auch so motiviert bei Angeboten. Kennt ihr irgendwas besonderes?

Morgaine
 
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Re: unterforderte Vorschulkinder
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Anonymous
Gast
unterforderte Vorschulkinder Beitrag #2
Frage,

Hallo Morgain,

ich habe zwar keine direkte Ideen, habe aber eine Frage, rein interessenhalber. Sind diese Jungs sog. "Kann-Kinder" die nicht eingeschult wurden? Und wenn ja, aus welchen Grund? Würde mich sehr interessieren.

Olav
 
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Constanze
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unterforderte Vorschulkinder Beitrag #3
Weniger ist mehr

Hallo Morgaine!

So wie Du die Kinder beschreibst scheinen sie zwar nicht richtig ausgelastet zu sein, doch oft täuscht die. Wahrscheinlich sind diese Kinder ungeduldig, unkonzentriert, fangen Dinge an, die sie nicht fertig machen, nicht fahrig,... Dies ist oft ein Zeichen von Konzentrationsmangel, der nur durch eine bessere Körperwahrnehmung in den Griff zu bekommen ist.
Es ist leider weit verbreitet, diesen Kindern noch mehr und mehr an Angeboten, Spielen, Aufgaben zu geben, so dass sie völlig abgefüllt sind und noch weniger Ruhe finden. Ich würde Dir daher empfehlen ein paar ruhige Spiele, Phantasiereisen, Streichelgeschichten zu machenund besonders die Hautwahrnehmung zu stimulieren. Sicherlich wird dies am Anfang nicht so leicht, denn die Kinder kennen dies nicht und brauchen so eine gewissen Zeit, bi ssie das Angebot annehmen.
Ganz oft leider die Kinder an einer zu geringen Hautwahrnehmung. Dadurch spüren sie sich und ihre Umwelt noch weniger und erhalten auch nicht so intensive Reize wie andere. Deswegen sind sie nicht ausgelastet.
Man sagt ja auch immer, dass Kinder, die viele neue Eindrücke an einem tag hatte, nachts gut schlafen und schneller müde werden. Das ist bei diesen Jungs genau umgekehrt. dadurch , dass sie eben die Rieze nicht voll wahrnehmen, fehlen ihnen die Eindrücke für ihren Körper.

Ich hoffe das hilft Dir ein bisschen weiter. Vielleicht schaust Du Dir die Kinder unter diesem Gesichtspunkt noch mal genauer an. Es kann ja auch gut sein, dass ich falsch liege, denn ich kenne die Kinder nun überhaupt nicht.
 
H
Hexenmädchen
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unterforderte Vorschulkinder Beitrag #4
Hallo Morgaine,
das Problem mit den unterforderten Jungen kenne ich auch. Da die Jungs nicht so gerne am Tisch sitzen und malen oder basteln wie die Mädchen, toben sie halt gerne herum.
Ich habe damals mit den Jungen in meiner Gruppe viele verschiedene Sachen mit Holz gemacht. Nagelbilder, eine Murmelbahn oder auch aus Sperrholz Motive ausgesägt. Ist bei meinen "Kerlen" damals gut angekommen.

Kannst Du ja auch mal ausprobieren.

Viel Spass wünscht
Hexenmädchen

;-) ;-) ;-) ;-) ;-)
 
