"verzwickte lage"

    Diskutiere "verzwickte lage" im OGS, Hort, Heim und Jugendarbeit Forum im Bereich Pädagogik - Arbeit mit Kindern; hi leute, zur zeit beschäftigt ein 11-jähriger junge meiner gruppe mich sehr. ich bin seid ein paar monaten in der einrichtung. anfangs hatte ich...
J
jennifer18
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"verzwickte lage" Beitrag #1
hi leute,

zur zeit beschäftigt ein 11-jähriger junge meiner gruppe mich sehr. ich bin seid ein paar monaten in der einrichtung. anfangs hatte ich schwierigkeiten mit dem kind bei den hausaufgaben. aber inzwisschen hat es sich SEHR gebessert.
DEr Junge ist sehr auf mcih bezogen, erzählt daheim sehr viel von mir, schenkt mir oft kleinigkeiten, sucht immer meine nähe, hilft mir wo er kann, ist einfach super lieb.
ich hab ihn auch sehr gern er ist mir richtig ans herz gewachsen und es tut mir fast weh wenn ich an seine vorgeschichte denke...
jedenfalls hatte er bei der scheidung seiner eltern ein Scheidungstrauma . Was ist das genau, wer weiß es?
Und was ist, wenn ich nach ein paar monaten nicht mehr in der einrichtung bin?
Dann verliert er schon wieder eine Bezugsperson?

Ich weiß auch nicht, ich möchte den kontakt nicht zu ihm kürzen oder so.
dennoch mache ich mir sorgen was los ist wenn ich auf einmal weg bin weil er sich immer mehr mir anvertraut und die beziehung festigt.

vielleicht bekomm cih ja ein paar ratschläge.
danke
 
A
Anonymous
Gast
"verzwickte lage" Beitrag #2
hallo jennifer18,
ich habe erst mal eini paar fragen, und dann schreibe ich dir meine gedanken dazu auf ...
bei deiner gruppe handelt es sich um eine hortgruppe, habe ich das richtig verstanden?
ist dein vertrag befristet?

es ist manchmal ganz schön schwierig in unserem beruf in bezug auf nähe und distanz die waage zu halten. und vor allem, wenn die kinder eine schwierige vorgeschichte mitbringen und eine bezugsperson suchen.

du bist erzieherin. es liegt bei dir, den kontakt zu diesem jungen auf einer professionellen ebene so zu gestalten, dass er in dir eine vertraute bezugsperson finden kann - dennoch muss es dem jungen klar sein, dass du erzieherin bist. das leben besteht (unter anderem) aus beziehungen, die sich entwickelt, die verwelken, zerbrechen, sich intensivieren ... alles ist im fluss. nichts ist und bleibt für immer so, wie es ist. du bist erzieherin und wirst in der gruppe nicht ewig bleiben, und der junge wird nicht ewig in dieser hortgruppe bleiben. aber du als erzieherin kannst ihn in seiner beziehungsfähigkeit ansatzweise so stärken, dass er das zu verstehen lernt und annehmen kann und vor allem: das positive daran sehen kann. was wäre das für ein leben, wenn alles so bleiben würde, wie es ist. außerdem hat jeder abschied einen neuanfang zur folge.

was ich im vorpraktikum schnell gelernt habe: jeder mensch ist ersetzbar. klingt hart, aber ist so: er findet andere bezugspersonen/bezugserzieher, wenn du mal nicht mehr da bist!

wenn dieses "scheidungstrauma" so massiv ist, dann sollte auch daran gedacht werden, dem jungen und seiner familie professionelle hilfe zur seite zu stellen.
 
S
Stana
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"verzwickte lage" Beitrag #3
Guten Morgen,
deine "Geschichte" erinnert mich sehr an mein Jahr im Heim. Dort war auch ein Junge (damals 15 JAhre), der mich, auch auf Grund vielen Personalwechsels, als Bezugsperson ausgewählt hat. Leider auch mit einer sehr schwierigen und verzwickten Vorgeschichte (mit Scheidung und Vormund und unterschiedliche Heime, dazu noch Sex. Übergriffe, etc.) :wow:
Ich hatte auch ein sehr gutes Verhältnis zu ihm, obwohl es nicht nur einfache Zeiten waren. Einmal musste ich ihn sogar von der Polizei abholen und ihn die Kinder- und Jugendpsychatrie bringen lassen, weil er erneut tätlich auf eine Erzieherin los gegangen ist. Dennoch hatten wir ein freundschaftliches und vertrautes Verhältnis. :troest:
Als ich gegangen bin war das ziemlich schwierig für ihn. Er hat noch Monate lang immer wieder bei mir daheim angerufen und mir von seinen Sorgen und Schwierigkeiten erzählt und mich um Rat gefragt. Aber wie Bolli schon sagte: Irgendwann kam der Tag, da hat er jmd. anderen gefunden. Und soweit ich weiß, hat er heute ( er müsste eigentlich bald 20 sein) soweit das ging auch seinen Weg gemacht.
Damit will ich dir einfach nur aufzeigen, dass alles weiter und damit auch seien Gang geht. vielleicht ist es für euch beide ja ein Prozess, indem ihr lernt loszulassen. Mir hat es damals auf jeden Fall was gebracht. Ich habe immer noch innige und vertrauensvolle Beziehungen zu meinen Kindern und Jugendlichen, aber ich häng nicht mehr so mein Herzblut rein, denn es stimmt schon, mit jedem Abschied beginnt was neues, aber man lässt trotzdem immer was zurück!
In diesem Sinne, schöne Ostern!
 