A
Anonymous
Gast
unterforderte Vorschulkinder Beitrag #5
Liebe Constanze

die von Dir gemachte Ausführung zur Ursache des Verhalten ist eine der Mögliche Ursachen. Was gerade bei Kinder die einfach unterfordert sind häufig attestiert wird, ist genau das was Du beschriebst. Später, manchmal dauert es Jahre und erst im Rahmen einer Therapie wird dies deutlich, stellt sich dann die wahre Urschache der Unterforderung und angebliche Konzentrationsmangel heraus: Diese Kinder sind weit überdurchschnittlich Intelligent. Ihr Verhalten kommt also nicht unbedingt vom "nicht ausgelastet" sein, sondern kann sehr wohl eine andere URsache haben.
Die wahre URsachen des Verhaltens herauszufinden bedarf eine genaue Beobachtung, möglichst unabhängig von verschiedene Leute durchgeführt, sowie ein Abgleich und intensive Gespräche mit Eltern. Wird dann z.B. festgestellt, dass es "zwei Kinder" zu geben scheint, nämlich das hibbelige, unkonzentrierte und ein hoch-konzentriertes durchaltefähiges Kind, verdichten sich die Hinweise auf eine Hochbegabung (HB). Da kann Sport zwar eine Herausforderung bilden, das was diese Kinder aber brauchen liegt auf andere Ebene.
Ein anderes Phänomen was Du ansprichst, nicht fertig machen von Aufgaben, bzw. alles nur einmal und dann ratz-fatz-fertig, kann ebenso auf HB deuten. HB-ler geht es oft darum, eine Technik, ein Prinzip zu verstehen, sobald das geschaft wurde, ist der Reiz vorbei, etwas neues muß herhalten. Dazu kommt, besonders bei eine asynchrone Entwicklung, dass manchmal der eigene Anspruch nicht genügt werden kann, weil die motorische Fähigekiten nicht ausreichend entwickelt sind (zwar physich-alters gemäß, jedoch nicht auf der für der Umsetzung des im Kopf befindlich notwendige Ebene). Dan lieber nichts machen, als etwas (in den eigenen Augen) ungenügendes, denn mit ein Rüffel wegen "untätigkeit" kommen diese Kinder besser zurecht (ist kalkulierbar) als mit dem eigenen Versagen (aus eigener Sicht)

Deswegen finde ich es äußerst wichtig, bevor man sich daran macht Lösungen zu suchen, ausführlich zu Beobachten. M.E. ist Beobachtung (systematisch, dokumentiert) in viele Kindergarten leider nicht üblich.

Ich sage nichts gegen Kinderturnen, sondern plädiere hier nur nachdrücklich für eine m.E. notwendige Differenzierung, die mir in Deinem beitrag (leider) etwas fehlte.

Olav

(NB: wir können uns zu diesem thema gerne inm anderen Forum weiter und ausfühlricher unterhalten. Würde mich freuen...)
 
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MichaelaF
Ich habe mich eingelebt!
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unterforderte Vorschulkinder Beitrag #6
Re: Frage,

Zitat von kater-ly-sator:
Hallo Morgain,

ich habe zwar keine direkte Ideen, habe aber eine Frage, rein interessenhalber. Sind diese Jungs sog. "Kann-Kinder" die nicht eingeschult wurden? Und wenn ja, aus welchen Grund? Würde mich sehr interessieren.

Olav
Hallo Olav,

ich habe ein "Kann -Kind" in meiner Einrichtung, das ist echt ein Knüller. Er liest sämtliche Worte die irgendwo draufstehen, löst Denksportaufgaben mit links und ist auch sonst immer "Wissensdustig", nur leider kommt er nur sehr schlecht mit den anderen Kindern zurecht. Auf Grund seine Sozialverhaltens wurde er von der Schule abgelehnt.
Wir sind eigentlich der Meinug das ein weiteres Jahr in der Einrichtung das nicht ändern wird, habne aber leider keine Möglichkeit an der Entscheidung der Schule etwas zu ändern.
Ich habe mir damals deine Beobachtungsbögen in Bezug auf dieses Kind mit in die Einrichtung genommen.
Nun meine Frage. Wie Aussagekräftig sind diese Bögen und welche Möglichkeiten haben wir wenn wir glauben das dieses Kind sehr intelligent ist?
Liebe Grüsse Michaela
 
A
Anonymous
Gast
unterforderte Vorschulkinder Beitrag #7
Kann-Kinder...

Hallo Manuela,

ich habe dir einen emil geschickt, um auf diesen besonderen fall einzugehen, will aber allgemein doch noch etwas sagen.