E
erzieher78
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"verzwickte lage" Beitrag #4
Hi,

was ist ein Scheidungstrauma... nichts anderes als ein Trauma welches durch eine Scheidung hervorgerufen wird, sprich ein großer seelischer Schock auf die Trennung. Mich würde jedoch was ganz anderes interessieren: Wer hat das diagnostiziert? Der Begriff "Scheidungstrauma" wird meines erachtens in den letzten Monaten en wenig zu überbewertet. wenn es psychiatrisch diagnostiziert ist, geht er dann in eine Scheidungskindergruppe oder eine Therapie? wie reagiert Ihr im Team professionell helfend darauf?

Was Du berichtest klingt für mich sehr nach einer Vermischung der Grenzen und dem "Helfersyndrommäßigen" Anspringen auf das Problem eines Kindes / Jugendlichen. Sorry das ich da so direkt bin, aber so sehe ich das. Die Beziehung welche Du zu dem Kind aufbaust scheint mir - von meiner Position hier am PC und ohne Dich oder das Kind zu kennen - grenzwertig zu werden. Bei aller Intensität und Beziehung die man in eine professionelle Arbeit investiert, muss doch auch die Distanz klar sein. Wenn Du Dich zu sehr - auch emotional - in die Sache verstricken lässt. läusft Du Gefahr selbst zum teil des Problemsystems zu werden (Konkurrenzempfinden der Mutter könnte Versagens- und Schuldgefühle auslösen, Eltern gehen eigenes Problemnicht mehr an weil Kind in ´Hort gut betreut und sich prächtig entwickelt usw. usf. man könnte einiges an Hypothesen bilden) - und das kann nicht Sinnund Zweck einer professionellen Hatung sein.

wenn die Arbeit in dem Hort zu Ende geht würdeich Dir dringend ans Herz legen das mit den Kindern einen entsprechenden Zeitraum vorher zu besprechen (mindestens 1 Monat evt. sogar länger vorher) und die Abschiedszeit bewusst und angenehm zu gestalten. So können isch die Kinder gut auf den Abschied vorbereiten und haben Zeit für Fragen die Ihnenhelfen zu verstehen was da gerade passiert und warum dies geschieht. Du bist halt eben Erzieherin und arbeitest hier "nur" - und einen Arbeitsplatz kann man wechseln, das liegt weder an den Kindern noch daran dass sie Dich so oft geärgert haben.

Die Gefahr liegt nicht darin, dass der Junge erneut eine Bezugsperson verliert - die Gefahr liegt darin, dass diese Trennung ähnlich der trennung der Eltern verläuft und alte Wunden wieder aufreisst. Ich hypothetisiere jetzt mal dass die Trennung der Eltern nicht harmonisch - positiv verlaufen ist, denn bei einem gut vorbereiteten und begleiteten Trennungsprozess sind Traumata relativ ausgeschlossen. Also - auch Trennung ist ein teil der professionalität und sie muss gestaltet und gelebt werden. Das macht sie nicht einfacher (schon garnicht wenn man an einem Kind "hängt") - aber erträglicher.

Ich würde übrigens auch empfehlen, dass Du für Dich und Ihr eventuell auch im Team gezielt mit Euren Einstellungen zum thema "Scheidung/Trennung" auseiandersetzt. Eigene Erfahrungen, Moralische Hintergründe, Wie stehst Du/Ihr dazu dass Eltern sich trennen? Eine solche Auseinandersetzung öffnet manchmal den weg dazu, das Problem "nüchterner" zu betrachten. Und nur wenn man ein Problem distanziert betrachten kann und einen gewissen persönlichen Abstand hält, sich nicht von der "Dramatik" der Situation gefangen nehmen lässt ist ein Problem handlebar.

Ich wünsche Dir und Deinem Klienten alles alles Gute :)

LG
alex
 
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