1) Beobachtungsmaterial:
Beobachtungsmaterial ist nur begrenzt aussage fähig, ebenso wie z.B. psychologische Tests muß man berücksichtigen dass eine Beobachtung nur eine Momentaufnahme des Kindes ist. Deswegen plädiere ich auch immer für mehrfach Beobachtung durch verschiedene Personen an Hand eine standarisierte Checklicste. Die Ergebnisse werden dann in eine Teamsitzung besprochen, evt. nimmt man noch eine einschätzungsbogen dazu, die auch die Eltern (unabhängig von einander) und/oder andere Bezugspersonen (Tagesmutter oder so) ausfüllen. Hieraus entsteht in ein Gespräch mit Eltern dann ein Gesamtbild,was auf mögliche URsachen des Verhaltens hinweisen geben kann.
Besonders das Argument des mangelnden Sozialverhaltens ist in den meisten Fälle absoluten Unsinn. Vergleichen wir ein extrem HB Kind mit den durchschnitt einer Gruppe, nehmen wir einmal an, altersdurchschnitt ca 4,3, und ein darauf bestimmte durchschnitts IQ, ergibt sich für ein HB Kind eine so astronomische Abweichung, dass es als Testergebnis absolut unglaubwürdig wäre. Um es deutlich zu machen: Gorillas sind eine Affengattung die ein sehr hohes Sozialverhalten vorzeigen. Aber nur unter deren gleichen. Setzt ein Mensch sich in so eine Gruppe hinein, muß er erstens einmal die Akzeptanz der Gruppe erlangen und zwar, indem er sein verhalten an der Gruppe anpasst. Schafft er das nicht (weil es ihm einfach zu blöd ist), wird er als unsozial eingestuft und abgewiesen. So ähnlich kann man die Situation für manche HB-ler beschreiben. gibt man diese dann die richtige Herausforderung im Kognitiven Bereich, ändert sich meistens auch das sozialverhalten.

2) Einschulung als Kann-Kind
Leider ist es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt, in Hessen aber ist es so, dass ein Kind seitens der Schule nicht abgelehnt werden kann, wenn die Eltern auf Einschulung bestehen. Manchmal wird es versucht, dann hilft aber häufig die bitte um "ein rechtsfähigen Bescheid" mit den sanften Hinweis, dass man evt. Klagen würde. Die meiste Ablehnungen erfolgen nämlich nur mündlich bzw. in ein echtlich absolut ungenügende schriftliche Form. Häufig fehlt die rechtsmittelbelehrung, wo beschrieben wird wie Eltern gegen eine Entscheidung Berufung einlegen können. Manchmal sogar eine Begründung bzw. den Hinweis aufgrund welche Gesetze und Verordnungen die Ablehnung stüzt. Hier würde ich die Eltern noch einmal anstoßen, u.U. auch über den Schulärztlichen Dienst und den Schulpsychologen vorgehen.
Abgesehen davon könnte es sinnvoll sein, das Kind in psychologische Betreuung zu bringen, liegt die Ursache des Verhaltens tatsächlich im Bereich HB, kann hier auch von fachkompetente Seite etwas unternommen werden. Kontakte für Eltern findet man bei der DGhK oder MENSA-Deutschland

3) nichts bieten können...
Ich finde es schön, dass ihr erkennt, dieses Kind eigentlich nichts bieten zu können. Die Frage die sich aber stellt (unweigerlich für mich) wäre, ob die Schule dazu in der Lage bzw. bereit wäre. Wird dieses Kind eingeschult, evt. sogar auf Anweisung des Schulamtes, hat dieses Kind wirklich verloren. Weder eine aufnehmende Lehrkraft, noch eine Schulleitung wäre bereit dieses Kind überhaupt etwas zu bieten "weil es ja eigentlich nicht hierher gehört..."
Es wäre also eine für mich logische Schlussfolgerung, wenn ihr euch als TEam da einig seid, zu schauen, welche Möglichkeiten dann für dieses Kind im Kiga geschaffen werden können. Sicherlich nicht die optimalste Lösung, jedoch immer noch besser gezioelt was tun im Kindergarten, als bewußt ausgegrenzt in der Schule.

Da ich auch als selbstständigen Berater für u.a. HB-Projekte tätig bin, kann ich anbieten im Norddeutschen Raum euch da praktisch zu unterstützen (kostet aber etwas) z.B. im Form einer Fortbildungsreihe (3 x 3 Stunden Vorort) wobei am Ende ein gezieltes Projekt für diese Kinder stehen sollte. Darauf könnt ihr mich auch gerne direkt ansprechen.

viele Grüße,

Olav

NACHTRAG:
Was ich noch sagen wollte: Ich finde es super wenn ihr in der Einrichtung erkennt, dass dieses Kind nicht einfach "Unsoziales VErhalten" vorzeigt, sondern auch über Ursachen nachdenkt, die nicht immer gesehen werden.
 
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Re: unterforderte Vorschulkinder
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